1/18/2015

"Der Große Trip" von Cheryl Strayed - Sachbuchchallenge 2015 #1



... "Tausend Meilen durch die Wildnis zu mir selbst"...
Ich muss schon sagen, dieses Buch hat mich seit langem mal wieder so richtig erwischt. Darauf aufmerksam hat mich DieJai gemacht: in einem Bild auf Instagram habe ich das Buch gesehen und im dazugehörigen Kommentar gelesen, wie begeistert sie davon ist. Also habe ich es mir bei Skoobe ausgeliehen und es innerhalb weniger Tage durchgelesen.
Bücher über lange Wanderungen (zu sich selbst) lese ich immer gern. So habe ich mich z.B. in Hape Kerkelings "Ich bin dann mal weg" in der Hörbuchfassung ganz unerwartet verloren. Oder mich in Michael Martins "30 Jahre Abenteuer" mit dem Motorrad auf die Reise gemacht. "Into the Wild" von Jon Krakauer hat mich extrem berührt und erschüttert. "Abgefahren - In 16 Jahren um die Welt" von Claudia Metz und Klaus Schubert hat mich zum Lachen, Schmunzeln und Staunen gebracht. Man sieht also, Reiseberichte, insbesondere von "Extremreisenden" reizen mich sehr.
"Der Große Trip" von Cheryl Strayed hat noch ein etwas anderes Format. Im Vergleich zu den meisten anderen o.g. Büchern geht es hier nicht um Abenteuerlust oder Fernweh, sondern um Bewältigung einer Lebenskrise. Um Trauerbewältigung und Sinnfindung auf einem wirklich harten Weg durch die Wildnis.
Anfangs musste ich schmunzeln, als Cheryl Strayed sich auf den Weg macht mit dem "Monster"-Rucksack, der halb so viel wiegt, wie sie selbst. Als sie dann aber auf dem PCT, dem Pacific Crest Trail, unterwegs ist, von wilden Tieren angegriffen wird, die Füße immer mehr leiden und sie mit ihrer Geschichte langsam "ins Reine" kommt, ergriff mich mehr und mehr die Bewunderung für diese zähe Frau, die ihrem Leben durch diese Wallfahrt eine neue Richtung gegeben hat. Ich bin beeindruckt, dass sie den Mut hatte, diese Reise zu beginnen und finde es sagenhaft, dass sie mit so wenig Geld ausgekommen ist. Ich hätte ihr gewünscht, dass ihre Füße nicht so sehr hätten leiden müssen - auch wenn das ihre Leistung nur noch mehr unterstreicht. Ich bin froh, dass ihr nichts Schlimmes zugestoßen ist und ich finde es wunderbar, dass diese Reise ihr genau das gebracht hat, was sie sich gewünscht hat.
Ich fand ihren Schreibstil sehr angenehm und fesselnd und mag es, wie sie die kleinen und die großen Erlebnisse auf dem Trail in ganz ähnlicher "Tonlage" beschreibt. So ist jeder Tag auf dem Trail gleich besonders - egal, auf welches Lebewesen sie stößt, welche Hürde sie bewältigt oder welche Erkenntnis sie gewinnt. Die Beschreibung des PCT finde ich total faszinierend und ich glaube, es ist ein absolut spannender und landschaftlich wunderschöner Weg. Vielleicht kann ich ja mal ein kleines Stück davon gehen ...
Mit Beendigung des Buches ist jetzt auch mein Fernweh wieder entfacht. Ich wünschte, ich hätte den Mut, eine ähnliche Reise zu unternehmen. Aber wer weiß, was noch passiert ;)

Ich habe lange gesucht, bis ich das erste Buch von Winterkatzes Sachbuchchallenge 2015 gefunden hatte. Irgendwie sprang mich so recht nichts an und ich war schon ganz genervt... Ich glaube, dieses Buch war ein guter Start in ein hoffentlich spannendes Sachbuchjahr.

Oh, und auf den Film bin ich gespannt - hier der Trailer:

11 comments:

  1. Das klingt ganz danach, als wäre das ein perfektes Startbuch für Dich gewesen. Und ich drücke die Daumen, dass Du auch auf diesem Trail gehen kannst!

