Hier ist er nun, der schon eingeforderte, ein paar Tage aufgeschobene und völlig begeisterte Bericht unseres Sommerurlaubs 2010 :)
Am Sonntag, dem 08. August ging es in früher Morgenstund los, das Auto war schon abends fast komplett gepackt worden. Keine Staus, nichts Wesentliches vergessen - bis München lief es rund und Kathrin, mein Navi, wurde immer optimistischer, geradezu euphorisch und meinte, wir kämen so gegen 21 Uhr in Gradoli an. Doch dann kam München. Und ein gewaltiger Stau. Kathrin revidierte ihre Meinung rasch und schnell wurde aus 21 Uhr 23 Uhr und dabei blieb es auch die ganze Restfahrt. In Deutschland kann man immer noch prima Zeit wett machen, aber sobald man über die Grenze ist und sich an die Geschwindigkeitsbeschränkungen hält, ist davon keine Rede mehr und das Kathrin behält das letzte Wort.
Wir krochen also durch München, und später dann über den Brenner-Pass, bewunderten die Alpen und die Obstplantagen Südtirols und irgendwie zog es sich danach ganz schön hin. Gerade die tollen Berge wurden dann schnell bedrückend und wir waren froh, als wir am Gardasee vorbei und auf die Ebene kamen. Ich habe während der Fahrt viel vorgelesen aus Stefan Ulrichs
"Arrividerci, Roma!" und das hat die Fahrt recht kurzweilig gemacht.
Da ich ja vorgelesen habe, bin ich noch nicht durch, aber es ist ein wirklich gutes Buch. Stefan Ulrich erzählt unterhaltsam Familienanekdoten und Italien-Geschichte, gar nicht trocken sondern wirklich interessant und fesselnd. Ein sehr empfehlenswertes Buch für jeden Italien-Reisenden oder -Liebhaber - ich werde sicher auch den ersten Teil (ich wusste nicht, dass mein Buch ein Folgebuch ist) noch lesen.
Gut, lange Rede, kurzer Sinn, wir hatten eine gute Fahrt, bekamen aber immer kältere Füsse, weil der Campingplatz ja nicht ewig aufhaben würde. Kathrin blieb hartnäckig bei ihrer Meinung, dass 23 Uhr die perfekte Ankunftszeit für uns sei und sie behielt Recht. Aber es war alles überhaupt kein Problem. Wir fuhren auf den Platz, wurden freundlich begrüsst und gefragt, ob uns frische Pasta, Salat und Weisswein genehm wären und aufgefordert, uns einen schönen Platz auszusuchen.
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| für alle, die auch mal einen grossartigen Campingplatz am Lago brauchen :) |
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Mit unseren Freunden bauten wir dann fix das Zelt auf (20 Minuten - ein tolles Zelt :) ) und dann kam der Verwalter schon wieder auf seinem Fahrrad angepest und fragte, ob er die Nudeln schon wässern dürfe. Durfte er - eine halbe Stunde nach der Ankunft sassen wir vor köstlichen Tagliatelle, tranken Frizzante und erzählten von der Fahrt, redeten mit unseren Freunden und waren froh, angekommen zu sein.

Am nächsten Morgen weckte mich die Sonne schon recht früh, wir hatten uns einen Platz mitten in der Morgensonne ausgesucht, was zwar vom Prinzip her schön, tatsächlich aber vor allem sehr heiss ist. Wir sind dann auch noch am gleichen Tag zu einem schattigerem Plätzchen umgezogen, um morgens bei Bedarf länger schlafen zu können.

Ich beschloss, der Hitze zu entfliehen und mich dem Frühschwimmen hinzugeben, etwas, was ich dann auch an den meisten folgenden Tagen tat. Der Lago di Bolsena ist einfach ein wundervoller See. Das Wasser ist schön weich, die Temperatur auch recht angenehm (geschätzte 23°C) und das einzig Schwierige ist der Weg in den See hinein. Wie Ihr auf dem Bild sehen könnt, liegen dort einige Steine in Ufernähe und das war jedes Mal wieder eine ziemliche Herausforderung. Aber der Stolz verbot mir, mir Badeschuhe zu kaufen und es hat ja auch immer geklappt ;)
Die nächsten Tage waren geprägt vom Wandern und dabei etruskische Überreste und verschlafene Dörfer zu bewundern. Oft genug fühlte ich mich erinnert an Capricorns Dorf in Cornelia Funkes"Tintenherz" und auch sonst hatte man oft genug das Gefühl, dass die Zeit an manchen Stellen hier stehenbleibt oder langsamer verläuft. Wir waren einen hektischen Tag lang in Rom, haben ansonsten viele Unternehmungen in der Umgebung gemacht, und uns einfach eine entspannte, ruhige Zeit gegönnt. Unter anderem haben wir den
Parco dei Mostri in Bomarzo besucht (weiter unten gibt es da noch ein paar Bilder zu sehen, aber die Website ist sehr nett gemacht) und waren in
Civita di Bagnoregio, einem Bergdorf, welches damals zu den "sterbenden Städten" gehörte und fast aufgegeben wurde, da es durch Erosion und Erdrutsch als absturzgefährdet galt.

Es wurde aber wiederbelebt, saniert und restauriert und innerhalb der letzten 5 Jahre ist bereits ein unglaublicher Wandel zu bemerken. Nur eine alte Dame, die schon damals auf dem Mäuerchen vor ihrem Haus sass, und anpries, dass aus ihrem Garten der schönste Panoramablick zu sehen sei, war immer noch unverändert dort. Sie lädt vorbeigehende Touristen ein, den Ausblick bei Ihr zu bewundern und wenn sie wieder herauskommen, einige zwanzig Photos reicher, hält sie ihre faltige, kleine Hand auf und erbittet einen kleinen Obulus. Schön ist, dass die Touristen ihr immer noch etwas geben, denn mittlerweile ist die Stadt komplett mit Panorama-Terassen umgeben ... Aber diese uralte kleine Frau, deren Rente sicherlich mehr als kärglich ist, hat all diese Jahre in Civita ausgehalten - sie war auch zu der Zeit noch dort, als nur noch neun Menschen im Dorf gelebt haben. Irgendwie fand ich es schön, sie wiederzusehen :)
Kulinarisch ist Italien schon lange meine Wahlheimat und das hat sich in diesem Urlaub nur bestätigt: Biscotti, Pasta, köstliche, neopolitanische Pizza, wunderbarer Wein, aromatische Tomaten und Mozarella di Buffalo im 5er Pack für kleines Geld. Und natürlich auch traumhaft cremiges Straciatella-Eis, das darf nicht vergessen werden.
Wir hatten einen wunderschönen, erholsamen, Seele-beruhigenden Urlaub. Campen, haben wir festgestellt, ist für uns eine gute Urlaubsform und der Komfort eines Zeltes ist für eine Woche zunächstmal absolut ausreichend.
Unser tolles Zelt hat sich bewährt: bei einem heftigen Unwetter hat es gut durchgehalten, es wurde nicht undicht und stand wie eine Eins. Der Campingplatz
La Grata war für uns wie geschaffen: nicht überlaufen, sehr persönlich, sehr familiär - wenn wir das nächste Mal am Lago di Bolsena Urlaub machen, werden wir sicher wieder dort zelten.
Für mich persönlich war dieser Urlaub einfach nur ein wahrgewordener, schon lange gehegter Traum - wie habe ich Italien vermisst.
Hier noch ein paar zusammenfassende Photos - als Fazit sozusagen und vielleicht als Anregung ;)