5/16/2019

Nach der Prüfung ist nicht mehr vor der Prüfung

Nun ist es also geschafft.
Fertig.
Finis!
Keine Prüfung mehr - wenn es nach mir geht, nie wieder!

Ich merke, wie die Erschöpfung sich langsam Bahn bricht, nachdem ich jetzt die letzten Wochen nochmal durchgelernt habe. Alles lesen, was mir in die Hände fällt, versuchen zu verstehen und es in meinen Sprachgebrauch zu integrieren für die mündliche Prüfung.

Am Ende war die mündliche Prüfung eben eine mündliche Prüfung. Mit aller Nervosität, Unsicherheit und Befangenheit, wie ich es schon aus dem Studium von mir kenne.
Mit dem Gefühl, vor diesen klugen Prüfern ganz klein zu sein und sich nicht gut ausdrücken zu können.
Aber gut, ich kenne das von mir und ich habe auch nicht damit gerechnet, dass ich mich da so gut wie in meiner Lerngruppe fühlen würde.
Von daher: ja, es ist geschafft. Ich habe trotz meiner Prüfungsangst, trotz all den verschnupften Nasen, den familiären Tragödien, den komplizierten Fragen zu meiner beruflichen Zukunft in den letzten Wochen eine richtig gute Leistung abgeliefert und bin jetzt fertig mit meiner Weiterbildung.
Bin jetzt angekommen an der Stelle, in der ich mich im Wintersemester 2006/2007 sicherlich nicht zu sehen erwartet hätte. Da war für mich noch klar, nach dem Studium hänge ich sicher nicht noch eine fünfjährige Weiterbildung dran und zahle ein kleines Vermögen dafür.
Das konnte ich mir nicht vorstellen. Und trotzdem war dieser Weg für mich dann doch genau der richtige.

Jetzt geht es also weiter. Hier und da noch kleine Fortbildungen, aber doch beginnt nun ein ganz neues Leben. Ich bin nicht mehr in Weiterbildung, sondern nun ganz und gar im Erwachsenenleben angekommen. Da ist ein kleines Bertchen, eine Beziehung, ein Haus, ein neuer Job. Zwei Katzenschweinchen, die uns fast seit Beginn meines Studiums begleitet haben.

Hier ist auch ein neues Ich, welches im Studium und vor allem in der Weiterbildung gewachsen ist, sich verändert hat und neue Seiten an sich entdecken durfte. Selbstvertrauen, Mut, eigene Bedürfnisse, eigene Grenzen, die eigene Geschichte verstehen und bewusst weiterschreiben. Das alles ist neu und anders.
Und doch weiß ich, dass auch die alten Geschichten, die traurigen und unsicheren Gefühle mir immer mal wieder über die Schulter schauen werden. Man wird das nicht los, man gibt es leider nicht mit der letzten Prüfung ab. Oder sollte ich zum Glück sagen? Es begegnet mir immer wieder. Doch weiß ich nun besser darüber Bescheid und erkenne es, wenn ich aufgrund alter Geschichten möglicherweise irrational handle oder alte Gefühle auftauchen, die durch nichts zu begründen sind in der aktuellen Situation.
Es ist wie ein neues Paar Schuhe. Schuhe, die sehr ähnlich zu den alten sind, aber doch neuer und stabiler. In die sich zwar immer wieder ein paar Steinchen oder Fussel verirren, die dafür aber jetzt richtig gut sitzen und mir Halt geben. Und gut aussehen tun sie auch - was will man mehr. Ich muss mich nur gut um sie kümmern, sie vernünftig einlaufen und nicht aus Bequemlichkeit die alten wieder hervorkramen ;)
Ich habe den Blog hier im Studium begonnen und war zwischendurch schon oft in Versuchung, ihn zu schließen. Und jetzt bin ich froh, dass er noch da ist. Und ein Zeugnis dieser ganzen Zeit darstellt.

Ich hoffe, hier zukünftig wieder mehr zeigen zu können. Mich mit neuen Dingen zu befassen (meine Nähmaschine wartet, ebenso wie die neuen Bücher, die ich mir gestern in der Stadt gekauft habe). Auch habe ich mir ein paar Kochzeitungen besorgt, weil ich Lust habe, wieder mehr zu kochen und zu backen.

Ich freue mich auch darauf, sowohl mit den Schweinchen als auch mit dem Bertchen mehr Geduld haben zu können. Wenn die Kleine mehr Zeit braucht morgens oder meint, schon um halb acht aufstehen zu müssen, ist das nicht schlimm. Denn ich muss nicht noch in der Stunde bis zum wegbringen in meine Skripte schauen und habe Zeit, um mit ihr zu spielen oder eben für eine halbe Stunde aufzupassen, dass sie sich beim "selber" anziehen nicht selbst fesselt oder sich irgendwo stößt. Das macht dann einfach mal gar nichts und das tut mir sehr gut. Und es ist einfach viel entspannter geworden, weil meine eigenen Nerven sich langsam beruhigen und ich nicht mehr so schnell an meinen Grenzen bin.

Dafür nehme ich mir jetzt noch einmal bewusst Zeit, bevor der neue Job beginnen wird. Das wird vermutlich erst im August soweit sein, also habe ich noch etwas Zeit und Gelegenheit. Ich werde das sehr genießen und kann mich jetzt darin üben, wie das ist, Wochenenden zu haben. Sich einfach treiben lassen dürfen und mal keine Leistung bringen zu müssen. Wenn ich das so schreibe, wirkt es auf mich absurd - ich weiß, dass das selbstverständlich ist und doch fühlt es sich gar nicht so leicht an.

Nun ja. So weit erstmal. Jetzt schaue ich mal in meine neuen Bücher :)