12/22/2018

Weihnachtsstimmung und Jahresabschlussgedanken



Es ist soweit.
Das erste Mal seit vielen Jahren bin ich in Weihnachtsstimmung.
Ich habe in diesem Jahr viel erlebt, viel gearbeitet und viele neue Erfahrungen gemacht.
Ein kleines Stück bin ich wieder näher bei mir angekommen und habe gefühlt auch viel Zeit fast nur mit mir und meiner Familie verbracht.
Dabei ist leider auch manches auf der Strecke geblieben, wie das Bloggen, das Fotografieren, manchmal das Kochen, das vertiefte Lesen von Büchern. Womit ich nicht meine, dass ich nicht ausreichend gelesen habe. Aber eben nicht so konzentriert und fokussiert wie früher, als ich mich mit bestimmten Themen ganz intensiv auseinandergesetzt habe. Leider sind auch manche soziale Kontakte etwas zu kurz gekommen, irgendwie reicht es nie für alles.

Schön in diesem Jahr waren unsere Urlaube: eine Reise mit erweiterter Familie an die Ostsee und unser erstes Campingabenteuer in den USA.
Das war wirklich ein Abenteuer und es war schön und anstrengend zugleich. Wir haben eine vertraute Route in recht angenehmen Klima gewählt und haben die Natur der Vereinigten Staaten noch einmal ein ganzes Stück näher kennengelernt. Es ist schon ein Unterschied, ob man abends in ein Motel-Bett sinkt oder in seinem Campermobil das Bett aufbaut, noch schnell Essen kocht bevor das Lagerfeuer aufgebaut und angezündet wird.
Mit Bertchen wäre diese Zeit so oder so anstrengend gewesen. Sie hatte begonnen zu krabbeln und sich überall hochzuziehen und dementsprechend musste man sie ständig beaufsichtigen. Das wäre zu Hause nicht anders gelaufen. Die Wanderungen hat sie in der Bauchtrage schlafend oder begeistert "Da, da!"-rufend mitgemacht, die Fahrtage hat sie meistens gut zum Schlafen genutzt.
Der Flug war jetzt nicht der entspannteste Flug meines Lebens, aber auch nicht der stressigste. Gelernt habe ich, dass ich nie wieder mit Gepäck und kleinem Kind mit der Bahn fahren will - das war insbesondere auf dem Rückweg eine Katastrophe (trotz reserviertem Sitzplatz).
Ansonsten war es aber schön. Und die nächsten Jahre werden wir jetzt mit solchen Reisen allerdings trotzdem vermutlich aussetzen, da ich mir nicht vorstellen kann, dass unsere Tochter noch lange bereit ist, sich entspannt im Auto herumkutschieren zu lassen. Also vielleicht eher Reisen mit kurzen Etappen innerhalb Europas.




Wir haben alle möglichen Klimazonen durchquert, waren immer wieder überrascht, wie kalt es nachts in den Bergen wird und wie schnell die Sonne untergeht. Wir haben es geliebt, am Lagerfeuer zu stehen, zu wandern, unserer Tochter beim Spielen mit Tannennadeln und Zapfen zuzuschauen. Wir fanden es großartig, uns selbst zu versorgen, konnten aber während der wenigen Motelübernachtungen den Luxus einer frei verfügbaren Dusche und Toilette sehr genießen. Unsere Tochter hat in diesem Urlaub erlebt, wie es ist, von Fremden permanent angelacht zu werden und wirkte überrascht, als das dann zu Hause schlagartig aufhörte. Sie wird sicherlich keine konkreten Erinnerungen an den Urlaub haben, davon werden wir ihr später erzählen müssen. Wir hoffen allerdings, dass es möglicherweise einen Grundstein für die Liebe zur Natur gelegt haben könnte und wir wollen ihr solche Erfahrungen so lange wie möglich anbieten. Für uns war es eine komplett neue Urlaubserfahrung und wir wissen noch nicht, wie wir sie bei unseren weiteren Reisen mit einfließen lassen werden. Die Nähe zur Natur war auf jeden Fall grandios, das Beschränktsein auf wenig Raum wurde zum Schluss schon immer stressiger. Aber im Großen und Ganzen war es ein wunderbarer, inspirierender Urlaub und eine tolle Zeit.

