6/28/2015

"Sylvia Plath - Eine Biographie" von Anne Stevenson - Sachbuchchallenge 2015 #4

Puuh, Zwischenziel erreicht :)
Das war knapp.
Aber mit der Biographie über Sylvia Plath, geschrieben von Anne Stevenson, habe ich mein Ziel, drei "normale" Sachbücher und einen Wälzer von über 500 Seiten bis zum 30.6.2015 zu lesen, erreicht.

Ich habe mich vor ca. 10 Jahren schon einmal sehr intensiv mit Sylvia Plath befasst und diese Biographie damals auch schon gelesen. Beim Re-Read ist mir aufgefallen, dass ich nicht viel davon verstanden habe oder vielmehr, das Buch heute aus einem ganz anderen Licht betrachte.

Aber beginnen wir am Anfang. Das Buch ist grundsätzlich erstmal angenehm zu lesen, die Sprache ist gut verständlich, es handelt sich nicht um Schachtelsätze oder zu "hochtrabende" Wortwahl. Die Biographie ist sinnvoll aufgebaut und man lernt Sylvia Plath von kleinauf kennen. 
Leider erfasste mich beim Lesen immer wieder das Gefühl, dass die Autorin den Gegenstand ihres Werkes nicht besonders sympathisch findet. Zwar schreibt sie schon auch manchmal von der inneren Not, die Sylvia geprägt haben muss, aber es kommen auch immer wieder Spitzen oder leicht herablassende Beschreibungen von Situationen und Erfahrungen.
Im Nachhinein wird bei Betrachtung des Gesamtwerkes auch deutlich, das Anne Stevenson eng mit Olwyn Hughes zusammengearbeitet hat, der Schwester von Ted, Sylvias Ehemann. Dies hat ganz offenkundig die Berichterstattung geprägt und beeinflusst.

Sylvia Plath war sicherlich eine sehr, sehr anstrengende Person, die sich in sozialen Kontakten häufig nicht "normgerecht" verhalten hat. Auch wenn damals noch nicht so viel über Bipolarität gesprochen wurde, erscheint es doch recht einleuchtend, dass bei ihr eine solche psychische Erkrankung vorgelegen haben wird. Die starken Depressionen schon in jungen Jahren - man denke an den ersten Suizidversuch 1953, den wir in der "Glasglocke" nachlesen können und die darauf folgenden Klinikaufenthalte mit Elektroschockbehandlung, als sie Anfang zwanzig war und die extrem unterschiedlichen Stimmen, mit denen Sylvia Plath zum einen in ihr Tagebuch und zum anderen an ihre Mutter geschrieben hat, weisen auf eine psychische Erkrankung hin. Diese hat das Leben und Schreiben dieser ehrgeizigen, perfektionistischen jungen Frau sicherlich maßgeblich geprägt.
In diesem Licht betrachtet, sind viele der absurden und teilweise wirklich unmöglichen Verhaltensweisen schon eher zu begreifen und ich finde es schwierig, einen Menschen für eine Erkrankung zu verurteilen.
Insbesondere die der Biographie beigefügten Erinnerungen von Dido Merwin fand ich persönlich unpassend. Auch wenn Dido Merwin sicherlich unter Sylvias Launen gelitten hat und sie ihr Verhalten gegenüber Ted sehr nah miterlebt hat, hätte ich mir gewünscht, diese Erinnerungen nicht am Ende des Buches (nachdem ich kurz zuvor über den traurigen, vermutlich überflüssigen (da man ihn hätte vermeiden können) Suizid gelesen habe) noch einmal geballt lesen zu müssen. Ihre Ansichten werden schon in der gesamten Biographie immer wieder eingefügt (ebenso wie die von Richard Murphy), so dass man auf den letzten 100 Seiten häufig das Gefühl eines "déjà-vu" hat.
Richtig gut hat mir an dem Buch gefallen, dass die Autorin immer wieder Bezüge zu den Gedichten herstellt und so die "confessional poetry" belegt bzw. erfahrbar macht. Die Lyrik Sylvia Plaths finde ich persönlich nicht einfach zu verstehen und die immer wieder schön dargelegten Zusammenhänge zu den Ereignissen im Leben Sylvias haben mir einen neuen Zugang zu den Gedichten verschafft.

