8/21/2010

Visiting Frida

Dieses Mal geht es nicht um mein Schweinchen sondern ihre Namensgeberin.
Zusammen mit Natira war ich am 07.08. in Berlin auf der Frida Kahlo Retrospektive. Auf Natiras Seite finden sich deutlich detailliertere Auskünfte - zur Ausstellung, zum dazugehörigen Katalog etc. Also bitte einfach mal hier klicken und bei Natira ein wenig stöbern :)

Der Weg:
Nach einer schon ein wenig abenteuerlichen Fahrt, die im Morgengrauen damit begann, dass sich meine Frida ihre Kopfwunde aufgekratzt hatte :( kamen wir so gegen 10 Uhr in Berlin an. Dort erwartete uns ersteinmal die Aufgabe, wie wir nun am besten vom Hauptbahnhof zum Gropiusbau kommen sollten. Kurzerhand wurde der Stadtplan gezückt und dort ein direkter Weg gefunden, den wir dann nach kurzen Irritationen auch schnell im echten Berlin fanden. Vorbei am Reichstag (Schlange bewundern) kamen wir über den Potsdamer Platz zum Gropiusbau. Dort durften wir eine noch längere Schlange bewundern - die Schlange für die Frida Kahlo-Ausstellung.

Das Warten:
Doch Natira hatte sich zum Glück informiert: für Inhaber von DB-Tickets, die wir Natira-sei-Dank, hatten, gab es für uns einen Extra-Eingang. Extra-Sachen sind ja meistens gut und so gingen wir an dieser unglaublich langen Schlange vorbei... Die Leute, so erfuhren wir später, standen teilweise schon seit 7:30 in der Früh an ... Den Extra-Eingang gab es zum Glück tatsächlich - zwar war die ganze Informationspolitik der Ausstellung mehr als bescheiden (keine Hinweise darauf, wer sich wo anstellen muss, Unklarheit auch bei den Ordnern, Ordner, die leider ausserstande waren, qualifizierte Informationen zu geben etc. Aber wir waren guter Dinge: die Extra-Eingangs-Schlange war sehr übersichtlich (man stand aber dennoch eine Stunde an - danach hatte sie nicht ausgesehen) und wir waren sehr glücklich, dass wir diese Tickets hatten, denn sonst hätten wir die Berlin-Reise umsonst unternommen...
Irgendwann war es soweit: nachdem etliche Leute aus ungeklärten Gründen schon eintreten durften und wir mehrere Durchgänge aussetzen mussten, durften auch wir endlich rein. Dann der Schock: es gab eine zweite Schlange. Eine neue, bessere Schlange für alle, die noch nicht aufgegeben hatten. Es wurde Leitungswasser gereicht, damit auch niemand kollabierte und die Schlange durfte lustige, darmverschlingungsähnliche Muster bilden, damit es nicht so langweilig wurde. Ich merkte schon bald meinen Rücken und meine Laune sank beträchtlich. Ich hoffe, ich habe meine schlechte Laune nicht zu sehr zur Schau gestellt, liebe Natira.
Zum Glück war die Gesellschaft sehr angenehm. Ich hatte meine Natira bei mir, mit der ich eh ohne Ende reden kann und dann waren die vor uns Stehenden und auch die nachfolgende Journalistin nette Mitleidende, mit denen man sich gut unterhalten konnte. Schleppend ging es vorwärts und wir näherten uns dem "Wachhabenden". Der war mir so unsympatisch. Bewusst extrem gekürzte Haare (um es freundlich zu sagen), keinen Hals und einen extrem kühlen Blick. Unsympat hoch 10.
Leider wurde mir die zweifelhafte Eigenschaft, dass man mir oft ansieht, dass ich Leute nicht so gerne mag, zum Verhängnis: als wir kurz vor dem Durchbruch standen, guckt er mich an, sagt, "Sie, der Rucksack ist zu gross - Bitte abgeben". Ich versuchte ihn noch zu überzeugen, führte ihm vor, dass er in den vorgegeben Kasten passte ("Nein, zu gequetscht") und musste mich fügen. Natiras (ähnlich grosse Tasche) wäre aber ok gewesen... Solidarisch wie sie ist, bat sie mich, ihre auch abzugeben und im Endeffekt war das gut, so mussten wir die Taschen nicht mehr schleppen ;). Ironie: als ich gerade wieder nach oben kam, kam eine Frau mit einer riesigen, roten Schultertasche, die fast doppelt so gross wie mein Rucksack war (ernsthaft) und da meinte der Vollpfosten doch echt, die würde gehen...
Aber gut, irgendwann durften wir weiter, warteten noch ein Stündchen vor uns hin (zwischendurch auf den Treppenstufen sitzen - das war toll) und dann ging es los in die Ausstellung.


