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1/11/2011

Reisen mit wetterfühligen Ladies, begleitet von Bilbo Beutlin

Heute morgen begrüsste mich ein sowohl vertrauter als auch gefürchteter Anblick:
Mein Auto war über und über mit Eiskristallen überzogen und entsprechend wollten die Türen nicht so ohne weiteres aufgehen. Vielleicht hätte ich mal ein Bild meiner Türgriffe machen sollen, damit das klarer wird. Da hatte ich aber die schönen Eiskristalle schon zerstört und fand das nicht so fotogen. Und da hatte ich auch noch nicht darüber nachgedacht, diesen Post zu schreiben.
Wie dem auch sei, Ihr müsst mir nun einfach glauben, dass meine Lady etwas, nennen wir es mal, "wetterfühlig" ist. Die eine Tür liess sich von aussen gar nicht öffnen, die andere nach dem Öffnen nicht mehr schliessen. Das habe ich dann später mit einem Körnerkissen wieder hingekriegt *seufz* Nachdem ich eine gefühlte Stunde (in Wirklichkeit waren es wohl eher 30 Minuten) mein Auto freigekratzt hatte (innen und aussen!) und nocheinmal in die Wohnung musste, um (schon wieder) etwas Vergessenes zu holen, durfte ich dort noch Katzenerbrochenes entfernen, weil Phoebe das grosszügige Füttern (da erst abends die Nachbarn zum füttern kommen) zum Sich-Überfressen genutzt hatte. Zum Glück hatte ich noch etwas vergessen, sonst hätten unsere lieben Nachbarn direkt einen guten Start gehabt, beim ersten Katzensitten unserer Schweinchen ;).
Also gut, irgendwann war alles soweit und ich wollte endlich losfahren (ich war schon 30 Minuten über der Zeit). Beim Anfahren wurde schnell klar, irgendwas ist komisch, das Bremsen fühlt sich merkwürdig an - wow, so glatt ist es - Wahnsinn, hoffentlich komme ich heile den Berg runter... Kam ich. Doch auf der Geraden wurde es nicht besser - bremsen fühlte sich an, als hätten die Bremsen einen Wackelkontakt, es war total holprig und der Bremsweg war doppelt so lang als sonst. Um sicher zu gehen - immerhin lagen geschätzte 500 km vor mir, bin ich dann noch in die Werkstatt gefahren, um nachzufragen, was das sein kann. Dort beruhigte mein sonst oft cholerischer Fachmann mich, meinte, dass Stehen im Regen, Schnee, Eis, Tauwetter etc. hätte die Bremsen rosten lassen - ich solle mir keine Gedanken machen, vorausschauend fahren und auf der Autobahn, wenn keiner hinter mir ist (natürlich, wann sonst?) leichte Bremssequenzen fahren, so dass die Bremsen wieder blank werden.
Ganz begeistert verliess ich die Werkstatt: mein Auto macht komische Dinge und ich muss keine ca. 300 Euro dafür bezahlen - genial, so was hab ich selten ;)
Auf der Autobahn war dann nach ca. 100 km offenbar auch alles wieder blank und es fühlte sich wieder gut an. Auf der Reise hörte ich zunächst meine beiden Lieblings Winter/Weihnachts-CD's (was nicht automatisch bedeutet, dass dort Weihnachtslieder enthalten sind, es sind v.a. CD's die ich und auch andere Personen in meinem Freundeskreis machen, wenn man um Weihnachten zur Besinnung kommt, um das Jahr zusammenzufassen, so wie früher eben Kassetten aufnehmen :) ) die mir die Fahrt sehr angenehm gestaltet haben. Ab der A7 habe ich mich dann nach Unterhaltung gesehnt und mich bei Bilbo Beutlin eingeladen, zusammen mit 13 Zwergen zum Tee, Musizieren und Abenteuer planen und weil es so schön war, bin ich gleich mit ihnen losgezogen auf die grosse Reise zum einsamen Berg. Die liebe Winterkatze hatte mich auf dieses wunderbare Hörbuch, gelesen von Gert Heidenreich, aufmerksam gemacht und ich muss wirklich sagen, ich bin restlos begeistert und freue mich nun doch etwas, jeden Tag der nächsten Wochen ca. 1 Stunde im Auto zu verbringen ;).
Den Hobbit habe ich viele Jahre alljährlich gelesen und doch hatte ich unglaublich viel vergessen. Es ist wirklich eine grossartige Geschichte und in dieser Darbietungsform einfach nur grandios.
Nach  5 Stunden und ca. 30 Minuten war ich dann schon in meinem aktuellen Zweitheim - fast ein wenig schade, denn ich bin gerade mitten in der Rätselstunde von Gollum und Bilbo. Herrlich, wirklich herrlich - ich habe mich selten so gut unterhalten gefühlt. Danke, liebe Winterkatze, für diesen grossartigen Tipp!
Meine Sachen habe ich schon ausgepackt und eingeräumt und nachdem ich nun vom Glatteis und Raureif in den Regen geraten bin, werde ich den Rest des Tages hier verbringen und noch ein paar Rückenübungen vorm Fernseher machen - diese langen Autofahrten gefallen meinem Rücken nicht so gut.