Nichtsdestoweniger ist die Stimmung am Ende eines solchen Buches sicherlich niedergedrückt. Ich persönlich spürte wohl insbesondere deshalb so ein tiefes Mitgefühl in mir, weil ich den Eindruck habe, das Sylvia sich offenbar niemanden so hat zeigen können, wie sie wirklich war. Ihrer Mutter gegenüber musste und wollte sie immer die fröhliche, zufriedene, erfolgreiche Tochter darstellen, während ihre starken Stimmungschwankungen ihrem Ehemann und den Freunden gegenüber scheinbar größtenteils unbegreiflich waren und häufig als unhöfliches und unangemessenes Verhalten gewertet wurden. Ohne das diese Menschen von der inneren Zerrissenheit eine Vorstellung zu haben schienen, sondern sie als "Gefäß des Zorns" (Dido Merwin) sahen.
Irgendwie hat mich das sehr traurig gemacht.
Nun bin ich auf der Suche, nach einer neueren Biographie, die etwas weniger gefärbt ist.
An diesem Buch mag ich gerne den Zugang zu der Lyrik, den man dadurch bekommt und den klaren Blick über das Leben Sylvia Plaths, der hier durchaus vermittelt wird.
Ich hätte mir vor allem eine neutralere Berichterstattung gewünscht und habe nun doch wieder Lust, mir Tagebücher und Briefe nach Hause noch einmal anzuschauen.

*****
Ich habe lange mit mir gerungen, ob ich an der Sachbuchchallenge weiter teilnehmen werde. Das liegt vor allem daran, dass ich mich in den letzten Monaten äußerst schwer damit getan habe, mich zu Sachbüchern aufzuraffen. Ich kann sie natürlich lesen, habe aber zur Zeit viel mehr Lust auf Romane. Hinzu kommt, dass im kommenden Halbjahr neben einem dreiwöchigen Urlaub wieder mehr Seminare auf mich zukommen. Daher habe ich mich entschlossen, nach Erreichen des Halbjahresziels den Druck für mich zu reduzieren. Ich bin ganz schön stolz darauf, es geschafft zu haben trotz meines neuen, durchaus fordernden Jobs so viel Sachbücher gelesen und verbloggt zu haben und insbesondere das letzte Buch hat mich erstaunlich viel Kraft und Zeit gekostet, weil Lyrik für mich nicht nur Entspannung ist. Daher bin ich mit mir zufrieden, was den aktuellen Status angeht. 
Die liebe Winterkatze hat mir angeboten, mich  auf der Challenge-Seite weiter aufzuführen, um mir so die Möglichkeit zu geben, dass ich - sofern mich das Sachbuch-Fieber vielleicht in der zweiten Jahreshälfte packt - doch weitermachen kann. Das finde ich sehr lieb und nehme das gerne an. Sollte es aber doch nicht klappen, nehme ich es so und bin zufrieden mit meinem Halbjahresziel.
In diesem Sinne möchte ich mich jetzt schon einmal bedanken für die schöne Challenge und die gute Betreuung (ohne den Reminder vor ein paar Wochen hätte ich das Halbjahresziel übrigens keinesfalls geschafft ;) ).
Grundsätzlich finde ich die Sachbuchchallenge unheimlich toll, weil ich dadurch so viel intensiver in meinen Sach- und Fachbüchern lese. Ich hoffe, ich überrasche mich am Ende doch noch selber und schaffe vielleicht noch ein bis zwei Bücher, die ich dann auch hier verbloggen werde.

6/22/2015

lazy day

Wie schon gestern angedeutet hat mich eine "Sommererkältung" *tihi* erwischt und ich hatte heute einen unverhofften Tag auf dem Sofa.
Dabei sind ein paar süsse Schweinchenfotos entstanden, die ich Euch keinesfalls vorenthalten kann:


Die beiden haben sich brav mit der Krankenpflege abgewechselt und später habe ich dann noch entdeckt, dass sie in Wirklichkeit doch manchmal gemeinsam kuscheln, wenn keiner guckt:
Frida hat bemerkt, dass ich mich genähert habe und ist schnell aufgestanden um den Tatbestand zu vertuschen
(entschuldigt die miese Qualität und die Unordnung auf dem Bild ;) )
Meinen Tag habe ich neben den Schweinchen mit Sylvia Plath verbracht. Ich lese für die Sachbuch-Challenge zur Zeit die Sylvia-Plath-Biografie von Anne Stevenson, die mich schon sehr fordert. Gleichzeitig macht sie aber auch Lust, noch einmal die anderen Werke von Plath zur Hand zu nehmen. Und ich bin seit dem Wochenende sehr gut vorangekommen - trotz der Schwere des Themas.
Aber dazu dann mehr, wenn ich das Buch beendet habe.

