6/30/2014

"Das innere Kind" von Luise Reddemann, Peter Schellenbaum und Manuela Miller - Sachbuchchallenge 2014 #5

Jetzt muss ich Euch noch einmal mit meiner Arbeit "belästigen" - diese drei Vorträge (Dauer: ca. 3:31h) habe ich ebenfalls im Rahmen der Sachbuchchallenge gehört und wie der Titel es sagt, geht es um die Arbeit mit dem sogenannten inneren Kind, welche mir im letzten Jahr im Zuge meiner Arbeit vielfach begegnet ist, die ich auch selber schon im beruflichen Umfeld anwenden konnte.
Bei diesem Konzept geht vielfach um unverarbeitete, oftmals abgespaltene Erfahrungen aus der Kindheit, die uns auch heute häufig noch im Weg stehen bzw. unser Handeln bestimmen. In der Therapie geht es darum, Kontakt zu diesem inneren, kindlichen Anteil in uns aufzunehmen und ggf. zu versuchen, den damals entstandenen Schaden zu würdigen und insofern auszugleichen, als das man dem inneren Anteil z.B. die Sicherheit gibt, die ihm damals gefehlt hat.
Das ganze klingt komplizierter als es ist und einen guten Einblick in dieses Konzept bekommt man mit den hier vorgestellten Vorträgen.
Der Teil von Luise Reddemann ist schon allein deshalb spannend, weil er von ihr ist - Ihr habt den Namen schon in einer der vorigen Sachbuch-Rezis gelesen. Frau Reddemann ist in Deutschland führend im Bezug der Traumaforschung und -behandlung und ich fand es sehr reizvoll, einen Vortrag von ihr quasi miterleben zu können. Sie beschreibt eingangs das Konzept des inneren Kindes, welches heutzutage in vieler Munde ist und führt im Verlauf in einem Rollenspiel die Art und Weise, wie sie damit arbeitet vor. Das ist natürlich für jemanden, der diese Themen mit Patienten bearbeitet von unschätzbaren Wert und hat mich sehr begeistert.
Der zweite Vortrag ist von Peter Schellenbaum und beschäftigt sich mit dem "verstoßenen Kind". Schellenbaum ist Psychoanalytiker und zeigt auf, wie es in Folge von einer zu frühen Veranwortungsübernahme im Kindesalter dazu kommen kann, dass das innere Kind sozusagen verstoßen wird und es dadurch zur Abkopplung von Liebesfähigkeit und Lebendigkeit kommen kann.
Diesen Vortrag fand ich ebenfalls gut, aber teilweise ging er mir etwas zu weit bzw. ich fand ihn vielleicht einfach zu analytisch.
Mein Lieblingsvortrag von der MP3-CD war der von Manuela Miller: "Heilung des inneren Kindes". Sie spricht nicht nur von der zu behütenden, zu schützenden Seite des inneren Kindes, sondern auch von der wütenden, zornigen Seite, welche ebenfalls viel Macht hat. Sie sagt zum Beispiel, dass diese Seite uns oft im Weg steht, wenn wir beispielsweise etwas erreichen wollen, was wir schon lange als Ziel haben. So kann es sein, dass alle Zeichen so stehen, dass der Wunsch in Erfüllung gehen könnte, aber der innere Teil in uns, der z.B. die Erfahrung gemacht hat, dass man von anderen nicht mehr gemocht wird, wenn man Erfolg hat, hindert uns plötzlich daran, den letzten Schritt zum Erfolg zu gehen.
Ich mochte diesen Vortrag so besonders gerne, weil Manuela Miller so offen und direkt mit ihren Zuhörern spricht. Sie erzählt von eigenen Erfahrungen, von eigenen Kindheitserlebnissen und davon, wie sie mit ihren Themen umgegangen ist. Leider ist es mir nicht gelungen, näheres über diese Therapeutin herausgefunden - mich hätte interessiert, was sie heute macht und woher sie kommt. Sie hat nämlich einen wirklich angenehmen Akzent der entweder amerikanisch oder eventuell süddeutsch sein könnte - genau konnte ich es nicht einordnen.
Auf jeden Fall ist diese Sammlung von Vorträgen absolut spannend und interessant - ich wage zu behaupten auch für Menschen, die nicht mit Therapie zu tun haben. Ich habe nämlich den Eindruck, dass man durch die vielen praktischen Beispiele und evtl. durch die mögliche Übertragung auf das eigene Leben die Chance hat, auch sein eigenes inneres Kind ein bisschen kennenzulernen - denn ich denke, wir haben alle eins, welches an der einen oder anderen Stelle noch ein bisschen Unterstützung brauchen könnte. Bei mir war es jedenfalls so und daher würde ich diese Vorträge (klick) jedem empfehlen, der Lust hat sich ein bisschen mit sich selbst zu befassen.

2 comments:

  1. Auch wenn du schreibst, dass diese Vorträge im Prinzip für jeden interessant sein können, so fürchte ich, dass das Gebiet doch zu speziell ist, als dass ich noch etwas dazu sagen könnte. Aber ich finde es schön, dass du es so genossen hast mal die jeweiligen Wissenschaftler zu hören und sich in dieser Form mit ihren Theorien auseinander zu setzen.

    ReplyDelete
  2. Ich stelle mir vor, dass man diese Vorträge nicht so nebenbei hören kann. Vielleicht hätte ich als Laie etwas Schwierigkeiten, "dran zu bleiben". Müsste ich austesten. Das Thema klingt jedenfalls interessant.

    ReplyDelete