6/01/2014

"Trauma" von Luise Reddemann und Cornelia Dehner-Rau - Sachbuchchallenge 2014 #3

Der genaue Titel des dritten Buches, welches ich für die Sachbuchchallenge 2014 von der  Winterkatze  vorstellen möchte ist "Trauma - Folgen erkennen, überwinden und an ihnen wachsen". Das Buch ist von einer der renommierten Trauma-Forscherinnen Luise Reddemann und von Cornelia Dehner-Rau verfasst worden und ich habe es mir für meine Arbeit gekauft. Da ich viel mit Patienten arbeite, bei denen Traumatisierungen nicht unüblich sind, beschäftigt mich dieses Thema immer wieder.
Das Buch ist, wie der Titel schon sagt, eher als Selbsthilfebuch gedacht und ich habe auch versucht, es aus den Augen einer Betroffenen zu lesen.
Mich hat das Buch sehr angesprochen. Frau Reddemann und Frau Dehner-Rau beschreiben sehr behutsam und vorsichtig, welche Symptome nach einer Traumatisierung auftreten können und ermöglichen dem Leser oder der Leserin dadurch eine erste "Selbstdiagnostik". Ich stelle mir vor, dass vielleicht jemand durch ein Gespräch oder eine Fernsehsendung auf das Thema gestoßen wird und sich fragt, ob bestimmte "eigene Macken" vielleicht von einem Trauma herrühren könnten und das eine solche Person vielleicht dadurch auf dieses Buch kommt. Oder es wird ihr zum Beispiel in einer Beratungsstelle empfohlen.
Die Praxis zeigt ja, dass viele traumatisierte Menschen das Trauma lange Zeit verdrängen und gar nicht mehr wissen, was vorgefallen ist - vor allem natürlich bei frühkindlicher Traumatisierung.
Ich stelle mir also vor, dass so jemand dieses Buch bekommt und, nach dem erklärt wird, was ein Trauma eigentlich ist und warum es so schwierig für uns Menschen ist, Traumata zu verarbeiten, schon sehr bald die Diagnosekriterien für eine PTBS und eine akute Belastungsreaktion vorgestellt werden. Allerdings eben nicht einfach aus dem ICD-10 abgeschrieben sondern mit Beispielen dargestellt, so dass man sich darin besser wiederfinden könnte.
Im weiteren werden dann Therapieansätze vorgestellt, es wird erklärt warum bestimmte Symptome wie z. B. selbstverletztendes Verhalten oder Dissoziationen für Betroffene hilfreich sind und dadurch - kann ich mir zumindest Vorstellen - findet eine erste Entlastung statt. Es werden auch viele Tipps zur Selbsthilfe gegeben - Achtsamkeit, Ressourcenübungen, Hinweise darauf, wie man einen guten Therapeuten oder eine Therapeutin findet und worauf man bei den probatorischen Sitzungen achten sollte.
Ich hatte während der gesamten Lesedauer den Eindruck, die Autorinnen säßen neben mir und würden mir alles geduldig  und ruhig erklären. Ich musste nur zuhören / weiterlesen. Das Buch ist in sich sehr schlüssig aufgebaut - es wird eigentlich jede (zumindest mir wichtig erscheinende) Frage beantwortet - manchmal auch nur in kleinen Kästchen am Rand, aber das reicht ja. So zum Beispiel die Sinn-Frage (Machen Traumata Sinn?) - von der ich glaube, dass diese Frage jeden und jede Betroffene irgendwann einmal umtreiben wird.
Das Buch ist sehr schön geschrieben, es ist kein "Fachchinesisch" sondern insgesamt sehr gut zu lesen - eins dieser Bücher, die sich quasi von selber lesen.
Ich werde dieses Buch auf jeden Fall weiterempfehlen an Patienten oder interessierte Bekannte oder Freunde. Häufig kommen ja auch dritte Personen zu einem und machen sich Sorgen - auch für Angehörige oder Freunde finde ich dieses Werk sinnvoll.
Ein klares 5-Sterne-Buch - ich bin froh, dass ich es im Zuge der Challenge endlich gelesen habe :D

5 comments:

  1. Das klingt wirklich sehr gut. Oft sind solche Bücher ja zu speziell formuliert, so dass man als Leser das Gefühl hat, man müsse mit der Suchmaschine daneben sitzen und sich erst einmal das notwendige Grundwissen anlesen.

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  2. Das ist hier wirklich nicht notwendig - es ist absolut für Betroffene gemacht und alle Fachbegriffe sind sehr gut und einfach erklärt :)

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  3. Ist "ICD-10" ein diagnostisches Fach/Lehr-Buch? Ich habe offenbar nicht gegoogelt. ;)

    Das Buch klingt für direkt bzw. indirekt Betroffene oder auch Interessierte wirklich interessant und hilfreich. Ich überlege auch gerade, ob und wie dieser Kreis gerade in der Anfangsphase auf den Titel aufmerksam wird. Da sicher viel im Internet recherchiert wird bzw. Betroffenen-Foren existieren (stelle ich mir jedenfalls vor), wird es dort hoffentlich vorgestellt und angepriesen.

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    1. Ja, im ICD10 findet man alle Diagnosen und deren Kriterien :) Das hätte ich auch erläutern können... Frau Reddemann ist ja eine der Koryphäen auf dem Gebiet, daher denke ich, dass man auf den Titel recht fix kommen wird.

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    2. Ah, dann findet man den Titel bestimmt flott in den einschlägigen Foren oder bei einer googelei. :)

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