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    1. Ja, es war wirklich gut für den Start in ein neues Jahr und in eine neue Challenge geeignet :) Na, ich bin gespannt, ob es für mich jemals auf den PCT gehen wird - bzw. ob ich das jemals "so richtig" mache. Aber eine Tageswanderung würde mir auch schon gefallen :)

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    2. Dann drücke ich erst einmal die Daumen für entsprechende Urlaubsplanung und Tageswanderung. :D

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  2. Ein Reisebericht kann mich entweder begeistern oder verärgern - dazwischen scheint es bei mir irgendwie nichts zu geben. Um dieses Buch schleiche ich aber auch schon etwas rum (genau gesagt, seitdem ich die ersten Ausschnitte zu dem Film gesehen habe) und finde es toll, dass es dir so gefallen hat. Ich halte den Titel mal im Hinterkopf, in der Hoffnung, dass die Bibliothek ihn noch anschafft. ;) Schön, dass du damit so einen guten Start ins Sachbuchlesen in diesem Jahr hattest - möge es für dich so weitergehen! :)

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    1. Manchmal machen mich Reiseberichte auch wirklich ärgerlich. Manche der Reisenden sind ja schon beinahe überheblich und nerven mich dann zu sehr. In der letzten Zeit hatte ich aber Glück :) Ich bin gespannt, wie es Dir gefällt. Was ich besonders an dem Buch finde ist wohl auch vor allem die persönliche Geschichte der Autorin, die zwischen den Meilen steckt...

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    2. Ich hoffe, dass die Bibliothek das Buch noch besorgt - ansonsten werde ich wohl irgendwann den Film sehen (wenn auch nicht im Kino, da wir das nie auf die Reihe bekommen).

      Was deinen Wunsch angeht, auch einmal so eine Wanderung zu machen: Vielleicht solltet du dir die großen Wanderwege Amerikas als "Langzeitziel" vornehmen ("Picknick mit Bären" hatte dir ja auch schon große Lust gemacht). Alle ... hm ... fünf Jahre ein richtig großer Urlaub in den USA mit einigen Tagen Wanderung durch die wunderschöne Landschaft. (Wenn mich dabei etwas locken könnte, dann wären es die Green Mountains ... so schön!)

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    3. Ich könnte mir vorstellen, dass die Bibliothek ihn jetzt bald anschafft, da der Film ja auch recht stark beworben wird...
      Ja, grundsätzlich wäre so etwas wirklich etwas für mich. Langzeitziel klingt gut... :)
      Die Green Mountains sehen wunderschön aus und würden ja gut zu einer meiner anderen Wunschroute passen, die in Richtung Prince Edward Island geht ... *seufz* Das erinnert mich daran, dass unsere diesjährige Urlaubsplanung einfach nicht anläuft :/

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    4. Es ist doch erst Januar, ihr habt noch ganz viel Zeit für Pläne! :)

      Ich habe mal eine Woche mit einer Freundin in einem kleinen Ort in den Green Mountains verbracht und mir damals fest vorgenommen, dass ich es irgendwann einmal schaffe wiederzukommen und dann vielleicht sogar während des Indian Summers ...

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    5. Aber die Flüge muss man immer so früh buchen *seufz*
      Oh ja, der Indian Summer ist genau der Knackpunkt - den will ich gerne sehen, aber meinem Freund ist es dann schon zu kühl und regnerisch. Wir hadern also zur Zeit mit Grundsatzthemen... Allerdings kann ich ja jetzt noch die Green Mountains mit in die Waagschale werfen ;)

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    6. Aber es muss ja nicht unbedingt regnerisch sein! Wir waren im Winter (letzte Dezemberwoche) da und es war perfekt. Ein Hauch von Schnee, aber überall freie Straßen, wenige Touristen und dafür überall die weißen Holzhäuser mit der bunten Beleuchtung - so schön. (Von dem schneidendem Wind und den Minusgraden erzählst du deinem Freund aber lieber nichts. *g*) Manchmal hat man eben auch Glück! :)

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    7. Das sag ich ja auch immer ;)
      Hört sich wirklich sehr schön an, Eure Reise!...
      Ja, das mit den Minusgraden behalte ich für mich :D

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