Die Ausstellung:
Die Ausstellung selbst war dann ein Traum und das Warten auf jeden Fall wert. Ich habe mich mit den Werken Frida Kahlos ja schon lange beschäftigt und kenne sie recht gut. Aber sie im Original zu sehen, sehen, wie fein die Pinselführung teilweise war... Das war ein einmaliges Erlebnis für mich. All diese Selbstporträts zu sehen. Die Photos aus ihrem Leben, die ich noch gar nicht kannte. Das Gipskorsett zu sehen - ich hatte mich schon immer gefragt, ob wohl eins ihrer bemalten Korsetts überlebt hat... Es war, als wäre ich ein bisschen näher dran, an Frida.
So schlecht die Informationspolitik auch war, die Ausstellung selbst war sehr gut gemacht. Die Räume waren klar gegliedert, es waren nie zu viele Besucher auf einmal in der Ausstellung und man konnte in Ruhe die Bilder anschauen, sich (zum Glück) auch mal setzen und fand hilfreiche Erläuterungen / Deutungen zu den Werken.
Diese Deutungen fand ich spannend, hätte nur gerne gewusst, woher sie kommen, wie sie sich erklären. Da bleibt mir also immer noch etwas Recherchier-Arbeit, das finde ich eigentlich sehr schön :)

Mein Fazit:
Frida beeindruckt mich schon seit Jahren. Meine Katze hat ihren Namen Frida Kahlo zu verdanken und mein Bücherschrank quillt über von Büchern über oder von ihr. Ich habe ihre Kunst lieben gelernt und habe sie stets bewundert für alles, was sie ausgehalten hat und sie war mir oft ein Halt, eine Motivation, wenn ich selber nicht mehr weiter konnte. Das mag pathetisch klingen, war aber tatsächlich schon des Öfteren so.
Ein Freund von mir, der sein Geld mit Kunst verdient, Kunst studiert hat und dessen Meinung ich schätze, sagte einmal zu mir: "Frida Kahlo war eine gute Künstlerin, aber sie ist nie über sich hinausgewachsen".
Bis heute bin ich mir nicht sicher, wie er das gemeint hat. Ist sie nicht "gut" genug geworden? Hätte sie nicht immer nur sich selbst malen sollen?
Ich teile seine Meinung dieses Mal nicht. Frida Kahlo hat meiner Meinung nach, ihren ganz eigenen Weg gefunden, zu malen. Durch ihre Krankheit war sie oft ans Bett gefesselt und hatte so nur wenig Motive zur Auswahl. Sie selbst sagt: "Da meine Themen stets um meine Empfindungen, meinen Seelenzustand und die tiefsten Reaktionen kreisen, die das Leben in mir hervorrief, habe ich all dies oft in Selbstbildnissen umgesetzt. Sie waren der ehrlichste und wahrhaftigste Ausdruck dessen, was ich in mir und vor mir selbst empfand." (Frida Kahlo, Brief an Carlos Chávez, Oktober 1939)
Für mich zeigt dieser Satz, dass sie ganz bewusst so gemalt hat, wie sie gemalt hat und nun, da ich einen Grossteil ihrer Bilder in der Retrospektive gesehen habe, schätze ich ihre Kunst noch mehr. Nun muss ich nur noch verstehen, wie ich ihre Bilder interpretieren kann, aber dahin komme ich auch noch :)

