3/29/2013

Urlaubswoche = Lesewoche?! - Zu "vier minus drei" #1

Im Ursprungspost zu Beginn meiner Lesewoche hatte ich schon angedeutet, dass mir eine Patientin diesen Titel ans Herz gelegt hat und das mich ihre Empfehlung und Beschreibung sehr neugierig auf das Buch gemacht haben.
Allerdings war ich sehr unsicher, ob ich dieses Buch ertragen können würde und habe deshalb gezögert, es mir anzuschaffen. Zufällig sah ich, dass es bei Skoobe auch zu leihen war und da stand mein Entschluss fest, es zumindest anzulesen.
Nun bin ich jemand, der mit dem Thema Sterben und Tod ohnehin eher auf Kriegsfuss steht, solchen Themen und Gedanken häufig aus einer eigenen Angst heraus ausweicht. Die Beteuerungen meiner Patientin hingegen, dass es ein "Hoffnung machendes", "mutiges" und "bewegendes" Buch sei, haben mich jedoch dazu gebracht, es anzugehen.
Was soll ich sagen: dieses Buch ist natürlich genau das: es ist furchtbar ergreifend und bewegend, es ist auch traurig, es ist aber auch mutig und Mut machend und schenkt Hoffnung.
Für die, die noch nichts von dem Buch gehört haben: in "vier minus drei" geht es um eine Frau (Barbara Pachl-Eberhart) die ihren Ehemann und die beiden Kinder bei einem Autounfall verliert. Die Autorin ist als Clown zwei Tage in der Woche im Krankenhaus tätig und auch ihr Ehemann war ein Clown. Es geht um die Trauerverarbeitung, die Hilfe und Liebe die sie von ihren Freunden und Mitmenschen erfährt, die Zeit, in denen sie nichts von all dem annehmen kann. Es geht um die Zeit nach der großen Trauer, als sie beginnt, wieder nach vorne zu schauen.
Ich habe beim Lesen gar nicht geweint, wenn ich auch häufig schlucken müssen. Das Buch habe ich heute morgen in einem Rutsch durchgelesen, die ca. 180 Seiten lasen sich wie von allein.
Als ich am Ende angekommen war, klang der Inhalt noch lange in mir nach und da musste ich schon weinen, denn etwas viel Traurigeres als diese Geschichte kann ich mir einfach kaum vorstellen.
Die Autorin hat mich sehr berührt in ihrer Art, die Dinge zu sehen und zu machen. Ihr eigenwilliger Stil hat ihr nicht immer Verständnis eingebracht, war aber ganz authentisch und ganz "sie" - es hat nichts mit den Normen der Gesellschaft zu tun, wie sie trauert.
Vielleicht ist das die Art eines Clowns, zu trauern.

8 comments:

  1. Ich denke, ich werde bei skoobe gelegentlich auch mal hineinlesen.

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  2. Wir können uns danach gerne mal darüber austauschen :)

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    1. Ich habe das Buch schon auf meine Merkliste gesetzt, damit ich es nicht vergesse.

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  3. Das klingt wirklich sehr bewegend!

    Und die letzten Sätze bringen mich - mal wieder - zu meiner Tante. Die hat vor nicht allzu lange Zeit ihren Mann verloren, nachdem die beiden so viele Jahrzehnte zusammen und sehr aufeinander konzentriert waren. Und nun darf sie sich von den Nachbarinnen anhören, dass sie gar nicht richtig trauern würde, weil sie nicht öffentlich weint und ständig bei seinem Grab sitzt. Oh, und sie war so unverschämt und hat in den Wochen nach seinem Tod seine Sachen verschenkt und verkauft! Absolut unmöglich!

    Dass meine Tante in jedem Telefonat von ihm spricht, dass jede Ecke in der Wohnung an ihn erinnert, dass sie sich an die gemeinsamen Reisen erinnert, dass sie ihn jede Stunde des Tages vermisst und trotzdem weitermacht, weil das Leben eben immer noch schön ist und der Tod nach einer schweren Krankheit manchmal eine Erlösung ist, das alles spielt anscheinend keine Rolle ...

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    1. Ich denke Trauer ist - und sollte auch so sein - eine ganz individuelle Sache - es ist schade, dass es diesbezüglich so viele Normen und Erwartungen der Gesellschaft gibt. Die Autorin beschreibt in dem Buch, dass der Bestattungsunternehmer sehr verständnisvoll und offen für die außergewöhnliche Trauerfeier, das "Seelenfest" für Thimo, Fini und Heli, war und das auch viele ihrer Freunde und Mitmenschen ganz auf ihrer Seite waren. Dass es aber auch weniger verständnisvolle Stimmen gab, wird an der ein oder anderen Stelle angedeutet.
      In meiner Arbeit bin ich ja auch häufig mit solchen Themen konfrontiert und ich glaube, so wie Deine Tante trauern gar nicht so wenig Menschen (die dann auch häufig von der Umwelt "schief angeschaut" werden).
      Die Tatsache, dass ein Trauernder wieder sehen kann, dass das Leben doch noch schön ist, das zeigt ja genau, dass so jemand "gute Trauerarbeit" geleistet hat.
      Die Normen der Gesellschaft sollten uns bei der Trauer im besten Fall einfach egal sein - der Trauerprozess an sich ist schwierig und anstrengend genug. Meinen Patienten sage ich häufig, dass die Menschen, die das nicht verstehen und herumkritteln, häufig selber sehr große Angst vor dem Tod haben und sich deshalb an Regeln und Normen festkrallen...
      Aber das ist ein sehr schwieriges Thema...

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    2. Ja, das ist es ganz eindeutig!

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  4. Ich habe das Buch gelesen und musste es einfach dazwischen immer weglegen, denn es ging mir wirklich sehr, sehr nahe! Es gibt nichts Schlimmeres als seine Kinder zu verlieren....bzw, wie hier gleich die ganze Famnlie! Ich bewunderte die Autorin für ihre unkonventionelle Art und wie du schon sagst ist Trauer wirklich individuell!
    Liebe Grüße
    Martina

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  5. Hallo Martina, vielen Dank für Deinen Kommentar.
    Ja, das Buch hinterlässt Spuren und nimmt einen mit. Ich denke auch immer noch oft an "vier minus drei"...
    Liebe Grüße!

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