Viel zu schnell waren wir wieder hier und somit mein erstes Jahr der Elternzeitpause offiziell um. Damit gleichzusetzen war meine gesteigerte Wiederaufnahme der ambulanten Tätigkeit und der allmähliche Beginn der Prüfungsvorbereitung. Ich arbeitete an zwei Tagen in der Woche, Bertchen gewöhnte sich voller Begeisterung und Abenteuerlust bei der Tagesmutter ein und in meiner freien Zeit begann ich, meine Fallberichte für die mündliche Prüfung zu schreiben. Das zeigte mir wieder einmal wie gerne ich schreibe und wie leicht es mir fällt, wenn ich einmal angefangen habe. Daher waren die letzten Monate eigentlich sehr schön und erfolgreich.
Ich gewöhnte mir an, an meinen Praxisvormittagen oder wenn ich Supervision am Vormittag habe, meinen ersten Kaffee in gemütlichen Cafés zu genießen und bekam wieder mehr Struktur in meine Tage, indem ich jeden Morgen mit meinem Freund aufstehe und frühstücke. Da unsere Tochter eine ausgesprochene Langschläferin ist, hatte ich dadurch immer noch eine Stunde Zeit zum Schreiben oder jetzt, nachdem die Berichte fertig und weggeschickt sind, zum Lernen. Oder einfach zum Lesen oder mal wieder auf Twitter schauen. 
Das ist auch etwas, was ich geändert habe. Twitter hat mich zuweilen so genervt, dass ich mich darüber richtig aufregen konnte. Also habe ich die Apps von allen mobilen Geräten gelöscht und kann so nur noch am Rechner schauen und das mache ich nun nur noch ein Mal am Tag und damit ist es auch gut. Mir geht es damit besser und ich kann die Zeit unterwegs mit Bus oder auch abends im Bett besser mit Lesen von richtigen Büchern oder Hörbüchern verbringen.

Insgesamt war für mich 2018 eins der schönsten Jahre. Sicherlich war vieles anstrengend, vieles aber auch wunderschön. Ich bin der Meinung, dass mein Leben durch die viele Freiheit sehr bereichert wurde. Wie es wird, wenn ich nächstes Jahr wieder in der Klinik einsteigen werde, weiß ich noch nicht. Mir fehlt die Arbeit in der und die Sicherheit durch die Klinik, mir fehlen meine Kollegen und ich freue mich darauf, wieder dort zu arbeiten. Gleichzeitig macht es mir Sorgen, wenn ich daran denke, dass ich dann wieder sehr feste Arbeits- und Fahrzeiten haben werde und ich frage mich, wie sich das für meine Tochter und mich anfühlen wird. Da ist dann die Idee, nach der Prüfung vielleicht eine eigene Praxis zu haben, schon verlockend. Aber das wird sich 2019 oder 2020 oder noch später entscheiden. Jetzt erstmal bin ich dankbar für das was ich habe und wünschte mir, ich könnte den Menschen in meinem Umfeld, denen es nicht so gut geht oder für die 2018 ein schweres Jahr war, etwas von meinen Gefühlen abgeben. 
Ich bin so froh über neue und alte Freundschaften, bin gespannt, wie sich Bertchen weiter verändern wird und bin von seltsamer Zuversicht erfüllt, dass sich alles logisch entwickeln wird.

Zum Abschluss noch ein paar Worte zu Frida und Phoebe.