Dieses ganze Frida-Abenteuer war eine Odyssee, sicher. Es war anstrengend und hätten wir es vorher gewusst - vielleicht wären wir nicht gefahren, hätten die Bequemlichkeit siegen lassen. Aber so, ohne dieses Vorwissen, haben wir eine der wenigen Chancen genutzt, die Werke von Frida Kahlo im Original zu sehen.
Das war das lange Stehen schon wert, auch wenn ich am Ende einfach nur fertig mit der Welt war ;)
Ich möchte Natira danken, die zum einen alles so toll organisiert hat für uns, so dass wir nicht 8 Stunden sondern nur 3 Stunden warten mussten. Ausserdem danke ich Dir dafür, dass ich das mit Dir erleben durfte, denn dieses Erlebnis wird uns auch niemand mehr nehmen können :)

Und nun noch ein paar Impressionen von unserem Abenteuer:
 
Der Abend davor beim Mexikaner, auf dem Weg zum Gropius-Bau, in der Ausstellung

12 comments:

  1. Liebe Sayuri!

    "... es gab eine zweite Schlange. Eine neue, bessere Schlange für alle, die noch nicht aufgegeben hatte. Es wurde Leitungswasser gereicht, damit auch niemand kollabierte und die Schlange durfte lustige, darmverschlingungsähnliche Muster"
    ;) Heute kann ich ja schon wieder darüber schmunzeln, aber die Warterei war wirklich nervtötend und eine Quälerei, auch wenn es nur drei Stunden waren.

    Das Verhältnis Aufwand/Austellung scheint mir heute schon erheblich ausgeglichener als vor knapp 14 Tagen :) weil wir eine interessante, anregende und schöne Zeit verbracht haben, vor, während und nach der Frida-Kahlo-Retrospektive. Du hast Recht: DAS kann uns niemand nehmen! Ich danke Dir dafür!

    Liebe Grüße und noch ein wunderschönes Restwochenende!

    Natira

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  2. Liebe Sayuri,

    ich freue mich, dass heil wieder zurückgekommen seid und eine schöne Zeit hattet! Deine amüsante Schilderung der Warterei lässt sie nur halb so furchtbar erscheinen, wie sie vermutlich war ;-) Insgesamt lässt dein Bericht wirklich erahnen, was es für ein besonderes Erlebnis war!
    Wie sieht es aus mit einem persönlichen Ausstellungs-/Reise-Bericht in dieser Woche? Ich würde mich sehr freuen, wenn wir uns Donnerstag oder Freitag sehen würden (an den anderen Tagen natürlich auch, ich wollte nur ausdrücken, dass ich dann Zeit habe :-).

    Lg BecK

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  3. @Natira:
    Ja, wie so oft im Leben verdrängen die guten Erinnerungen die schlechten :)
    Mittlerweile bin ich so dankbar, diese Ausstellung gesehen zu haben, Du ahnst es nicht. Und ein unvergessliches Erlebnis mit allen Rahmenbedingungen war sie ohnehin, unsere Adventure-Tour!

    @BecK:
    Ja, irgendwie war es teilweise schon sehr ironisch und absurd, diese ganze Warterei - was hätte ich erst für einen Post geschrieben, wenn wir uns die vollen acht Stunden angetan hätten?
    Ich bin diese Woche auch noch komplett frei - wollen wir uns für Donnerstag abend verabreden?
    Wir können ja auch dazu noch telefonieren oder mailen. Du kannst Dir ja schon mal überlegen, ob Du bekocht werden möchtest oder ausgehen willst - mir ist beides recht :)

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  4. ja! und ich auch :)

    Ich würde mir gelegentlich gerne mal das Buch von Dir ausleihen ...

