1/28/2015

"Darm mit Charme" von Giulia Enders - Sachbuchchallenge 2015 #2



Das zweite Buch für die Challenge ist geschafft und es ist ein Buch, welches im letzten Jahr während der Sachbuchchallenge schon bei mehreren Blogs aufgetaucht ist. Die Posts dazu habe ich nicht gelesen, da ich das Buch gerne unvoreingenommen auf mich wirken lassen wollte. Diese Leihgabe habe ich von Natira, die mir ihrerseits aber auch schon von ihrer Begeisterung erzählt hatte und nachdem ich es heute beendet habe, kann ich ihr auch nur voll zustimmen.
Wenn alle Sachbücher so geschrieben wären wie dieses, hätten Sachbücher bestimmt einen besseren Ruf. Der Titel "Darm mit Charme" trifft es sehr gut und Giulia Enders versteht es, charmant und interessant über ein Thema zu schreiben, was mir sicherlich sonst eher unangenehm gewesen wäre. Und was ich alles lernen durfte während des Lesens - unglaublich, wie vielseitig dieses - eigentlich nicht sehr umfangreiche - Buch doch ist!
Ich musste stellenweise sehr schmunzeln, gleichzeitig habe ich oft laut gesagt "Ach so ist das - das hätte ich ja nicht gedacht" (oder ähnliches) und direkt danach habe ich meinem Freund dann seitenweise vorgelesen, weil ich die Erkenntnisse unbedingt teilen musste.
Das ganze Wissen hat die Autorin sehr anschaulich (teilweise mit putzigen Zeichnungen ihrer Schwester Jill Enders illustriert) und unterhaltsam niedergeschrieben und man spürt mit jedem Kapitel ihre Begeisterung für die Medizin und insbesondere für den Darm. Seit ich mit dem Buch begonnen habe, gehe ich mit meinem Darm auch freundlicher um und bin ihm z.B. nicht mehr böse, wenn er mal "peinlich" vor sich hingluckert ;)
Auch habe ich eine Menge gelernt und werde mir das Buch wohl auch noch selber kaufen, damit ich noch ein paar Dinge nachlesen kann. Außerdem will mein Freund es nun auch unbedingt lesen, daher lohnt sich die Anschaffung doppelt :)
Es ist schon ein erstaunliches Organ, der Darm - und ich frage mich, was die Forschung in Zukunft noch alles über ihn und seine Rolle im Körper herausfinden wird.
Außerdem würde ich mir wünschen, dass Giulia Enders Lust bekommen wird, weitere Bücher auch zu anderen Körperfunktionen zu schreiben - aus Gründen würde mich wohl das Gehirn besonders interessieren ;)
Wenn ich ehrlich bin, dachte ich die ersten Male, als ich das Buch in den Buchhandlungen liegen sah, dass dies sicher eins der Bücher ist, die ich mir guten Gewissens sparen kann - denn wer will schon ein Buch über den Darm lesen. Ich bin sehr froh, dass die Sachbuchchallenge 2014 mich dazu gebracht hat, mein erstes Vorurteil über Bord zu werfen und mich auf das Buch einzulassen. Allerdings bemerke ich, wenn ich anderen begeistert davon erzähle, dass häufig etwas verhaltene Reaktionen kommen. So etwa "Ach, naja, interessiert mich jetzt nicht so" oder ähnliches. Ich kann das gut nachvollziehen - meine erste Reaktion war ja genauso - andererseits denke ich immer, dass man sich ja manchmal auch auf andere Erfahrungen verlassen kann.
Aber gut, das nur am Rande. Ich kann sagen, mich hat das Buch begeistert - und zwar so sehr, dass ich jetzt im Januar schon das zweite Buch für die Sachbuchchallenge beendet habe - ein echter Erfolg für mich ;) Außerdem mache ich mir jetzt noch ein paar mehr Gedanken über meine Ernährung und denke vielleicht öfter mal, wenn mich wieder verschiedene Zipperlein plagen, auch daran, ob mein Darm möglicherweise unzufrieden sein könnte. Und ich habe ganz schön viel Respekt dafür bekommen, was mein Körper da eigentlich alles leistet. Gratis obendrauf gab es noch ein paar witzige und interessante Anekdoten die auch Small-Talk-tauglich sind ;)
In diesem Sinne gibt es von mir eine klare Leseempfehlung - ich kann mir kaum vorstellen, dass einem das Lesen dieses Buches nicht zumindest irgendeine neue Erkenntnis bringt.
Und jetzt gehe ich mal los und schaue mir die anderen Rezensionen an :)

