11/15/2015

"Der lange Weg zur Freiheit" von Nelson Mandela - Sachbuchchallenge 2015 #6

Der zweite "dicke Wälzer" für Winterkatzes Sachbuchchallenge :)

Dieses Buch ist mir bei Skoobe in die Hände bzw. auf meinen ebook-Reader geraten und so habe ich in den letzten Monaten viel Zeit mit Nelson Mandela und Südafrika verbracht.
Das Buch ist ein Projekt, welches über Jahrzehnte angewachsen ist und Mandela erzählt sehr detailliert über sein Leben und den Freiheitskampf, den Kampf gegen die Apartheid. Die Anfänge wurden schon im Gefängnis geschrieben und ich war stellenweise sehr gerührt und bewegt von der Geschichte dieses Mannes. Den Kampfgeist und Mut dieses Menschen finde ich bemerkenswert und Südafrika (und die ganze Welt) kann froh sein, dass er "da" war und sich starkgemacht hat für ein gleichberechtigtes Leben. Das er sein Privatleben diesem tatsächlich sehr langen Kampf gewidmet hat. Die langen Jahre im Gefängnis haben mich sehr berührt - ich hatte immer wieder auch Bilder aus Alcatraz vor Augen, wo wir im September noch waren. Auch wenn es auf Robben Island sicherlich wieder ganz anders war, bekamen für mich diese Schilderungen durch die Alcatraz-Erinnerungen noch mehr Eindrücklichkeit, denke ich.
Jedoch hat mir nicht alles in dem Buch gefallen. Zum einen waren mir manche Passagen einfach zu lang oder es fehlten mir Hintergrundinformationen, die ich mir erst noch hätte anlesen müssen. Dann wieder werden ganze Reden Wort für Wort wiedergegeben, die mich in der Ausführlichkeit so doch nicht interessiert hätten. Oder es werden Anekdoten kleinschrittig erzählt, deren beteiligte Personen werden ebenfalls ausführlich vorgestellt, obwohl die Geschichte eigentlich nicht wirklich von essentieller Bedeutung ist.
An manchen Stellen hatte ich den Eindruck, das Mandela nicht entscheiden konnte, was jetzt wichtig für dieses Buch ist und was nicht. Aber das war ja zum Glück nur die eine Seite des Buches. Den größeren Teil fand ich sehr interessant und lehrreich und auch gut zu lesen. Es waren eher die teilweise aus dem Zusammenhang gerissenen Berichte, wo ich mir entweder mehr Hintergrundinfos oder eine Streichung gewünscht hätte ;)
Ein anderes Manko für meinen Geschmack ist, dass er auf das Privatleben sehr wenig eingeht. Natürlich hatte er ja auch nur wenig davon nach so vielen Jahren im Gefängnis, aber nach seiner Freilassung war er zunächst ja wieder bei seiner Frau und hatte Kontakt zu seiner Familie. Dieser Teil seines Lebens bleibt sehr im Nebel verborgen - vielleicht, weil er einfach nicht wollte, dass diese Dinge an die Öffentlichkeit geraten. Das kann ich akzeptieren, aber doch finde ich es auch ein bisschen schade, denn auch diese Seite gehört ja zu ihm hinzu. Ich hätte mir keine Details über sein Privatleben gewünscht, aber doch hätte ich gerne mehr darüber erfahren, wie er und seine Familie damit umgegangen sind, wie sie am Ende wieder zusammengefunden haben (oder eben auch nicht).
Aber gut, dass ist mein Bedürfnis, auch diese Seite zu verstehen - für den "langen Weg zur Freiheit" ist dieser Part nicht essentiell.
Ich habe zwar zwischendurch manchmal keine Lust mehr gehabt, weiterzulesen, aber ich bin froh, dass ich durchgehalten habe. Die Beschreibung, wie es war, als Nelson Mandela freigelassen wurde hat mich sehr bewegt, so dass ich mit Tränen in den Augen im Zug saß.
Ich werde mich nun noch einmal ein bisschen mit Südafrikas Geschichte beschäftigen müssen um alles gelesene auch einordnen zu können.
So oder so bin ich aber froh, zu diesem Buch gegriffen zu haben, denn es hat meinen Horizont ein Stück weit erweitert (auch wenn es mich manchmal ärgerlich gemacht hat ;) ).

4 comments:

  1. Ich kann mir vorstellen, dass das ein sehr intensives Leseerlebnis war. Und wenn ein Buch über so lange Zeit wächst und so persönlich ist, dann ist es vermutlich sehr schwer für den Autoren objektiv mit den Texten umzugehen und zu bewerten, was wirklich relevant ist. Den privaten Teil hätte ich auch interessant gefunden, gerade weil rund um seinen Tod ja einige Auseinandersetzungen angedeutet wurden - nicht nur in Bezug auf den Ort seiner Bestattung.

    Gratuliere zum zweiten Wälzer-Lesen! Jetzt sollte der Rest der Challenge doch - hoffentlich stressfrei - machbar sein. ;)

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    1. Das habe ich mir auch nachher gedacht, dass man bei so einem gewaltigen Werk auch den Überblick und die Objektivität verlieren kann.
      Ja, das stimmt - es wäre auf jeden Fall spannend gewesen :)

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  2. Ich kann mir auch vorstellen, dass die erste Zeit des Beisammenseins mit seiner Familie und die Aufnahme des "normalen" Lebens das Buch abrunden würde; ich verstehe es so, dass das nicht oder nicht stark im Buch enthalten ist. Nelson Mandela war bereits zu seinen Lebzeiten für so viele Menschen Inspiration - die Lektüre war bestimmt interessant. Respekt, dass Du auch bei dem "Füllmaterial" durchgehalten und weitergelesen hast (ich hätte es vermutlich nur quer gelesen).

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    1. Ja, genau so war es - mir fehlte genau diese "Abrundung", so das ich zufrieden das Buch hätte beenden können. Es war spannend - und an der ein oder anderen Stelle habe ich sicher auch ein ganz klein bisschen quergelesen ;)

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