5/18/2014

"Nutzlos wie eine Rose" von Arnhild Lauveng und Günther Frauenlob - Sachbuchchallenge 2014 #2

Das zweite Buch, welches ich für die Sachbuchchallenge der lieben Winterkatze hier vorstellen möchte ist "Nutzlos wie eine Rose" von Arnhild Lauveng, in dem die Autorin und Psychologin beschreibt, wie sie die Jahre in psychiatrischen Einrichtungen erlebt hat, als sie an Schizophrenie litt.
Es handelt sich um ein Plädoyer für menschlichen Umgang mit Psychiatrie-Patienten, die zwar häufig bestimmte Grenzen benötigen, aber genauso häufig auch genau spüren, wie man mit ihnen umgeht - auch wenn das Außen dies häufig nicht mitbekommt.
Ich habe das Buch sehr schnell gelesen, da ich es äußerst spannend und fesselnd fand. In den Zeilen wird deutlich, wie krank Frau Lauveng damals war und wie viele negative und auch positive Erlebnisse ihr in dieser Zeit widerfahren sind. Was mir besonders gut gefallen hat, ist das die Autorin nicht das Thema ihrer Krankheit in den Vordergrund stellt - natürlich findet auch das immer wieder etwas Raum in den Kapiteln, jeweils so viel, wie nötig war, um die Sachlage zu verstehen. Das fand ich angenehm, dass es nicht so "sensationslüstern" dargestellt wurde - was durchaus bei Büchern über psychische Störungen vorkommen kann. Ich fand es spannend, aus Sicht einer Patientin die Wahrnehmungen zu lesen und manchmal überrascht, wie klar der Autorin die Zusammenhänge im Rückblick waren, wieviel sie aus dieser Zeit mitnimmt, wie wenig verschwommen geblieben ist.
Manche Erkenntnisse haben mich begeistert, wie z.B. die Information, dass die Autorin sehr dankbar für die Kinderbücher war, aus denen ihre Mutter ihr vorgelesen hat - weil das Chaos im Kopf so groß war, dass sie "anspruchsvollere", altersgemäße Literatur nicht hätte fassen können.
Oder erschütternd auch das Wissen, das Patienten mit psychischen Störungen häufig in Notfall-Praxen landen, z.B. mit starken Bauchbeschwerden, weil sie Salmonellen haben, dort aber mit Verdacht auf einen neuen psychotischen Schub in die Psychiatrie geschickt werden, damit die Medikamente neu eingestellt werden. Denn eine "normale" Krankheit können sie ja nicht haben, "die bilden sich das nur ein..."
Ich kann nun das Misstrauen von diesen Patienten gut verstehen, welches sie der Außenwelt häufig entgegenbringen. Denn, mal ehrlich, was wissen wir schon von diesen Gedankengängen. Auch wenn man darüber lesen kann, diese Krankheiten studieren kann und mit solchen Patienten arbeiten kann, so wird man doch nie das ganze Ausmaß verstehen, was eine solche Krankheit bedeutet. Was es bedeutet so in seiner eigenen Welt gefangen zu sein, dass die Außenwelt häufig nur noch eine Bedrohung darstellt.
Ich arbeite nicht mit Patienten die an Schizophrenie leiden, daher kann ich auch selber nur auf Lehrbuchwissen zurückgreifen. Aber mir hat dieses Buch klargemacht, dass eine viel stärkere Sensibilisierung nötig wäre um solchen Patienten gerecht zu werden und ihnen Halt und Sicherheit zu geben. Wer weiss, wie meine Berufslaufbahn nun weitergeht - ich bin aber sicher, dass ich die Erkenntnisse aus diesem Buch in jede neue Stelle mitnehmen werde...

5 comments:

  1. Das klingt wirklich nach einem interessanten Buch über das Thema. Wie du schreibst, man kann sich ja nie ganz in die Gedankenwelt eines psychisch Erkrankten hineindenken, umso wichtiger ist es (nicht nur für Leute, die professionell mit dem Thema zu tun haben) mal die "andere" Seite beschrieben zu bekommen.

    (Ui, schon die zweite Rezension geschafft! Sehr schön! :) )

    ReplyDelete
  2. Ich freue mich immer, wenn ich solche Bücher entdecke - das war dieses Mal ein wirklicher Glücksgriff :)
    "Schon die zweite" ist gut ;) - mal sehen ob ich vorm Urlaub noch eine schaffe :D

    ReplyDelete
  3. Schon die zweite! Das ist die einzig wahre Sicht. :)

    ReplyDelete
  4. Diese Art Einblick zu erhalten, finde ich auch regelmäßig spannend. Gerade da die Autorin beide Seiten der Münze, um es salopp zu sagen, kennengelernt hat.

    ReplyDelete
    Replies
    1. Das macht das ganze ja auch irgendwie glaubwürdiger ... Ich denke, es ist schwierig bis unmöglich, sich diese Dinge ohne Fallberichte oder biographische Berichte der Betroffenen überhaupt vorzustellen.

      Delete