Auf der Fahrt war ich zwischenzeitlich unglaublich traurig, weil die schönen Ferien daheim schon wieder um sind und weil ich mich schon jetzt nach den Menschen und Schweinchen daheim sehne. Andererseits denke ich aber, dass ich jetzt einfach mal richtig lospowern werde, damit ich wirklich schnell wieder nach Hause kann. Blöderweise habe ich meine Prüfungsliteratur zu Hause vergessen (bisher das einzige, was ich vergessen habe, ich kann es mir fast nur als Freud'sche Fehlleistung erklären) - aber ich wollte mir eh erstmal die Scripte anschauen. Der neue DSi ist daheim geblieben, um mich nicht in Versuchung führen zu können - vermutlich werden meine Animal Crossing Nachbarn mich dafür übel abstrafen ;) Aber das macht nichts, Hauptsache, die Diplomarbeit nimmt schnell Formen an :D

Morgen früh geht es also wieder "auf Arbeit", wobei ich mich schon sehr freue auf den Café Latte bei uns in der Kantine, auf den ich meine liebe Kollegin S. einladen werde, damit sie mir alles über Südafrika erzählt und ich ihr danken kann, weil sie die ganze Videoauswertung für unseren Versuch gemacht hat. So eine Ausdauer muss honoriert werden. Auch sonst bin ich froh, die Kollegen zu sehen, und vor allem darüber, endlich "richtig" weiterzumachen und voran zu kommen.

So, jetzt verschwinde ich, mit der wahren Geschichte der Geisha auf dem Sofa, bisher witzigerweise das beste Buch meine Weltreise, auch wenn ich es leider nicht im richtigen Zeitrahmen lesen konnte ;)

8/27/2010

Nacht des Orakels - Paul Auster (Audiobook)


Schon lange will ich über dieses Hörbuch schreiben - doch irgendwie war es mir bisher nicht möglich - und zwar, weil ich die letzte CD nochmal hören wollte, bevor ich davon erzähle.

Das dieses Audiobook in meinem CD-Spieler gelandet ist, ist das Ergebnis eine Ama*zon Shopping-Trips ;)
Ich brauchte dringend ein Hörbuch für die Heimfahrt Ende letzten Monats, und dieses war gerade im Angebot - da war die Entscheidung leicht. Ich mag Siri Hustvedt sehr gerne und Paul Auster als ihr Mann hatte mich schon länger interessiert. Nach der Fahrt steht für mich fest, dass ich einfach alles von ihm lesen muss!
Die Erfahrung, die ich mit diesen fünf CD's auf der Heimfahrt gemacht habe ist nahezu unbeschreiblich.
Die Wortwahl, die Spannung, die Stimmung - alles ist grossartig. Ich habe fasziniert gelauscht, vor allem der Anfang der Geschichte ist unglaublich fesselnd und mitreissend, grandios erzählt und von Jan-Josef Liefers phantastisch vorgelesen.
In dieser Geschichte ist ein Roman im Roman, sowie viel Düsternis und Grausiges enthalten. Es sind menschliche Abgründe beschrieben, Geschichten werden erzählt, erdacht, erraten - es macht einen atemlos beim Zuhören. Das Ganze ist sehr dicht und intensiv erzählt und man fühlt sich, als wäre man selbst mitten in der Geschichte. Jan-Josef Liefers hat sicher einen nicht geringen Anteil an dieser Wirkung - seine Stimme hat mich geradezu mitgerissen.

Ich dachte zuerst, Paul Auster hätte das Ende der Geschichte vermurkst. Es machte mir den Eindruck, als ob ihm ca. ab Mitte der Geschichte die Fäden aus der Hand gelaufen sind. Auf der anderen Seite: vielleicht war es seine Absicht, mich in genau der Verwirrtheit zurückzulassen, in der ich schliesslich, am Ende meiner Fahrt, da stand, auf meinem Parkplatz, vor dem Haus, in dem wir wohnen. Müde, ein bisschen fassunglsos ob dieses Endes.
Ich glaube, ich werde mir das Hörbuch nochmal in Gänze anhören. :)

So oder so - egal, ob ich das Ende nun gut oder schlecht fand bzw. finde: Mir hat diese lange Autofahrt ganz grosse Lust auf mehr von Paul Auster gemacht. Ich mag seinen Schreibstil sehr, sehr gerne und ich habe mir fest vorgenommen, mir bei der nächsten Gelegenheit die New York-Trilogie zu schnappen, wenn ich sie mal wieder im Antiquariat liegen sehe.