1/18/2015

"Der Große Trip" von Cheryl Strayed - Sachbuchchallenge 2015 #1



... "Tausend Meilen durch die Wildnis zu mir selbst"...
Ich muss schon sagen, dieses Buch hat mich seit langem mal wieder so richtig erwischt. Darauf aufmerksam hat mich DieJai gemacht: in einem Bild auf Instagram habe ich das Buch gesehen und im dazugehörigen Kommentar gelesen, wie begeistert sie davon ist. Also habe ich es mir bei Skoobe ausgeliehen und es innerhalb weniger Tage durchgelesen.
Bücher über lange Wanderungen (zu sich selbst) lese ich immer gern. So habe ich mich z.B. in Hape Kerkelings "Ich bin dann mal weg" in der Hörbuchfassung ganz unerwartet verloren. Oder mich in Michael Martins "30 Jahre Abenteuer" mit dem Motorrad auf die Reise gemacht. "Into the Wild" von Jon Krakauer hat mich extrem berührt und erschüttert. "Abgefahren - In 16 Jahren um die Welt" von Claudia Metz und Klaus Schubert hat mich zum Lachen, Schmunzeln und Staunen gebracht. Man sieht also, Reiseberichte, insbesondere von "Extremreisenden" reizen mich sehr.
"Der Große Trip" von Cheryl Strayed hat noch ein etwas anderes Format. Im Vergleich zu den meisten anderen o.g. Büchern geht es hier nicht um Abenteuerlust oder Fernweh, sondern um Bewältigung einer Lebenskrise. Um Trauerbewältigung und Sinnfindung auf einem wirklich harten Weg durch die Wildnis.
Anfangs musste ich schmunzeln, als Cheryl Strayed sich auf den Weg macht mit dem "Monster"-Rucksack, der halb so viel wiegt, wie sie selbst. Als sie dann aber auf dem PCT, dem Pacific Crest Trail, unterwegs ist, von wilden Tieren angegriffen wird, die Füße immer mehr leiden und sie mit ihrer Geschichte langsam "ins Reine" kommt, ergriff mich mehr und mehr die Bewunderung für diese zähe Frau, die ihrem Leben durch diese Wallfahrt eine neue Richtung gegeben hat. Ich bin beeindruckt, dass sie den Mut hatte, diese Reise zu beginnen und finde es sagenhaft, dass sie mit so wenig Geld ausgekommen ist. Ich hätte ihr gewünscht, dass ihre Füße nicht so sehr hätten leiden müssen - auch wenn das ihre Leistung nur noch mehr unterstreicht. Ich bin froh, dass ihr nichts Schlimmes zugestoßen ist und ich finde es wunderbar, dass diese Reise ihr genau das gebracht hat, was sie sich gewünscht hat.
Ich fand ihren Schreibstil sehr angenehm und fesselnd und mag es, wie sie die kleinen und die großen Erlebnisse auf dem Trail in ganz ähnlicher "Tonlage" beschreibt. So ist jeder Tag auf dem Trail gleich besonders - egal, auf welches Lebewesen sie stößt, welche Hürde sie bewältigt oder welche Erkenntnis sie gewinnt. Die Beschreibung des PCT finde ich total faszinierend und ich glaube, es ist ein absolut spannender und landschaftlich wunderschöner Weg. Vielleicht kann ich ja mal ein kleines Stück davon gehen ...
Mit Beendigung des Buches ist jetzt auch mein Fernweh wieder entfacht. Ich wünschte, ich hätte den Mut, eine ähnliche Reise zu unternehmen. Aber wer weiß, was noch passiert ;)

Ich habe lange gesucht, bis ich das erste Buch von Winterkatzes Sachbuchchallenge 2015 gefunden hatte. Irgendwie sprang mich so recht nichts an und ich war schon ganz genervt... Ich glaube, dieses Buch war ein guter Start in ein hoffentlich spannendes Sachbuchjahr.

Oh, und auf den Film bin ich gespannt - hier der Trailer: