8/09/2015

"Brave Girl Eating" von Harriet Brown - Sachbuchchallenge 2015 #5


Dieses Buch wartet schon eine Weile auf seine Rezension - ich habe diese aber immer wieder vor mir her geschoben. Und zwar nicht nur, weil mir die Zeit zum bloggen fehlte (was ja bei mir chronisch ist), sondern in erster Linie, weil es mir sehr schwer fällt, meinen Eindruck in Worte zu fassen.

Vielleicht erstmal zum Buch und der Geschichte, wie es auf meinem Kindle landete:  Ich bin vor über einem Jahr auf das Buch aufmerksam geworden und es hörte sich gut an. Ich hatte mir den Titel gemerkt, ihn aber lange Zeit vergessen. Kürzlich bin ich dann wieder darüber gestolpert und dachte mir, es wäre vielleicht mal dran. Ich habe es dann im Original gekauft, weil mir die deutsche Fassung einfach zu teuer war und es liess sich auch gut lesen.

Über das Buch:
"Brave Girl Eating" wurde von Harriet Brown, der Mutter von Kitty, geschrieben. Kitty hat Anorexia nervosa und ist 14 Jahre alt. Sie ist innerhalb von relativ kurzer Zeit sehr tief in die Krankheit herein gerutscht und wird von ihrer Hausärztin und im Prinzip ihren Eltern betreut. Es finden sporadische Therapeutentreffen statt und Kitty müht sich sehr ab, abwechselnd gegen ihre Eltern und die Krankheit anzukämpfen. Die Mutter kämpft wie ein Löwin (jedenfalls entsteht dieser Eindruck beim Lesen) und sie hat auch den Eindruck, als einzige (zumindest so richtig) zu kämpfen.
Das Schlimmste für die Mutter ist, dass in der Forschung immer wieder die Familie als Auslöser der Essstörung benannt wird und sie tut alles, um zu beweisen, dass dies in Kittys Fall nicht so ist. Kitty wird entsprechend auch nicht in eine Klinik gebracht, sondern zu Hause versorgt. Das hat sicher neben den Bedenken, den die Autorin allgemein gegen Klinikbehandlungen hat auch finanzielle Gründe - es wird relativ schnell deutlich, dass die Krankenversicherung der Familie nur einen Bruchteil der Kosten abdeckt - etwas, was in den USA ja nur zu üblich, für uns aber fast unvorstellbar ist. Man merkt schnell, dass die Tochter wirklich sehr krank, dabei aber überraschend kooperativ ist. Sie lässt sich von ihren Eltern planmäßig hochpäppeln, obwohl sie sich dabei ganz und gar schrecklich zu fühlen scheint. Am Ende des Buches ist auch noch nicht wirklich alles ausgestanden und als Kitty das Elternhaus verlässt um ans College zu gehen ist sie auch recht flott wieder in ihren essgestörten Verhaltensmustern. Aber die Mutter verliert die Hoffnung nicht und vor allem verliert sie nicht die enge Bindung an ihre Tochter.

Mein Eindruck:
Ich bin mit Sicherheit etwas vorbelastet was dieses Thema angeht und kam nicht umhin, von der Mutter etwas genervt zu sein. Vielleicht, weil ich so oft mitbekomme, dass ein großer Teil der Ursachen für psychische Erkrankungen tatsächlich in der Familie zu finden sind, aber auch, weil ich diese strikte Verleugnung der eigenen Verantwortung sehr einseitig und wenig reflektiert fand. Gleichzeitig war es für mich schon sehr interessant über die Augen der Mutter über Kitty zu lesen und auch das Leid, was Essstörungen in eine Familie bringen noch einmal anders zu erfassen. Ich fand die Einblicke, die ich dadurch erlangt habe, sehr hilfreich. Gleichzeitig war ich froh, mir das Buch nicht "zum Anfassen" bestellt zu haben, da ich es weder nochmal lesen oder weiterempfehlen möchte.
Daher: nicht wirklich eine Leseempfehlung von meiner Seite aber auch nicht grundsätzlich zu verurteilen. Wenn ich Sterne vergeben würde, wären es genau 2 1/2 :)

2 comments:

  1. Das klingt wirklich nach einer Lektüre, die einen zwiespältig zurück lässt. Gerade da die Mutter ihre Perspektive schildert, ist es vermutlich schwer nachzuvollziehen, was bei dem Mädchen schief gelaufen ist. Auf der anderen Seite gibt es ja genügend Kinder aus "heilen Familien", bei denen man sich fragt, warum sie solche Probleme haben. Ansonsten finde ich es auch interessant, dass mal ein Familienmitglied seine Erfahrungen mit der Erkrankung schildert und nicht die Betroffene selber - das scheint ja schon die Norm zu sein, wenn es um solche Bücher geht.

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    1. Du triffst es auf den Punkt! Sicherlich, das hatte ich ja auch schon geschrieben, ist es nicht immer die Familie - das wäre ja schrecklich ;) Aber mich hat das rigorose Verneinen sehr genervt.
      Und ja, die Perspektive der Mutter fand ich auch sehr spannend, darum habe ich auch bis zum Ende durchgehalten ;)

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