7/29/2010

Letzte Male

Als ich klein war und auch noch, als ich eine Jugendliche war, habe ich mich immer sehr schwer mit Abschieden getan. Dabei war es ganz egal, ob es Abschiede von zu Hause, von Urlaubsorten oder auch von Dingen wie Kleidung, Büchern oder Spielsachen war. Und natürlich auch von Menschen – das war immer schon schlimm.

Am lebhaftesten habe ich diese Erinnerung aber noch im Bezug auf Urlaube und, merkwürdigerweise, Jahre in Erinnerung. Ich weiß noch gut, dass ich am Sylvester-Tag bei unendlich vielen Dingen gedacht habe: das ist das letzte Mal, dass Du das im Jahr 1986 siehst. Auch an letzten Urlaubstagen: „das ist das letzte Mal, dass Du an diesem Strand sein darfst“. Manchmal ging es gar so weit, dass ich meine Sonnenbrille nicht trug, weil ich dachte, ich hätte nie wieder die Chance, diese Landschaft im „normalen“ Licht zu sehen.

Es zeigt sich also, dass ich immer schon Schwierigkeiten hatte, mich zu verabschieden.

Dieses Mal ist es kein richtiger Abschied, denn ich komme ja wieder. Nur zwei Monate, und schon bin ich wieder hier. Nichtsdestotrotz merke ich ein leichtes Ziehen in meinem Herzen, denn trotz all meines Heimwehs war ich hier jetzt vier Monate lang ein wenig zu Hause, meine Freundin C. hat alles erdenklich mögliche getan, um mich hier zu integrieren und dafür bin ich ihr unendlich dankbar.

Merkwürdigerweise entwickelt sich auch gerade jetzt, kurz vorm Ende meiner Ländle-Zeit, eine nähere Bekanntschaft mit einer Arbeitskollegin, und so kommen auch schon erste richtige Gründe zu Tage, warum ich mich schon ein wenig auf Oktober freue.

Auf der anderen Seite: ich freue mich so unendlich auf zu Hause! Ich habe mir fest vorgenommen, die ersten Stunden morgen Vormittag, wenn ich wieder zurück bin, mit den Schweinchen zu verbringen, mich zu ihnen zu setzen, nichts auszupacken sondern nur für sie da zu sein. Ich freue mich schon auf meinen Freund, der am Freitag mit mir in einen unserer „Stammläden“ gehen will zum Pizza-Essen und ich freue mich darauf, in meinem Bett zu schlafen und zu wissen, ich muss am Sonntag nicht schon wieder zurück. Ich freue mich auf den Wald vor meiner Tür und darauf, laufen zu gehen. Ich freue mich, meine Eltern am Montag und Dienstag zu sehen und darauf, unseren Urlaub in Italien vorzubereiten. Ich freue mich darauf, meine Sachen auszupacken, meine Bücher wieder zusammenzuführen und einfach wieder „da“ zu sein.

Fazit: Dieses Mal sind die „letzten Male“ nicht so schlimm. Weil sie keine richtigen letzten Male sind. Und weil ich so viel Gutes zu Hause zu erwarten habe und ich es kaum erwarten kann, heute Nacht gegen vier Uhr in mein Auto zu steigen, meine selbstgebastelte CD „Taking A Long Way Home“ einzulegen (die übrigens mit dem Soundtrack von „vincent will meer“ beginnt ;) ) und das Ländle für eine Zeit zu verlassen…

6 comments:

  1. Ohhh ... heute Nacht gegen vier ... Ich wünsche dir eine gute Fahrt! Um die Uhrzeit dürften die Autobahnen ja wirklich noch frei sein! :)

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  2. Das ist ein wunderbarer Post, liebe Sayuri (viele Gefühle, die Du beschreibst, sind mir auch vertraut).

    Ich freue mich für Dich (und für mich), daß Du bald wieder "hier" bist, aber ich freue mich auch für Dich, daß Du in zwei Monaten nicht mehr "in die Fremde" fährst!

    Wie schon in der Email gesagt, drücke ich Dir für die Fahrt alle Daumen, damit Du in keinen Nachtstau kommst oder Dich andere Autofahrer ärgern. Gute Fahrt!

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  3. Ich mag den Post auch sehr. Abschied nehmen ist schwer, auch wenn es nicht für lang ist. Auf das Willkommen heißen dagegen freue ich mich, ich hoffe, es klappt nächste Woche!
    Fahr vorsichtig und komm' heil an!

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  4. @Winterkatze:
    Danke :) Es hat alles prima geklappt und ich bin froh, wieder daheim zu sein.

    @Natira:
    vielen Dank! Schön, dass Dir der Post so gut gefällt.
    Ich bin auch so froh, wieder hier zu sein!

    @BecK:
    :D Oh, Danke auch an Dich! Ich freu mich auch aufs Willkommen. Dazu mail ich Dir jetzt gleich nochmal.

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  5. Du hast wundervoll geschrieben!

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  6. ich kann dich ja sooo gut verstehen mit den abschieden, mir geht es genauso. was ich tränen vergossen habe, was ich manchmal nichts essen konnte vor abschiedsschmerz! fürchterlich.
    aber wenn man eine realistische chance hat bald wiederzukommen dann ist es einfacher. schön, dass es so für dich ist!

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