3/25/2013

Urlaubswoche = Lesewoche?! - Zur "Bücherdiebin" #2

Gestern abend habe ich noch recht lange in der Bücherdiebin gelesen und kann ein bisschen mehr über das Buch sagen. Zunächst: es gehört definitiv zu den eher, ich sag das jetzt einfach mal so, merkwürdigen, seltsamen Büchern. Damit will ich nicht sagen, dass es mir nicht gefällt, aber es ist wirklich ein ungewöhnlicher Schreibstil.
Ständig werden zusammenfassende Elemente, kurze Erklärungen von Begriffen im Fettdruck und zentriert eingeschoben. Vor jedem neuen Teil werden unter "Es wirken mit" Personen und Dinge angeführt, so z.B. vor Teil 3:
"der Heimweg - eine gebrochene Frau - ein Kämpfer - ein Jongleur - die Eigenschaften des Sommers - eine arische Ladenbesitzerin - ein Schnarcher - zwei Schwindler - und Rache in Form von Bonbons". (Aus: Die Bücherdiebin von Markus Zusack, ebook von Skoobe, S. 95/422)
Diese ungewöhnliche Form der Einführung macht natürlich gespannt auf die Inhalte des Abschnittes und das Buch liest sich wirklich flüssig.
Die Figuren kommen mit im Moment noch etwas hölzern vor, aber vielleicht ist das so gewollt. Der Tod hat eine sehr sympathische Art zu erzählen, sehr warm und freundlich. Und die Wortwahl als solche finde ich sehr schön und poetisch.
Ein Beispiel:
"Wieder verwundete die Frau ihr Gesicht mit einem Lächeln. Sie trat vor, stellte sich neben ihren Mann, nickte ganz leicht, wartete und schloss dann die Tür.
Es dauerte eine gute Minute, ehe Liesel sich zum Gehen wenden konnte.
Sie lächelte die Treppenstufen an." (Aus: Die Bücherdiebin von Markus Zusack, ebook, S. 105/422)
Solche Beispiele findet man ungefähr auf jeder Seite. Ein angenehm ungewohnter Gebrauch der Sprache und für mich damit im Moment sehr lesenswert. Wobei ich nicht glaube, dass ich immerzu so einen Schreibstil lesen wollte.

10 comments:

  1. Ich muss ja zugeben, dass ich so einen Stil oft als zu gewollt empfinde und mich deshalb innerlich dagegen sperre mich darauf einzulassen. Dabei mag ich Sprachexperimente schon, nur ... ach, anders eben. *g*

    Aber schön, dass dich das Buch reizt und du es als interessant empfindest! :)

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  2. Bis jetzt geht es, liebe Winterkatze :)
    Allerdings glaube ich auch nur, dass ich mich aufgrund der aktuellen Urlaubssituation und der Challenge darauf einlassen kann - wenn ich arbeiten müsste, hätte ich das Buch bei Skoobe sicher schon wieder zurückgegeben.
    Aber so amüsiere ich mich ganz gut und die Heldin sowie der Pflegevater sind mir bislang sehr sympathisch :D

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  3. Du bist - wenn ich das richtig einschätze - eh etwas geduldiger in dieser Beziehung als ich. ;)

    Schön zu hören, dass du (zumindest) zwei der Protagonisten sehr sympathisch findest. Ich hoffe, du amüsierst dich weiterhin gut und bin gespannt, wie es für dich mit diesem Buch weitergeht! :)

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  4. Das glaube ich eigentlich nicht, dass ich geduldiger bin - wie gesagt, normalerweise nehme ich mir für solche Experimente einfach nicht die Zeit.
    Aber das ist ja das schöne am Urlaub, dass es im Moment möglich ist :)

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  5. Und ich hoffe, du genießt den Urlaub in vollen Zügen und erholst dich sehr gut! :)

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  6. Die Verwundung des Gesichts durch das Lächeln: Ist es ein gezwungenes Lächeln, das das Gesicht falsch und verwundet aussehen lässt? Ich bin vermutlich zu wortwörtlich unterwegs, aber egal. :)

    Ich bin neugierig, ob dieser sprachliche Stil konsequent im Roman präsentiert wird. Die Kapiteleinführungen finde ich originell!

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    1. Du liegst da schon ganz richtig, Natira, es geht hier um eine Frau, die eigentlich nie lächelt und immer ganz still und stoisch auf Liesel wirkt.
      Der Stil ist schon sehr präsent, und ist entsprechend auch leicht anstrengend. Ich freue mich schon jetzt auf das nächste Buch, das wieder "normal" geschrieben ist. Aber was mit der Bücherdiebin weitergeschieht will ich dennoch wissen :D

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  7. Vielleicht könntest Du parallel in ein anderes Buch hineinlesen oder -hören, so ausgleichshalber?

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    1. Daran habe ich auch schon gedacht, unter anderem deshalb habe ich meine Leseliste auch noch um "Vier minus Drei" erweitert ;)

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    2. Das ist thematisch ja auch keine leichte Kost. Sprachlich ist das Buch bestimmt ein deutlicher Gegenpol.

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