11/15/2015

"Persepolis - Eine Kindheit im Iran " und "Jugendjahre" von Marjane Satrapi - Sachbuchchallenge 2015 #7 + #8

Die Sachbuchchallenge der lieben Winterkatze neigt sich dem Ende entgegen. Und doch lese ich gerade noch ein weiteres Buch, welches ich vielleicht sogar noch verbloggen kann, bevor das Jahr 2015 vorbei ist.
Aber beginnen wir am Anfang.

Persepolis - Eine Kindheit im Iran von Marjane Sartrapi - Teil 1
Ich habe dieses Buch in meiner Kindheit (oder auch frühen Jugend) das erste Mal gelesen. Der Grund dafür war, dass ich meiner liebsten Kinderfreundin, die ich schon aus Sandkasten-Tagen kenne, dieses Buch schenkte, als ich zu ihr in die Ferien fuhr. Leider kannte und besass sie schon beide Teile, so dass ich es wieder mit nach Hause nahm und entsprechend las. Ich war damals vielleicht so 12 oder 13 Jahre alt und war total beeindruckt. Die Welt von Marji war so ganz anders als meine eigene und auch so ganz anders von allem, was ich über den Iran bis dahin gelernt hatte. Ich fand Marji unglaublich interessant - sie war so fantasievoll und aufgeweckt - und manchmal auch richtig gemein und egoistisch. Kurz, sie war irgendwie ganz echt und dabei gleichzeitig so unwirklich. Die Art des Zeichnens fand ich großartig, ich kannte damals auch schon Art Spiegelmans "Maus"-Comics und ich glaube auch, dass die Ähnlichkeit des Zeichenstils mich zum Kauf von "Persepolis" animiert hatte.
Man lernt also Marji, die Unerschrockene, kennen. Ihre Eltern sind linke Intellektuelle, die sich im Iran zwar arrangiert haben, die aber mit dem Schah-Regime naturgemäß große Schwierigkeiten haben. Je schwieriger und strenger die Regeln werden, desto sorgenvoller geht es im Hause Sartrapi zu.
Und während Marjis Welt immer noch sehr behütet ist, sie ihre Großmutter als ruhenden Pol jederzeit abrufen kann und ihre Eltern sie frei und selbstbewusst erziehen, verändert sich die Welt draußen mehr und mehr. Das Kopftuch wird Pflicht und die Demonstrationen gegen das Regime nehmen zu. Marji ist währenddessen damit beschäftigt, mit Gott zu diskutieren und zu versuchen, ihre Welt zu verstehen. Sie glüht für Verehrung von Helden wie ihren Onkel Anusch und wird auch selber immer rebellischer.
Daher wird es auch immer schwieriger - sie eckt in der Schule an und die Eltern entscheiden, dass es sicherer und besser für sie ist, den Schulabschluss in Frankreich zu beenden.

Damit endet der erste Teil meiner Ausgabe und ich konnte es damals kaum erwarten, den nächsten Teil zu beginnen. So war es bei diesem Re-Read ebenfalls und dank der lieben Natira konnte ich auch direkt weiterlesen.

Persepolis - Jugendjahre von Marjane Sartrapi - Teil 2
So faszinierend und spannend der erste Teil mit den kleinen Kapiteln von Persepolis für mich war, so ging es auch im zweiten Teil gleich weiter. Allerdings deutlich düsterer und trauriger als der erste Teil. In der Kindheit war Marji ja sicher und konnte immer zu ihren Eltern gehen wenn sie Fragen hatte und die Welt nicht verstand. In Frankreich ist sie dagegen mutterseelenallein und muss sehen, wie sie zurechtkommt. Sie versteht die Welt dort nicht, alles ist fremd und die Menschen egoistisch und niemand ist so liebevoll  zu ihr, wie sie es gewohnt ist. Es geht ihr nicht gut und sie macht auch viele nicht so kluge Dinge. Ich erinnere mich, dass ich damals den zweiten Teil nicht gerne gelesen habe, weil er ich so traurig gemacht hat. Ich fand es eine schreckliche Vorstellung, so allein zu sein und gleichzeitig aus Scham und Stolz seiner Familie nichts davon sagen zu können.
Dennoch ist auch dieses Buch absolut empfehlenswert und aus Marji wird eine großartige Frau, die die Schwierigkeiten des Erwachsenwerdens alleine in fremder Umgebung meistert.
Die Zeichnungen sind auch wieder wunderbar gestaltet und ich bin sehr froh, dass ich damals auf diese Bücher gekommen bin.

Alle Klischees, die man vielleicht so gelernt hat, werden hier widerlegt und man lernt den Iran und seine Bevölkerung sehr nah und sicher auch authentisch kennen. Und Marji möchte man am liebsten persönlich kennenlernen - so eine interessante und temperamentvolle Person scheint sie zu sein.
Ich finde, die Bücher haben nichts von ihrer Aktualität oder vielmehr ihrer Wichtigkeit verloren und ich empfehle sie unbedingt weiter! Marji wuchs mir sofort ans Herz und ich kann mir kaum vorstellen, dass es jemandem da anders geht ;)


