12/13/2015

"Sterben" von Karl Ove Knausgård - Sachbuchchallenge 2015 #9

Wie an anderer Stelle bereits erwähnt, habe ich mich ja kürzlich mit Karl Ove Knausgårds "Sterben", dem erstem Teil seiner - ich glaube - sechsbändigen Reihe ("Das autobiographische Projekt") beschäftigt. Da die liebe Winterkatze ja Interesse an einem Post über das Buch angemeldet hatte, habe ich mir gedacht, ich nutze diesen freien und entspannten Adventssonntag für die vermutlich letzte kurze Buchbesprechung des Jahres.


Irgendwann Mitte letzter Woche habe ich o.g. Buch ausgelesen - ein Arbeitskollege hatte es mir geliehen und ich war anfangs total begeistert und konnte es fast nicht weglegen.
Aufgrund von reichlich Arbeits-, Weiterbildungs- und Freizeitanforderungen wurde es dann mit der Zeit leider etwas mühsamer - was vielleicht auch den Längen, die das Buch teilweise einfach hat, lag.
Grundsätzlich muss man sagen, das Knausgård eine sehr detaillierte und persönliche Art hat zu schreiben. Ich glaube, das macht dieses Buch einfach aus. Wir bekommen sehr private Einblicke in seine Kindheit, seine Psyche, seine Gedankenwelt und seine Emotionen. Die oft kleinen Geschichten, die er erzählt, ziehen sich häufig über sehr viele Seiten hin und ich habe anfangs den Fehler gemacht, auf eine Pointe zu warten, die dann aber nicht kam. Nachher hat mich das allerdings auch nicht mehr gestört (und ich habe nicht mehr mit Pointen gerechnet).
Um ein Beispiel zu nennen wird besteht fast der komplette erste Teil des Buches (also so etwa die Hälfte) beinahe ausschließlich aus den Schilderungen einer Sylvesternacht und damit verknüpften Kindheits- und Jugenderinnerungen. Der zweite Teil hingegen ist dem Tod des Vaters gewidmet, und der damit einhergehenden Beerdigung. Allerdings gelingt es Knausgård, an diese Handlungsstränge neben vielen nicht so wichtigen Teilgeschichten auch sehr prägende und bewegende Erzählungen aus seinem Leben und seinem Denken einzuflechten.

Daher: ich weiss nicht, ob es nicht vielleicht einfach an meiner Überlastung lag, dass ich am Ende manchmal nicht mehr so enthusiastisch nach dem Buch gegriffen habe. Grundsätzlich habe ich das Buch sehr gerne gelesen (trotz aller Trostlosigkeit die darin enthalten ist) und werde auch noch die Folgeteile so nach und nach lesen. Allerdings brauche ich im Moment eine Pause ;)

Ich finde Knausgård selbst sehr interessant und angenehm und habe Lust, ihn noch näher kennenzulernen. Ich finde es beachtlich, wie weit er die Welt an seinen Gedanken teilhaben lassen mag und werde ihn gerne noch weiter begleiten. Was die Längen angeht: sie gehören zum Leben wohl genauso wie das Sterben an sich und dort erkenne ich auch viele Parallelen zur Realität. Wenn ich mein Leben ungeschönt beschreiben würde, hätte es wirklich viele Längen ...
Daher: von meiner Seite eine klare Empfehlung für "Sterben" von Karl Ove Knausgård - allerdings natürlich nur, wenn man mit dieser Art Buch überhaupt etwas anfangen kann. Wer in sich geschlossene Geschichten mit Spannungsbogen und möglicherweise aufregenden Wendungen lesen möchte, wird vermutlich enttäuscht sein. Und ich finde, es handelt sich auch um ein Buch, dass man zum richtigen Zeitpunkt lesen sollte ...