6/01/2014

Arianas Hörbuchchallenge #6 - Der Distelfink von Donna Tartt, gelesen von Matthias Koeberlin

Ui, das war ja mal ein Erlebnis. Ich habe von Donna Tartt vor ungefähr 10 - 12 Jahren bereits "Die geheime Geschichte" gelesen und habe es verschlungen. Ich war damals bei einer lieben Freundin in Stuttgart zu Besuch und habe jede, aber wirklich jede, freie Minute mit dem Buch verbracht. Als ich kürzlich auf der Suche nach einem neuen Hörbuch war, fiel mir der Name Donna Tartt natürlich sofort ins Auge und als ich dann die Dauer des Hörbuches (33:25) sah, war die Entscheidung schon gefallen. Auch hier habe ich darauf verzichtet, einen Blick auf den Klappentext zu werfen, was wohl auch ganz gut war, wie ich jetzt weiss. Die Handlung ist eigentlich nicht groß, aber es ist schön, sich davon überraschen zu lassen. Was ich sagen kann, ist dass mich schon die ersten Kapitel - der Besuch einer Kunstausstellung und eine sehr schöne, nahe und fast greifbare Beschreibung der ausgestellten Bilder in ihren Bann gezogen haben. Donna Tartt hat in meinen Augen einen großartigen Schreibstil - sie schreibt sehr dicht und sehr bildhaft. Es ist ein großes Buch (in jeder Hinsicht) - gut geschrieben und total spannend und mitreissend.
Es gab auch langatmige Stellen, es gab Stellen, die mich geärgert haben, aber es gab eben auch viele, viele Passagen (und eine davon ist gleich die am Anfang, in der Kunstausstellung) die mir den Atem raubten, weil sie so intensiv waren. Als Hörbuch finde ich es perfekt - als Buch wäre es mir vielleicht an der einen oder anderen Stelle zu langatmig gewesen. Besonders gut fand ich als Gegengewicht zu den langatmigen Phasen verschiedene überraschende Wendungen, insbesondere einen Twist mitten im Buch, der mich so überrascht hat, dass ich ganz perplex war :)

Die Interpretation der Charaktere hat Matthias Koeberlin sehr gut gemeistert ich mochte besonders Hobie sehr gerne - den fand ich großartig und hätte mir gewünscht, ihn kennenlernen zu können. Aber auch die kühle Kitsey und den selbstsicheren, in sich ruhenden Boris fand ich gut gesprochen. Bevor man sich für dieses Hörbuch entscheidet, sollte man wissen, dass es ein langes, großes Buch ist und dass es zwar einen Spannungsbogen gibt, aber immer wieder auch ruhige Phasen vorkommen, in denen entweder in der Zeit zurückgesprungen wird oder andere Sachverhalte detailliert beschrieben werden. Ich fand das überhaupt nicht störend - aber wer eher ein Feuerwerk an Action braucht oder erwartet könnte enttäuscht sein.Vielleicht sollte man auch wissen, dass es häufig um  Drogen geht - diesen Teil fand ich teilweise etwas sehr ausgebaut - andererseits hat es aber (da spricht jetzt meine Arbeit aus mir ;) ) meine Sicht auf Suchterkrankungen auch stark beeinflusst und verändert, wofür ich dem Buch bzw. der Autorin sehr dankbar bin.
Das Buch hat den Pulitzer-Preis 2014 bekommen - das habe ich aber erst später erfahren. Ich kann das gut nachvollziehen - auch wenn ich einigen kritischen Stimmen dazu auch recht geben muss. Es gibt lose Fäden, es gibt unlogische Momente - aber ich kann auch die große Faszination und Begeisterung verstehen. Nicht das ich genug Ahnung hätte bzw. habe ich ja auch gar nicht im Blick, was sonst so "preisverdächtiges" veröffentlicht wurde. Ich kann nur sagen, dass ich das Buch und die Lesung genossen habe und über jede Minute froh war, in der ich Zeit zum Hören hatte :D

2 comments:

  1. Ich erinnere mich, dass mir "Die geheime Geschichte" von ihr auch gut gefallen hatte - und ebeno die Kurzgeschichten "Eine Strumpfbandnatter". Beide Titel hattest Du mir damals geliehen. Mal sehen, ob ich irgendwann auch in den Distelfink reinhöre oder reinlese. ;)

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    1. Wenn ja, bin ich gespannt, was Du sagst :)

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