6/29/2014

"A Walk in the Woods" von Bill Bryson, gelesen von William Roberts - Sachbuchchallenge 2014 #4

Wir sind wieder da - nach drei Wochen Roadtrip in den USA, zu denen es auch noch den ein oder anderen Post geben wird.
Zunächsteinmal muss ich aber zusehen, dass ich mein Zwischenziel der Sachbuchchallenge noch erreiche - nämlich bis Ende Juni mindestens 5 Bücher rezensiert zu haben. Dank der vielen Autofahrstunden der letzten Wochen war das "abarbeiten" der Bücher kein Problem - da auch Hörbücher erlaubt sind :)
So haben wir auf der Strecke zum und vom Yellowstone Nationalpark das Hörbuch zu "A Walk in the Woods" von Bill Bryson, gelesen von William Roberts, genossen und hatten damit eine gute Zeit. Dieses Buch wurde uns schon vor einer Weile von der lieben Natira geschenkt, als sie von unseren groben Reiseplänen erfuhr :) - Danke nochmal, meine Liebe!
Ich habe das Buch in der Übersetzung vor vielen Jahren schon einmal gelesen - auf Deutsch hat es den irreführenden Titel "Picknick mit Bären" - das kann für den geneigten Leser schon etwas enttäuschend sein, denn Bill Bryson trifft auf seinen Wanderungen keinen einzigen Bären - er befürchtet jedoch immer, dass dies passieren könnte.
Und da bin ich auch schon mitten im Buch - es handelt sich nämlich um einen Reisebericht des Autoren, der den Apalachian Trail gemeinsam mit seinem Freund Steven Katz wandert. Der Trail verläuft von Georgia nach Maine. Eine Karte des Trails könnt Ihr Euch hier anschauen klick.

Es handelt sich zwar mit 3440 km nicht um den längsten Wanderweg der Welt, aber schon um einen ganz schön langen. Ich hätte große Lust, ihn auch einmal ein Stück weit zu gehen - wenn ich nicht solche Bedenken bzgl. Übernachtungen im  "shelter" bzw. dem Zelten in bärigen Gegenden hätte ;)

Aber ich schweife ab - zurück zum Buch:
Bill Bryson beschreibt stellenweise sehr amüsant, stellenweise aber auch vor allem informativ seine Erfahrungen mit und alles mögliche Wissenswerte über Amerika, seine Natur und seine Einwohner. Es beginnt mit der Entdeckung, dass der Trail direkt hinter seinem neu bezogenen Haus entlangführt und der Entscheidung, diesen Trail einmal zu wandern. Die Begegnungen mit dem "A.T.", wie der Trail unter Kennern genannt wird, mit dem "hiken" an und für sich und die zwischenmenschlichen Erfahrungen, die der Autor mit seinem Weggefährten Katz macht, bringen den Leser und den Hörer kurzweilig über die ersten Hälfte des Buches. Bill Bryson versteht es, den Handlungsstrang immer wieder mit interessanten Informationen über z.B. Begegnungen mit Bären, gruseligen und tragischen Todesfällen auf dem A.T., der Geschichte der Nationalparks und deren Philosophie auf der einen Seite aber auch die Realität der Zustände dort auf der anderen Seite sowie dem allgemeinen Zustand der Umwelt in den Vereinigten Staaten, zu spicken. Anfangs ist das Verhältnis sehr ausgewogen und durch die humorvolle Art, in der z.B. Katz, der kauzige, Fast-Food-liebende, untrainierte Reisebegleiter, schon am ersten Tag einen Großteil seiner Ausrüstung und des Proviantes entsorgt (er schmeisst alles einfach in den Wald, weil es ihm zu schwer ist), machen einem die beiden Wanderer sehr sympatisch. Zwischendurch wird die unterhaltsame Erzählung dann immer wieder durch historische und reisepraktische Informationen ergänzt und wir hörten ganz gebannt zu während Kilometer um Kilometer Asphalt unter uns dahinglitt.
Irgendwann im Sommer machen die beiden eine Pause: Katz muss einen Job erledigen und Bill Bryson wandert daraufhin in der Nähe seines Heimatortes immer wieder kleinere Touren. Und da beginnt der etwas schwierigere Teil - ab hier häuften sich nämlich die Sachinfos sehr und es fehlte (mir) einfach an Unterhaltungswert.
Später kommt Katz wieder dazu, jedoch auch danach ist das Verhältnis Humor zu Wissen leider nicht mehr ausgeglichen.
Ich weiss noch, dass es mir beim ersten Lesen genauso ergangen ist. Die erste Hälfte des Buches ist einfach nur toll - eine gute Mischung aus beidem und wirklich faszinierend. Bei der zweiten Hälfte ist es nicht so, dass ich die Sachpassagen langweilig fände - ganz im Gegenteil. Allerdings hätte ich mir vielleicht mehr Ausgewogenheit gewünscht, denn so reihen sich die Infos wie Lexikoneinträge aneinander und das ist auf Dauer etwas anstrengend. Jedoch würde ich das Buch jedem empfehlen, der ein Freund der weiten und vielfältigen Natur der Vereingten Staaten ist und natürlich jedem, der auf diesem Weg schon gewandert ist.
Ich kann mir gut vorstellen, dass andere Leser mit dieser Lektüre besser zurechtkommen als ich - ich persönlich mag aber einfach eine Mischung aus Reisebericht und Sachbuch lieber.
So oder so ist es ein sehr schönes Buch, was ich sicher noch einmal hören oder sogar nochmal im Original lesen würde. Bedauern werde ich aber jedes Mal den Moment, wo Katz seine Pause macht, da er eine wunderbare Figur in diesem Bericht ist, die mir viel Spass gemacht hat.
Was die Lesung angeht: das Buch wird von William Roberts sehr gut gelesen - ich fühlte mich teilweise an Stephen Fry erinnert, wenn er Harry Potter liest (und da ich diese Bücher immer wieder und wieder hören kann, ist das eine klare Weiterempfehlung für den Vorleser ;) ).