Ich habe schweren Herzens für mich entschieden, nach dem (hoffentlich erreichten) Zwischenziel die Sachbuchchallenge 2015 vorzeitig für mich zu beenden bzw. abzubrechen. Ich werde gerne weiterhin meine gelesenen Sachbücher hier kurz vorstellen, aber ich glaube nicht, dass ich es schaffen werde, bis zum Ende des Jahres noch einmal drei "kleine" Sachbücher und einen "Wälzer" zu lesen und zu verbloggen. Aufgrund unseres späten Sommerurlaubs im September und einer wieder aufkommenden Seminarhäufung ab Oktober wird mir das mit Sicherheit zu viel werden und daher sorge ich lieber für mich und kündige an, dass ich für den Rest des Jahres raus bin aus der Challenge. Mal schauen, wie viel (oder wenig ;) ) dann am Ende doch noch rauskommt und was 2016 sachbuchtechnisch für mich bringt :)

Ansonsten habe ich mich ja in diesem ersten halben Jahr in vielen Bereichen sehr zurückgenommen, was auch an meiner neuen Stelle, die ich seit Anfang des Jahres habe, liegt. Zum Glück macht mir meine Arbeit wahnsinnig viel Spass und ich freue mich häufig am Wochenende schon wieder auf den Montag - so etwas war früher nicht denkbar. Trotzdem blogge ich zur Zeit leider kaum noch, ich gehe auch nur sehr selten auf Seminare und beschäftige mich in erster Linie mit meiner Arbeit, meinen ambulanten Ausbildungsfällen, meinen Freunden und meiner Familie. Das tut mir sehr gut - auch wenn ich immer wieder mal denke, dass ich so einige Dinge gut hätte verbloggen können (Rezepte, Fotos, Schweinchen-News, Neuigkeiten bei mir).
Ich hoffe sehr, dass ich dazu wieder zurückfinde. Ich hatte am Wochenende auch die Idee, einen Blog für die Schweinchen anzulegen, habe dann aber überlegt, dass das wohl nicht besser klappen wird als dieser hier. Daher versuche ich erstmal, hier wieder mehr zu schreiben - und wenn es auch nur kurze Updates, Fotoeindrücke oder Rezepte sind. Allerdings kann ich bislang noch nicht einschätzen, ob das klappen wird ;) .

6/21/2015

"Blauwasserleben" von Heike Dorsch- Sachbuchchallenge 2015 #3

Nachdem ich dieses Wochenende krank auf dem Sofa und im Bett verbringe, schaffe ich den Zwischenstand der Sachbuchchallenge ja möglicherweise doch noch.
Heute früh habe ich von Heike Dorsch das "Blauwasserleben" beendet und es hat mir im Großen und Ganzen sehr gut gefallen. Der Fall ging ja damals durch die Medien, als 2011 der Lebensgefährte der Autorin auf der Pazifikinsel Nuku Hiva von einem Einheimischen ermordet wurde. Zuvor waren die beide schon um die halbe Welt gesegelt und hatten das "normale" geregelte Leben schon lange hinter sich gelassen. Manche Leser kritisieren an dem Buch, dass es die meiste Zeit im Buch nur um das Segeln geht, wobei mir gerade das besonders gut gefallen hat. Das Verbrechen am Ende bekommt deutlich weniger Raum und genau das fand ich sogar eher gut. Denn immerhin wird so der Fokus auf das Aussteigerleben der beiden gelegt, auf die wunderschöne und abenteuerliche Zeit, die sie miteinander auf der Baju verbringen durften.
Ich muss sagen, ich habe keine Ahnung vom Segeln und es liegt mir sehr fern, auszusteigen oder auch nur länger als ein paar Wochen mein Zuhause zu verlassen. Ich hänge da einfach zu sehr an meiner Umgebung, meinen Katzen, meinen liebsten Menschen und auch an meinem Alltag. Dennoch war ich sehr beeindruckt vom Mut und der Risikobereitschaft dieser beiden Aussteiger. Mit etwas mehr Abenteuerlust würde mich ein solcher Traum vielleicht auch begeistern - mir aber reichte es, davon zu lesen. ... Wie die beiden schon ganz früh begannen, die Pläne für ihr Blauwasserleben zu schmieden und wie sie sich, schon lange bevor sie die Baju kauften, kleine Fluchten in Form von Wochenendausflügen mit exotischen Reisezielen suchten und wie sie sich ein Konzept ausdachten, mit dem sie gut leben konnten (z.B. in dem sie Chartergäste einluden, mit ihnen zu segeln - so etwas hätte ich mir z.B. auch gut vorstellen können).
Die dramatische Wendung (mit der das Buch allerdings schon beginnt) bewegt natürlich dennoch sehr, gerade weil man den Eindruck bekommt, dass die beiden einen guten Weg gefunden haben, ihren Traum zu leben.

Das Buch hat mich sehr gut unterhalten, es war eine kleine Realtitätsflucht in sonnigere Gegenden (spätestens als die beiden auf der "Barfussroute" angelangt sind) und gleichzeitig hat es mir wieder einmal gezeigt, dass ich solche Abenteuer nicht suchen würde. Umso schöner finde ich es, darin eintauchen zu können und jederzeit wieder die Möglichkeit zu haben, meine Katzen zu beschmusen.

Hier noch der Trailer zur Verfilmung des Buches, an der die Autorin auch teilgenommen hat.