6/30/2014

"Das innere Kind" von Luise Reddemann, Peter Schellenbaum und Manuela Miller - Sachbuchchallenge 2014 #5

Jetzt muss ich Euch noch einmal mit meiner Arbeit "belästigen" - diese drei Vorträge (Dauer: ca. 3:31h) habe ich ebenfalls im Rahmen der Sachbuchchallenge gehört und wie der Titel es sagt, geht es um die Arbeit mit dem sogenannten inneren Kind, welche mir im letzten Jahr im Zuge meiner Arbeit vielfach begegnet ist, die ich auch selber schon im beruflichen Umfeld anwenden konnte.
Bei diesem Konzept geht vielfach um unverarbeitete, oftmals abgespaltene Erfahrungen aus der Kindheit, die uns auch heute häufig noch im Weg stehen bzw. unser Handeln bestimmen. In der Therapie geht es darum, Kontakt zu diesem inneren, kindlichen Anteil in uns aufzunehmen und ggf. zu versuchen, den damals entstandenen Schaden zu würdigen und insofern auszugleichen, als das man dem inneren Anteil z.B. die Sicherheit gibt, die ihm damals gefehlt hat.
Das ganze klingt komplizierter als es ist und einen guten Einblick in dieses Konzept bekommt man mit den hier vorgestellten Vorträgen.
Der Teil von Luise Reddemann ist schon allein deshalb spannend, weil er von ihr ist - Ihr habt den Namen schon in einer der vorigen Sachbuch-Rezis gelesen. Frau Reddemann ist in Deutschland führend im Bezug der Traumaforschung und -behandlung und ich fand es sehr reizvoll, einen Vortrag von ihr quasi miterleben zu können. Sie beschreibt eingangs das Konzept des inneren Kindes, welches heutzutage in vieler Munde ist und führt im Verlauf in einem Rollenspiel die Art und Weise, wie sie damit arbeitet vor. Das ist natürlich für jemanden, der diese Themen mit Patienten bearbeitet von unschätzbaren Wert und hat mich sehr begeistert.
Der zweite Vortrag ist von Peter Schellenbaum und beschäftigt sich mit dem "verstoßenen Kind". Schellenbaum ist Psychoanalytiker und zeigt auf, wie es in Folge von einer zu frühen Veranwortungsübernahme im Kindesalter dazu kommen kann, dass das innere Kind sozusagen verstoßen wird und es dadurch zur Abkopplung von Liebesfähigkeit und Lebendigkeit kommen kann.
Diesen Vortrag fand ich ebenfalls gut, aber teilweise ging er mir etwas zu weit bzw. ich fand ihn vielleicht einfach zu analytisch.
Mein Lieblingsvortrag von der MP3-CD war der von Manuela Miller: "Heilung des inneren Kindes". Sie spricht nicht nur von der zu behütenden, zu schützenden Seite des inneren Kindes, sondern auch von der wütenden, zornigen Seite, welche ebenfalls viel Macht hat. Sie sagt zum Beispiel, dass diese Seite uns oft im Weg steht, wenn wir beispielsweise etwas erreichen wollen, was wir schon lange als Ziel haben. So kann es sein, dass alle Zeichen so stehen, dass der Wunsch in Erfüllung gehen könnte, aber der innere Teil in uns, der z.B. die Erfahrung gemacht hat, dass man von anderen nicht mehr gemocht wird, wenn man Erfolg hat, hindert uns plötzlich daran, den letzten Schritt zum Erfolg zu gehen.
Ich mochte diesen Vortrag so besonders gerne, weil Manuela Miller so offen und direkt mit ihren Zuhörern spricht. Sie erzählt von eigenen Erfahrungen, von eigenen Kindheitserlebnissen und davon, wie sie mit ihren Themen umgegangen ist. Leider ist es mir nicht gelungen, näheres über diese Therapeutin herausgefunden - mich hätte interessiert, was sie heute macht und woher sie kommt. Sie hat nämlich einen wirklich angenehmen Akzent der entweder amerikanisch oder eventuell süddeutsch sein könnte - genau konnte ich es nicht einordnen.
Auf jeden Fall ist diese Sammlung von Vorträgen absolut spannend und interessant - ich wage zu behaupten auch für Menschen, die nicht mit Therapie zu tun haben. Ich habe nämlich den Eindruck, dass man durch die vielen praktischen Beispiele und evtl. durch die mögliche Übertragung auf das eigene Leben die Chance hat, auch sein eigenes inneres Kind ein bisschen kennenzulernen - denn ich denke, wir haben alle eins, welches an der einen oder anderen Stelle noch ein bisschen Unterstützung brauchen könnte. Bei mir war es jedenfalls so und daher würde ich diese Vorträge (klick) jedem empfehlen, der Lust hat sich ein bisschen mit sich selbst zu befassen.

6/29/2014

"A Walk in the Woods" von Bill Bryson, gelesen von William Roberts - Sachbuchchallenge 2014 #4

Wir sind wieder da - nach drei Wochen Roadtrip in den USA, zu denen es auch noch den ein oder anderen Post geben wird.
Zunächsteinmal muss ich aber zusehen, dass ich mein Zwischenziel der Sachbuchchallenge noch erreiche - nämlich bis Ende Juni mindestens 5 Bücher rezensiert zu haben. Dank der vielen Autofahrstunden der letzten Wochen war das "abarbeiten" der Bücher kein Problem - da auch Hörbücher erlaubt sind :)
So haben wir auf der Strecke zum und vom Yellowstone Nationalpark das Hörbuch zu "A Walk in the Woods" von Bill Bryson, gelesen von William Roberts, genossen und hatten damit eine gute Zeit. Dieses Buch wurde uns schon vor einer Weile von der lieben Natira geschenkt, als sie von unseren groben Reiseplänen erfuhr :) - Danke nochmal, meine Liebe!
Ich habe das Buch in der Übersetzung vor vielen Jahren schon einmal gelesen - auf Deutsch hat es den irreführenden Titel "Picknick mit Bären" - das kann für den geneigten Leser schon etwas enttäuschend sein, denn Bill Bryson trifft auf seinen Wanderungen keinen einzigen Bären - er befürchtet jedoch immer, dass dies passieren könnte.
Und da bin ich auch schon mitten im Buch - es handelt sich nämlich um einen Reisebericht des Autoren, der den Apalachian Trail gemeinsam mit seinem Freund Steven Katz wandert. Der Trail verläuft von Georgia nach Maine. Eine Karte des Trails könnt Ihr Euch hier anschauen klick.

Es handelt sich zwar mit 3440 km nicht um den längsten Wanderweg der Welt, aber schon um einen ganz schön langen. Ich hätte große Lust, ihn auch einmal ein Stück weit zu gehen - wenn ich nicht solche Bedenken bzgl. Übernachtungen im  "shelter" bzw. dem Zelten in bärigen Gegenden hätte ;)

Aber ich schweife ab - zurück zum Buch:
Bill Bryson beschreibt stellenweise sehr amüsant, stellenweise aber auch vor allem informativ seine Erfahrungen mit und alles mögliche Wissenswerte über Amerika, seine Natur und seine Einwohner. Es beginnt mit der Entdeckung, dass der Trail direkt hinter seinem neu bezogenen Haus entlangführt und der Entscheidung, diesen Trail einmal zu wandern. Die Begegnungen mit dem "A.T.", wie der Trail unter Kennern genannt wird, mit dem "hiken" an und für sich und die zwischenmenschlichen Erfahrungen, die der Autor mit seinem Weggefährten Katz macht, bringen den Leser und den Hörer kurzweilig über die ersten Hälfte des Buches. Bill Bryson versteht es, den Handlungsstrang immer wieder mit interessanten Informationen über z.B. Begegnungen mit Bären, gruseligen und tragischen Todesfällen auf dem A.T., der Geschichte der Nationalparks und deren Philosophie auf der einen Seite aber auch die Realität der Zustände dort auf der anderen Seite sowie dem allgemeinen Zustand der Umwelt in den Vereinigten Staaten, zu spicken. Anfangs ist das Verhältnis sehr ausgewogen und durch die humorvolle Art, in der z.B. Katz, der kauzige, Fast-Food-liebende, untrainierte Reisebegleiter, schon am ersten Tag einen Großteil seiner Ausrüstung und des Proviantes entsorgt (er schmeisst alles einfach in den Wald, weil es ihm zu schwer ist), machen einem die beiden Wanderer sehr sympatisch. Zwischendurch wird die unterhaltsame Erzählung dann immer wieder durch historische und reisepraktische Informationen ergänzt und wir hörten ganz gebannt zu während Kilometer um Kilometer Asphalt unter uns dahinglitt.
Irgendwann im Sommer machen die beiden eine Pause: Katz muss einen Job erledigen und Bill Bryson wandert daraufhin in der Nähe seines Heimatortes immer wieder kleinere Touren. Und da beginnt der etwas schwierigere Teil - ab hier häuften sich nämlich die Sachinfos sehr und es fehlte (mir) einfach an Unterhaltungswert.
Später kommt Katz wieder dazu, jedoch auch danach ist das Verhältnis Humor zu Wissen leider nicht mehr ausgeglichen.
Ich weiss noch, dass es mir beim ersten Lesen genauso ergangen ist. Die erste Hälfte des Buches ist einfach nur toll - eine gute Mischung aus beidem und wirklich faszinierend. Bei der zweiten Hälfte ist es nicht so, dass ich die Sachpassagen langweilig fände - ganz im Gegenteil. Allerdings hätte ich mir vielleicht mehr Ausgewogenheit gewünscht, denn so reihen sich die Infos wie Lexikoneinträge aneinander und das ist auf Dauer etwas anstrengend. Jedoch würde ich das Buch jedem empfehlen, der ein Freund der weiten und vielfältigen Natur der Vereingten Staaten ist und natürlich jedem, der auf diesem Weg schon gewandert ist.
Ich kann mir gut vorstellen, dass andere Leser mit dieser Lektüre besser zurechtkommen als ich - ich persönlich mag aber einfach eine Mischung aus Reisebericht und Sachbuch lieber.
So oder so ist es ein sehr schönes Buch, was ich sicher noch einmal hören oder sogar nochmal im Original lesen würde. Bedauern werde ich aber jedes Mal den Moment, wo Katz seine Pause macht, da er eine wunderbare Figur in diesem Bericht ist, die mir viel Spass gemacht hat.
Was die Lesung angeht: das Buch wird von William Roberts sehr gut gelesen - ich fühlte mich teilweise an Stephen Fry erinnert, wenn er Harry Potter liest (und da ich diese Bücher immer wieder und wieder hören kann, ist das eine klare Weiterempfehlung für den Vorleser ;) ).

P.S.: Gilt das jetzt gleichzeitig auch für die Hörbuchchallenge von Ariana? ;)

6/01/2014

Arianas Hörbuchchallenge #6 - Der Distelfink von Donna Tartt, gelesen von Matthias Koeberlin

Ui, das war ja mal ein Erlebnis. Ich habe von Donna Tartt vor ungefähr 10 - 12 Jahren bereits "Die geheime Geschichte" gelesen und habe es verschlungen. Ich war damals bei einer lieben Freundin in Stuttgart zu Besuch und habe jede, aber wirklich jede, freie Minute mit dem Buch verbracht. Als ich kürzlich auf der Suche nach einem neuen Hörbuch war, fiel mir der Name Donna Tartt natürlich sofort ins Auge und als ich dann die Dauer des Hörbuches (33:25) sah, war die Entscheidung schon gefallen. Auch hier habe ich darauf verzichtet, einen Blick auf den Klappentext zu werfen, was wohl auch ganz gut war, wie ich jetzt weiss. Die Handlung ist eigentlich nicht groß, aber es ist schön, sich davon überraschen zu lassen. Was ich sagen kann, ist dass mich schon die ersten Kapitel - der Besuch einer Kunstausstellung und eine sehr schöne, nahe und fast greifbare Beschreibung der ausgestellten Bilder in ihren Bann gezogen haben. Donna Tartt hat in meinen Augen einen großartigen Schreibstil - sie schreibt sehr dicht und sehr bildhaft. Es ist ein großes Buch (in jeder Hinsicht) - gut geschrieben und total spannend und mitreissend.
Es gab auch langatmige Stellen, es gab Stellen, die mich geärgert haben, aber es gab eben auch viele, viele Passagen (und eine davon ist gleich die am Anfang, in der Kunstausstellung) die mir den Atem raubten, weil sie so intensiv waren. Als Hörbuch finde ich es perfekt - als Buch wäre es mir vielleicht an der einen oder anderen Stelle zu langatmig gewesen. Besonders gut fand ich als Gegengewicht zu den langatmigen Phasen verschiedene überraschende Wendungen, insbesondere einen Twist mitten im Buch, der mich so überrascht hat, dass ich ganz perplex war :)

Die Interpretation der Charaktere hat Matthias Koeberlin sehr gut gemeistert ich mochte besonders Hobie sehr gerne - den fand ich großartig und hätte mir gewünscht, ihn kennenlernen zu können. Aber auch die kühle Kitsey und den selbstsicheren, in sich ruhenden Boris fand ich gut gesprochen. Bevor man sich für dieses Hörbuch entscheidet, sollte man wissen, dass es ein langes, großes Buch ist und dass es zwar einen Spannungsbogen gibt, aber immer wieder auch ruhige Phasen vorkommen, in denen entweder in der Zeit zurückgesprungen wird oder andere Sachverhalte detailliert beschrieben werden. Ich fand das überhaupt nicht störend - aber wer eher ein Feuerwerk an Action braucht oder erwartet könnte enttäuscht sein.Vielleicht sollte man auch wissen, dass es häufig um  Drogen geht - diesen Teil fand ich teilweise etwas sehr ausgebaut - andererseits hat es aber (da spricht jetzt meine Arbeit aus mir ;) ) meine Sicht auf Suchterkrankungen auch stark beeinflusst und verändert, wofür ich dem Buch bzw. der Autorin sehr dankbar bin.
Das Buch hat den Pulitzer-Preis 2014 bekommen - das habe ich aber erst später erfahren. Ich kann das gut nachvollziehen - auch wenn ich einigen kritischen Stimmen dazu auch recht geben muss. Es gibt lose Fäden, es gibt unlogische Momente - aber ich kann auch die große Faszination und Begeisterung verstehen. Nicht das ich genug Ahnung hätte bzw. habe ich ja auch gar nicht im Blick, was sonst so "preisverdächtiges" veröffentlicht wurde. Ich kann nur sagen, dass ich das Buch und die Lesung genossen habe und über jede Minute froh war, in der ich Zeit zum Hören hatte :D

Arianas Hörbuchchallenge #5 - Die Känguru-Chroniken von Marc-Uwe Kling, gelesen von Marc-Uwe Kling

Dieses Hörbuch stellt für mich den - ich weiss nicht genau, fünften ? - "Re-hear" dar. Ich habe es für unseren USA-Urlaub 2012 von einer Freundin ausgeliehen und, wie so häufig bei mir, ohne zu wissen, was auf mich zukommt ;). Ich erinnere mich noch recht genau an den Fahrtag: wir fuhren schon durch eher wüstenartiges, steiniges Gebiet, irgendwo auf dem Weg nach Monument Valley als es Zeit für ein neues Hörbuch wurde (wir hören auf unseren Mietwagen-Reisen immer Unmengen von Hörbüchern ;) ). Also startete ich es und es geht damit los, dass der Vorleser davon erzählt, dass es eines Tages an seiner Tür klingelt und ein Känguru vor ihm stand. Dieses wollte Eierpfannkuchen backen, hatte aber kein Mehl. Der freundliche Nachbar hilft gerne aus, aber nach fünf Minuten steht das Känguru erneut vor der Tür, es habe auch keine Eier. Und wieder nach ein paar Momenten, klingelt es und Marc-Uwe hält dem Känguru eine Pfanne entgegegen. Das Ende vom Lied: Das Känguru hat noch keinen Herd und Marc-Uwe macht die Pfannkuchen und eine großartige Freundschaft entsteht.
Während der ersten Minuten schauten wir uns noch recht irritiert an, aber schon bald hatte uns das Känguru überzeugt. Das Känguru ist Kommunist und hält nicht viel von Lidl, es hält aber auch nicht viel von Arbeit und ist schon glücklich, wenn es in der Hängematte liegen kann, Schnapspralinen futtern darf und dabei in den Genuß von Bud-Spencer-Filmen kommt. Und es steht auf Nirvana. Gerne diskutiert es mit dem Kleinkünstler Marc-Uwe Kling und verändert so die Sicht auf die Dinge beim Hörer (oder zumindest bei uns). Das Känguru ist wirklich erfrischend, es hat absurde, komische Ideen und die Art, wie Marc-Uwe Kling die Bücher vorliest ist einfach nur wunderbar. Das Känguru hat eine "eigene" Stimme und man hört auch hin und wieder, dass der Vorleser lachen muss, was ich sehr sympathisch finde.
Bislang habe ich die ersten beiden Teile mehrfach gehört (und nicht gelesen) und freue mich schon auf Teil 3 - "Die Känguru-Offenbarung", welches wir bald, vielleicht wieder im Monument Valley ;) , hören werden. Das "Problem" ist, immer wenn ich das Känguru höre, verspüre ich danach einen Ärger auf das System in dem wir leben - denn das Känguru hat sehr häufig einfach Recht. Sprüche wie der ironische Slogan "Ich arbeite gern für meinen Konzern" des "Ministeriums für Produktivität" sind bei uns jetzt geflügelte Worte. Besonders schön auch die "falschen Zitate" wie z.B. diese beiden:


"e;Schön, die Phönizier haben das Geld erfunden. Aber warum so wenig?« Buddha "e;
"e;Niemand hat die Absicht, eine Mauer zu errichten.« Bob der Baumeister"e;
(aus "Das Känguru-Manifest" von Marc-Uwe Kling, Kindle-Edition)

Insgesamt sind es sehr humorvolle Bücher - die Art Bücher, aus denen man am liebsten unbedingt - irgendejemandem - vorlesen möchte.
Ich kann die Hörbuchfassungen nur empfehlen - wobei es sicher auch sehr gut ist, selber zu lesen. Aber hier geht es mir wie bei "Ich bin dann mal weg" von Hape Kerkeling: wenn man die Chance hat, den Autoren selber lesen zu hören, ist das einfach etwas, was ich mir nicht entgehen lassen will :)

Und wer jetzt neugierig ist (und die Bücher nicht eh schon kennt oder hat) kann hier auf der Seite des "Kleinkünstlers" ;) hereinhören.

Arianas Hörbuchchallenge #4 - City of Lost Souls von Cassandra Clare, gelesen von Andrea Sawatzki

Den fünften Teil der Reihe habe ich mir nun doch noch angeschafft - bzw. dafür bin ich Audi*ble-Kunde geworden und kann nun meiner Hörbuch-Sucht fröhnen *seufz* ;)
Es ist ja immer blöd mit solchen Reihen, besonders, wenn sie einen nicht zu 100% überzeugen. Aber andererseits sind sie doch so unterhaltsam und spannend, dass man gerne wissen möchte, wie es weitergeht. So erging es mir auch bei der Erkenntnis des vierten Teils der Reihe, dass die Geschichte noch nicht zu Ende ist. Eigentlich hatte ich mich auf ein großartiges, bombastisches Finale gefreut, was zwar kam, aber eben kein "echtes" Finale war.
Mit einem großen Paukenschlag war einer der Protagonisten mit dem Erzfeind verschwunden und alles scheint verloren. Clary hatte wieder alle möglichen Regeln übertreten (immer noch frage ich mich, wie es sein kann, dass man sie nach wie vor so unbehelligt als Dämonenjägerin agieren läßt ;) ) und steht nun vor einem riesigen Scherbenhaufen.
Der nächste Teil begann so hoffnungslos wie erwartet und nach und nach beginnen die einzelnen Erzählstränge an Fahrt aufzunehmen.
Ich habe auch bei diesem Band viel mitgefiebert und war sehr gespannt darauf, wie sich die Geschichte weiter entwickeln wird. Teilweise war ich so angespannt, dass ich unwillkürlich die Luft anhielt :)
Insgesamt haben wir viel Spannung und eine ausweglos scheinende Ausgangssituation à la Harry Potter "einer muss sterben..." und eine Clary, die ohne Rücksicht auf Verluste oder Regeln ihren Weg geht. Weiterhin gibt es reichlich Liebesgeschichten, Kampfszenen und gruselige (für mich) kleine Nebengeschichten. Alles in allem eine gute Mischung, die Spass macht und dazu führt, dass ich auch Teil 6 lesen werde.
So hatte ich wieder reichlich kurzweilige Zug- und Autofahr- oder Walking-/Jogging-Stunden und fühlte mich gut unterhalten. Ich weiss nicht, ob es an dem Gewöhnungseffekt liegt, aber mittlerweile habe ich mich mit Andrea Sawatzki gut arrangiert. Ich kann mir aber auch gut vorstellen, dass sich der Lesestil verändert hat - mittlerweile ist sie ja sicher in der Geschichte auch ganz anders "drin" als im ersten Teil. Auf jeden Fall gibt es da keinerlei Kritik mehr von meiner Seite.