P.S.: Gilt das jetzt gleichzeitig auch für die Hörbuchchallenge von Ariana? ;)

7 comments:

  1. Ich glaube, ich bin die einzige Person, die dieses Buch nicht mochte und sogar abgebrochen hat. *uiui* Aber ich finde es toll, dass ihr beide so viel Spaß damit hattet (auch wenn es in der zweiten Hälfte etwas abfällt) und der Sprecher euch so zugesagt hat. :)

    P.S.: Ich freu mich schon auf die Reiseposts! Die Fotos auf Twitter waren wieder so schön zu verfolgen ... :)

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    1. Ich kann Dich schon verstehen - es gab auch bei mir Phasen, wo es mich ein bisschen nervte, vor allem in besagten Sachinfo-Abschnitten. Ja, der Sprecher hat auch wirklich viel herausgerissen ... Und ich finde immer, bei Hörbüchern kann man über langatmige Passagen besser hinweghören - beim Lesen ist das anstrengender.

      :) Ich bin gerade noch dabei, die Bilder zu sortieren und zusammenzubauen :) - ein bisschen dauert es also noch.

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    2. Ich hatte kurz nach der Unterbrechung der Reise abgebrochen, weil ich das Gefühl hatte, er würde das ganze Projekt am Liebsten sein lassen und könnte es nicht, weil er den Buchvertrag hatte. Und ja, ein guter Sprecher kann einen über den einen oder anderen Makel eines Buches bringen.

      Kein Stress - ich freu mich nur schon! :)

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    3. Das finde ich jetzt durchaus etwas amüsant, dass Du auch die Unterbrechung der Reise als Wendepunkt erlebt hast :D Das kann natürlich sein, dass der Buchvertrag ihn hat weiterwandern lassen - darüber habe ich noch gar nicht so nachgedacht.

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    4. Doch, das empfand ich als recht eindeutigen Bruch.

      Vielleicht unterstelle ich dem Autor da etwas, aber so kam es mir vor und das hat mich geärgert. Es hat ihn ja niemand gezwungen so ein Projekt zu starten und es ist auch okay, wenn man im Laufe der Zeit sagt, dass es einem zu viel wird, aber so hatte ich das Gefühl, er würde sich rauswinden und irgendwie noch die Seiten füllen wollen

      Wenn ich überlege, wie lange das Lesen her ist (ich hatte das Buch bei der deutschen Erstveröffentlichung gelesen) und wie verärgert ich immer noch darüber bin ... *g*

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  2. Ich erinnere mich noch, wie wir die Sprecher verglichen haben. Wie schön, dass der gute erste Sprecher-Eindruck sich über das Hörbuch bestätigt hat.

    Das Buch kenn ich ja weiterhin nicht - was muss ich denn unter den Sachinfos verstehen? Referiert er darüber, welche Bäume es gibt und wie sie wachsen, welches Gestein u. die geologische Entwicklung?

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  3. Na klar gilt das auch für die Hörbuch-Challenge - ist doch ein Hörbuch. ;-)

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