***

Damit habe ich jetzt erstaunlicherweise für mich sehr früh (und überhaupt!) die Sachbuchchallenge 2015 beendet! Wer hätte das gedacht - wollte ich doch eigentlich schon abbrechen!
Und doch lese ich zur Zeit noch ein weiteres Buch, was vielleicht als Sachbuch durchgeht ("Sterben" von Karl Ove Knausgård) und werde es dann vielleicht sogar auch noch verbloggen - damit hätte ich nicht gerechnet :D
So oder so hat mir die Sachbuchchallenge dieses Jahr wieder viel gebracht - auch wenn ich zwischendurch fast aufgegeben hätte.
Danke, liebe Winterkatze, dass Du mich bei der Stange gehalten hast - ich freu mich sehr darüber!
Wenn ich mir meine gelesenen Bücher anschaue, habe ich wirklich ganz verschiedene Bücher und Stile gelesen...
Meine Highlights waren die beiden ersten "Sachbücher": "Der große Trip" von Cheryl Strayed und "Darm mit Charme" von Julia Enders sowie meine Re-Reads zum Abschluss "Persepolis 1 und 2" von Marjane Satrapi. Und falls ich hier es noch rezensieren werde, wird mein absolutes Highlight des Jahres vermutlich "Sterben" von Karl Ove Knausgård werden :)
Aber erstmal: vielen, vielen Dank, liebe Winterkatze wieder für dieses tolle Begleiten der Sachbuch-Challenge, für die Reminder, die lieben Kommentare und das Mutmachen!! Es ist immer wieder toll!

"Der lange Weg zur Freiheit" von Nelson Mandela - Sachbuchchallenge 2015 #6

Der zweite "dicke Wälzer" für Winterkatzes Sachbuchchallenge :)

Dieses Buch ist mir bei Skoobe in die Hände bzw. auf meinen ebook-Reader geraten und so habe ich in den letzten Monaten viel Zeit mit Nelson Mandela und Südafrika verbracht.
Das Buch ist ein Projekt, welches über Jahrzehnte angewachsen ist und Mandela erzählt sehr detailliert über sein Leben und den Freiheitskampf, den Kampf gegen die Apartheid. Die Anfänge wurden schon im Gefängnis geschrieben und ich war stellenweise sehr gerührt und bewegt von der Geschichte dieses Mannes. Den Kampfgeist und Mut dieses Menschen finde ich bemerkenswert und Südafrika (und die ganze Welt) kann froh sein, dass er "da" war und sich starkgemacht hat für ein gleichberechtigtes Leben. Das er sein Privatleben diesem tatsächlich sehr langen Kampf gewidmet hat. Die langen Jahre im Gefängnis haben mich sehr berührt - ich hatte immer wieder auch Bilder aus Alcatraz vor Augen, wo wir im September noch waren. Auch wenn es auf Robben Island sicherlich wieder ganz anders war, bekamen für mich diese Schilderungen durch die Alcatraz-Erinnerungen noch mehr Eindrücklichkeit, denke ich.
Jedoch hat mir nicht alles in dem Buch gefallen. Zum einen waren mir manche Passagen einfach zu lang oder es fehlten mir Hintergrundinformationen, die ich mir erst noch hätte anlesen müssen. Dann wieder werden ganze Reden Wort für Wort wiedergegeben, die mich in der Ausführlichkeit so doch nicht interessiert hätten. Oder es werden Anekdoten kleinschrittig erzählt, deren beteiligte Personen werden ebenfalls ausführlich vorgestellt, obwohl die Geschichte eigentlich nicht wirklich von essentieller Bedeutung ist.
An manchen Stellen hatte ich den Eindruck, das Mandela nicht entscheiden konnte, was jetzt wichtig für dieses Buch ist und was nicht. Aber das war ja zum Glück nur die eine Seite des Buches. Den größeren Teil fand ich sehr interessant und lehrreich und auch gut zu lesen. Es waren eher die teilweise aus dem Zusammenhang gerissenen Berichte, wo ich mir entweder mehr Hintergrundinfos oder eine Streichung gewünscht hätte ;)
Ein anderes Manko für meinen Geschmack ist, dass er auf das Privatleben sehr wenig eingeht. Natürlich hatte er ja auch nur wenig davon nach so vielen Jahren im Gefängnis, aber nach seiner Freilassung war er zunächst ja wieder bei seiner Frau und hatte Kontakt zu seiner Familie. Dieser Teil seines Lebens bleibt sehr im Nebel verborgen - vielleicht, weil er einfach nicht wollte, dass diese Dinge an die Öffentlichkeit geraten. Das kann ich akzeptieren, aber doch finde ich es auch ein bisschen schade, denn auch diese Seite gehört ja zu ihm hinzu. Ich hätte mir keine Details über sein Privatleben gewünscht, aber doch hätte ich gerne mehr darüber erfahren, wie er und seine Familie damit umgegangen sind, wie sie am Ende wieder zusammengefunden haben (oder eben auch nicht).
Aber gut, dass ist mein Bedürfnis, auch diese Seite zu verstehen - für den "langen Weg zur Freiheit" ist dieser Part nicht essentiell.
Ich habe zwar zwischendurch manchmal keine Lust mehr gehabt, weiterzulesen, aber ich bin froh, dass ich durchgehalten habe. Die Beschreibung, wie es war, als Nelson Mandela freigelassen wurde hat mich sehr bewegt, so dass ich mit Tränen in den Augen im Zug saß.
Ich werde mich nun noch einmal ein bisschen mit Südafrikas Geschichte beschäftigen müssen um alles gelesene auch einordnen zu können.
So oder so bin ich aber froh, zu diesem Buch gegriffen zu haben, denn es hat meinen Horizont ein Stück weit erweitert (auch wenn es mich manchmal ärgerlich gemacht hat ;) ).