"Trauma" von Luise Reddemann und Cornelia Dehner-Rau - Sachbuchchallenge 2014 #3

Der genaue Titel des dritten Buches, welches ich für die Sachbuchchallenge 2014 von der  Winterkatze  vorstellen möchte ist "Trauma - Folgen erkennen, überwinden und an ihnen wachsen". Das Buch ist von einer der renommierten Trauma-Forscherinnen Luise Reddemann und von Cornelia Dehner-Rau verfasst worden und ich habe es mir für meine Arbeit gekauft. Da ich viel mit Patienten arbeite, bei denen Traumatisierungen nicht unüblich sind, beschäftigt mich dieses Thema immer wieder.
Das Buch ist, wie der Titel schon sagt, eher als Selbsthilfebuch gedacht und ich habe auch versucht, es aus den Augen einer Betroffenen zu lesen.
Mich hat das Buch sehr angesprochen. Frau Reddemann und Frau Dehner-Rau beschreiben sehr behutsam und vorsichtig, welche Symptome nach einer Traumatisierung auftreten können und ermöglichen dem Leser oder der Leserin dadurch eine erste "Selbstdiagnostik". Ich stelle mir vor, dass vielleicht jemand durch ein Gespräch oder eine Fernsehsendung auf das Thema gestoßen wird und sich fragt, ob bestimmte "eigene Macken" vielleicht von einem Trauma herrühren könnten und das eine solche Person vielleicht dadurch auf dieses Buch kommt. Oder es wird ihr zum Beispiel in einer Beratungsstelle empfohlen.
Die Praxis zeigt ja, dass viele traumatisierte Menschen das Trauma lange Zeit verdrängen und gar nicht mehr wissen, was vorgefallen ist - vor allem natürlich bei frühkindlicher Traumatisierung.
Ich stelle mir also vor, dass so jemand dieses Buch bekommt und, nach dem erklärt wird, was ein Trauma eigentlich ist und warum es so schwierig für uns Menschen ist, Traumata zu verarbeiten, schon sehr bald die Diagnosekriterien für eine PTBS und eine akute Belastungsreaktion vorgestellt werden. Allerdings eben nicht einfach aus dem ICD-10 abgeschrieben sondern mit Beispielen dargestellt, so dass man sich darin besser wiederfinden könnte.
Im weiteren werden dann Therapieansätze vorgestellt, es wird erklärt warum bestimmte Symptome wie z. B. selbstverletztendes Verhalten oder Dissoziationen für Betroffene hilfreich sind und dadurch - kann ich mir zumindest Vorstellen - findet eine erste Entlastung statt. Es werden auch viele Tipps zur Selbsthilfe gegeben - Achtsamkeit, Ressourcenübungen, Hinweise darauf, wie man einen guten Therapeuten oder eine Therapeutin findet und worauf man bei den probatorischen Sitzungen achten sollte.
Ich hatte während der gesamten Lesedauer den Eindruck, die Autorinnen säßen neben mir und würden mir alles geduldig  und ruhig erklären. Ich musste nur zuhören / weiterlesen. Das Buch ist in sich sehr schlüssig aufgebaut - es wird eigentlich jede (zumindest mir wichtig erscheinende) Frage beantwortet - manchmal auch nur in kleinen Kästchen am Rand, aber das reicht ja. So zum Beispiel die Sinn-Frage (Machen Traumata Sinn?) - von der ich glaube, dass diese Frage jeden und jede Betroffene irgendwann einmal umtreiben wird.
Das Buch ist sehr schön geschrieben, es ist kein "Fachchinesisch" sondern insgesamt sehr gut zu lesen - eins dieser Bücher, die sich quasi von selber lesen.
Ich werde dieses Buch auf jeden Fall weiterempfehlen an Patienten oder interessierte Bekannte oder Freunde. Häufig kommen ja auch dritte Personen zu einem und machen sich Sorgen - auch für Angehörige oder Freunde finde ich dieses Werk sinnvoll.
Ein klares 5-Sterne-Buch - ich bin froh, dass ich es im Zuge der Challenge endlich gelesen habe :D