Die beiden haben sich mit unserer neuen Wohnsituation abgefunden. In meiner Wahrnehmung sind sie seit dem Umzug deutlich bequemlicher und anhänglicher geworden. Sie schlafen viel und fordern  sehr viel Nähe und Streicheleinheiten ein, sobald sie uns mal für sich haben. Was den Freigang angeht, so sind wir immer noch nicht weiter. Die Straße ist immer noch so groß und stark befahren wie eh und je und ich habe Angst, dass sie sie nicht lange überleben werden. Bei Frida kann ich mir vorstellen, dass sie auch ohne weitere Sicherung eine Gartenkatze werden könnte. Sie war immer schon recht bequem und hat den Balkon in der alten Wohnung immer nur kurz genutzt um es sich dann wieder im Wohnzimmer bequem zu machen.


Phoebe ist ein anderes Kaliber. Sie ist neugierig, war immer stundenlang draußen und ich fürchte, sie würde sich auch über Katzenzäune hinwegsetzen um zu schauen, was hinter der Hecke ist. Daher konnten wir uns bislang nicht überwinden, sie in den Garten zu lassen. Sie machenallerdings auch nicht den Anschein, dass sie unbedingt nach draußen möchten. Vielleicht bleibt also alles wie es ist. Etwas schade ist, dass Frida immer rabiater wird, was das Essen angeht. Ab einer bestimmten Zeit schiebt sie so laut Alarm, dass man sie füttern muss, wenn sie das schlafende Kind nicht wecken will. Oder aber man streitet mit ihr und spritzt sie nass, was sich auch nicht gut anfühlt. Ich weiß wirklich nicht, was das ist - Hunger kann es eigentlich nicht sein. Das wäre etwas, was sich gerne verändern dürfte im neuen Jahr.

Jetzt erst einmal verabschiede ich mich für heute und wünsche allen (Advents-)Lesern ein schönes Wochenende und entspannte Feiertage.

Wir lesen uns :)

7 comments:

  1. Hallo meine Liebe. Das war ein aufregendes Jahr mit vielen Dingen, die Du und Deine Familie das erste Mal gemacht haben. Und mit dem Bertchen wird möglicherweise eventuell noch ein paar Jahre weitergehen. ;)

    Deine "Routine" mit dem Kaffee finde ich wunderbar; ich stelle mir vor, dass es eine gute Einstimmung in den Arbeitstag ist.

    Ich drücke die Daumen, dass sich Frida auf Dauer wieder einbekommt. Die beiden Mädels sind übrigens mal wieder hübsch abgelichtet. :)

    Und hey! Weihnachtsstimmung! Sehr schön. <3

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  2. So ist es: ein spannendes Jahr und da wird wohl noch ein bisschen was auf uns zukommen ;)
    Bei meinem Café-Besuch denke ich auch immer an Dich und an Deine Samocca-Zeit. Es ist so ungünstig, dass die jetzt die Öffnungszeiten für Dich nachteilig verändern...

    Ja, das wäre wirklich schön, wenn Frida nicht immer so ausrasten würde. Es ist ansonsten ja wirklich sehr angenehm mit den beiden Schweinchen, außer halt zu bestimmten Stoßzeiten... Vielen Dank, ich glaube, sie genießen das mittlerweile immer sehr ;)

    Weihnachtsstimmung inklusive Lesezeit heute mittag, in der ich sogar meinen Roman, der in der Wildnis Kanadas spielt, beenden konnte - yay :)
    Ich hoffe, Du hattest auch einen sehr schönen Lesetag :*

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    1. Ich habe vorgestern mal "nachgefragt". Die Öffnungszeiten werden verkürzt, weil Mitarbeiter fehlen, sodass die Wochen immer dieselben arbeiten und das einfach incl. Wochenenden zu viel wird; sie habe keine Erholungszeiten. Wenn ich einen Grund nachvollziehen kann, dann diesen. ;)

      Ich werde austesten, wie es im Samocca ab 12 Uhr samstags ausschaut und ggf. dann gehen und falls es mir zu voll wird, dann werde ich halt meine Urlaubszeiten nutzen.