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  5. Wie ich schon bei Natira schrieb: Ich glaube, ich wäre bei der Warterei (trotz der verkürzten Schlange) keine aufmerksame Ausstellungsbesucherin mehr gewesen. Aber ich finde es großartig, dass ihr so viel für euch von diesem Ereignis mitnehmen konntet und dass ihr im Nachhinein das lange Anstehen als kleinen Aufwand für das damit verbundende Erlebnis ansehen könnt. :)

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  6. @Natira:
    Klar, ich leg es Dir raus - zu der beendeten Voyager-Staffel... Die letzte Folge fand ich anfangs gut, am Ende aber dann viel zu schnell vorbei: nach 7 Jahren hätte ich das Wiedersehen doch lieber mehr genossen ... und so richtig haben wir die letzte Sequenz im Transwarp-Tunnel auch nicht verstanden... Ich muss das mal nachschlagen - oder weisst Du, wie sie es geschafft haben, in die Borg-Sphäre einzudringen?

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  7. @Winterkatze:
    Ich kann mir das irgendwie gar nicht vorstellen... denn wir waren ja extra für diese Ausstellung losgefahren. Ich glaub, ich wäre viel schlechterer Laune gewesen, wenn wir unverrichteter Dinge und knapp 100 Euro ärmer wieder heimgefahren wären. Aber es stimmt schon - es war eine grenzwertige Erfahrung - zumal ich jetzt schon von mehreren Seiten gehört habe, dass solche Mega-Wartereien jetzt "in" sind... Ganz ehrlich, ich kann mir kaum noch einen weiteren Künstler vorstellen, für den ich das auf mich genommen hätte...
    Vllt. würde ich mir das noch für "The Gates" von Christo gefallen lassen, aber da die ja niemals wiederkommen werden, suche ich mir einfach ein schönes Bild davon zum Aufhängen :)

    Schlussendlich hat wohl wirklich die Zeit die Erinnerung jetzt schon weicher gezeichnet - vor Ort war ich zeitweise wirklich ziemlich mieser Laune ;)

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  8. "...war ich zeitweise wirklich ziemlich mieser Laune ;)"
    ? Mit welcher Sayuri war ich denn dann in Berlin ;) ?

    Wir waren beide nach 1,5 Stunden Warterei genervt, das ist ja auch allzuverständlich nach der Anreise und der Info-Politik. Aber sobald wir den Herrn mit viel Gesicht zu waschen passiert hatten, verringerte sich der Nervfaktor doch spürbar und machte neuerlicher Vorfreude und Aufregung Platz ...:)

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  9. Ich kann Warteschlangen wirklich nicht leiden. ;) Ich war in meinem Leben schon viermal in Florenz und habe es nie in die Uffizen geschafft, weil die Warteschlangen auch immer endlos sind - auch wenn ich mir sicher bin, dass sie kürzer sind als bei eurer Ausstellung. ;)

    Manchmal ärgere ich mich darüber, dann aber denke ich mir, dass ich mit einem wirklich guten Bildband zufriedener bin, da ich dann die Bilder in Ruhe und mit der richtigen Stimmung betrachten kann, während ich parallel dazu noch Hintergrundinformationen aufnehme. Natürlich kann kein Bildband einen Blick auf das Original ersetzen, aber ... ;)

    Immerhin war es für euch ein lohnenswerter Ausflug! Und das ist toll! :D

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  10. Ich wußte, ich hatte etwas übersehen
    Das eine war: Mit dem Handy hast Du das Licht in der Austellung doch schön einfangen können! Ich finde, daß das ein stimmiges Bild ist!
    Das andere war Dein letzter Kommentar zu Voyager:
    Ich gestehe, daß ich aus dem Stand nichts zum Eindringen in die Borgsphäre sagen kann. Da heißt es für mich ganz offensichtlich auch mal wieder Voyager schauen! Nun, DS9 ist garde in der 5.Season :D
    Lg Natira

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  11. @Natira:
    Ja, ich fand das Ausstellungsbild auch ganz gut - es ist natürlich wahnsinnig unscharf, spiegelt aber dennoch, wie Du schon sagst, die Stimmung gut wieder :)

    Also, ich habe mal ein bisschen gegoogelt - so richtig eine Erklärung hab ich nicht gefunden. Auch wurde ja am Ende nicht gesagt, was jetzt eigentlich mit dem Transwarp-Zentrum passiert ist - wie stark es beschädigt wurde... Aber wir reden einfach nochmal drüber, wenn Du mit Voyager durch bist *kicher*

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