      Am 4. Advent habe ich mehr Bruce Willis gesehen als geschriebene Worte, glaube ich, aber das war völlig okay. :D

      Habt schöne Feiertage! <3

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    2. Die schönen Feiertage wünsche ich Dir auch von ganzem Herzen :*
      Eben haben wir Deine köstlichen Plätzchen verkostet, M. ist ganz hin und weg von Deinem Fuggerbrot ;)
      Ich hoffe, Du hast Glück mit dem Samocca und dass es für Dich eine gute Lösung geben wird.
      Hab eine entspannte Weihnachtszeit und genieße die freien Tage und Deinen schönen Baum. Liebste Grüße an Merlin und Dich!

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    3. Danke! <3 Und dass M. das Fuggerbrot schmeckt, lese ich natürlich auch sehr gern. :)
      Viele Grüße zurück!

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  3. Wenn ich überlege, wie viel du in diesem Jahr gemacht und erlebt hast (egal, ob zum ersten Mal oder vielleicht auch nur zum ersten Mal so bewusst oder mit Kind), dann ist es definitiv nicht verwunderlich, dass ein paar Dinge auf der Strecke geblieben sind. Zum Glück läuft dir nichts davon weg und irgendwann hast du das Studium endgültig abgeschlossen und Bertchen wird mehr Freizeit mit ihren Freunden als mit dir verbringen und spätestens dann kannst du wieder intensiv Lesen, Bloggen oder andere Dinge machen, für die du mehr Zeit benötigst. ;)

    Es ist auf jeden Fall wunderschön zu lesen, wie zufrieden du auf dein Jahr zurückblickst und wie du es bei all den Herausforderungen immer noch schafft dir etwas Erholungszeit (oder zumindest einen guten Start in den Tag) zu gönnen. Ich bin sehr gespannt, wie es sich bei dir in den kommenden Jahren entwickelt und freue mich schon auf die Blogposts, in denen du uns davon erzählen magst.

    Was Fridas "Futtereinfordern" angeht, so erinnert mich deine Beschreibung ein wenig an Christie. Sie hat auch solche Phasen und oft liegt es nicht daran, dass sie solchen Hunger hat, sondern dass sie sich in dem Moment einsam und unbeachtet und allgemein unzufrieden fühlt. Eine Lösung haben wir da auch nicht, manchmal hilft es, wenn wir mit ihr spielen oder ein winziges Leckerli (für sie gibt es nur noch getrocknetes Lamm wegen der Futtermittelallergie, das kann man gut in winzige Fitzel reißen) quer durch den Flur werfen.

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    1. Da hast Du sehr recht, die Zeiten werden kommen und jede Zeit hat ihre Berechtigung ...
      Dankeschön, ich war selber auch ganz positiv überrascht, mit wieviel Wärme ich auf dieses volle Jahr zurückschauen kann.

      Ja, das haben wir auch schon gedacht. Sie war ja immer "meine" Katze und muss mich nun an meisten teilen...
      Wir arbeiten daran - ich fürchte allerdings, dass sie sich schon ein bisschen daran gewöhnt hat, abends vorm Schlafen gehen und nachmittags diese Show abzuziehen.
      Aber gestern hatten wir eine gute Spielstunde und daher bin ich ganz optimistisch, dass das vielleicht nochmal wird. Die Herausforderung ist auch immer, dass sich die beiden nach einer Spieleinheit oft prügeln müssen, was etwas ungünstig für positive Verstärkung ist ...
      Aber das ist ja spannend, dass Du das von Christie auch kennst. Vielen Dank, dass Du das hier schreibst, so habe ich noch mal ein paar neue Anhaltspunkte, was ich machen kann bzw. einen Hoffnungsschimmer, dass es auch nochmal besser werden kann.

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