7/08/2010

Kai Meyer - Das Wolkenvolk

So, nun bin auch ich seit gestern nacht endlich fertig mit der Trilogie, die ich in oben abgebildeter Ausgabe gelesen habe.
Ich muss sagen, dass ich die Trilogie für ein Kai Meyer-Buch schon etwas enttäuschend fand. Ich mag die Merle-Bücher, ich fand die Wellenläufer-Reihe hervorragend aber dieses Werk ist irgendwie einfach viel zu viel. Man hat das Gefühl, Kai Meyer wollte unbedingt wieder eine Trilogie schaffen und darum hat er teilweise, tut mir leid das so zu formulieren, Dinge umständlich formuliert, die man auch hätte kürzer fassen können. Erst dachte ich, dass er keine Entscheidungen treffen wollte, aber das war es nicht. Er beschreibt, er malt, er fabuliert, er schmückt aus. Kämpfe, die Wolkeninsel, die Ätherpumpen (herrje, die Zeit in der Ätherpumpe hat mich fast vertrieben) und immer und immer wieder Kämpfe. Die Kämpfe sind im letzten Teil auf ihrer Höhe (klar, Erfolgsrezept ;) ) und haben zum Schluss nur noch genervt.

Aber es gibt auch Gutes zu berichten: Ich mochte die Drachen sehr, besonders die Einzelfiguren, die man dort kennengelernt hat. Ich liebe Nugua und Wisperwind, fand aber Mondkind und Niccolo total unsympatisch. Alessia war mein Mittelcharakter - bei ihr war ich mir bis zum Schluss nicht sicher, ob ich sie mag oder nicht. Und Feiquing, ja, der ist ja was ganz Besonderes. Schwankte auch ständig zwischen lieben und hassen (also ich ihn), aber im Grunde stehe ich ihm eher positiv gegenüber.
Die Geschichte ist gut, nur zu lang gezogen, dass ist schade. Man ist auch nicht so fasziniert, dass man andauernd weiterlesen will - ich konnte das Buch auch gerne mal ein paar Tage liegen lassen. Ich glaub, der 2. Teil hat mir persönlich am Besten gefallen - in der Erinnerung habe ich ihn nämlich am schnellsten und interessiertesten bei unserer Themeparty gelesen.
Und wenn das Ende nicht gewesen wäre von Teil 3 - ich hätte in diesem Post über die Trilogie vermutlich nur geschimpft. Aber das Ende (ich spreche jetzt im Grunde genommen von den letzten paar Zeilen) - das fand ich grandios geschrieben. Genauso liebe ich ein Ende eines so umfangreichen Romans und genau dieses Ende hat mir eine Gänsehaut über die Arme und den Rücken gejagt und ich bin mit Tränen in den Augen (es war mal wieder spät) eingeschlafen. Wirklich toll - ein vergleichbares Ende (und solche Enden habe ich bisher eher selten gelesen) hat meiner Meinung nach "Villette" von Charlotte Bronte und auch wenn man diese Bücher sicher nicht vergleichen kann muss ich sagen, dass Kai Meyer mich in dieser Sekunde, im letzten Satz, wirklich begeistert hat. Oh, es gab doch noch ein ähnliches Ende: bei "Die Eleganz des Igels" erging es mir ähnlich: das Buch war grösstenteils eine Qual, aber das Ende war wundervoll. Allerdings sind diese drei Enden komplett unterschiedlich.

Ja, nun, es ist vollbracht, hoffen wir mal, dass für Kai Meyer-Fans auch wieder bessere Zeiten kommen. Jetzt mache ich mich erstmal auf meine Weltreise, fange aber in Ruhe und gemächlich in Deutschland an mit Jacques Berndorfs "Ein guter Mann"

4 comments:

  1. Manchmal habe ich das Gefühl, es täte Kai Meyer ganz gut, wenn er seine fertigen Manuskripte für ein paar Monate in eine Schublade legen und dann noch einmal überarbeiten würde. Aber das kann man sich wohl nicht leisten, wenn man so viele Titel pro Jahr herausbringen will ...

    Von Jacques Berndorf kenn ich nur einige der Eifel-Krimis, aber ich mag seine Erzählweise. Hoffentlich hast du viel Spaß mit dem Buch! :)

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  2. Die letzten Sätze waren schön, ich weiß was Du meinst ...
    Ich habe den dritten Band auch so empfunden, wie Du, nämlich lang mit viel Füllmaterial. Wir sehen das ziemlich ähnlich :)

    Viel Freude in Deutschland!

    Lg Natira

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  3. @Winterkatze:
    Das wäre für ihn wirklich eine gute Idee, vllt. sollte man es ihm mal freundlich vorschlagen? Einfach mehr Qualität bei weniger Quantität - ich denke auch, es ist keine Schande, mal _keine_ Trilogie zu schreiben... ;)
    Oh ja, der Berndorf gefällt mir ausnehmend gut. Heute blieb für ihn sogar der "Fernseher" (der ja mein PC ist) aus und ich habe nur gelesen :) Der Deutschland-Abschnitt meiner Weltreise neigt sich schon dem Ende zu :)

    @Natira:
    Ja, sie waren ein Traum, diese Sätze. So was muss man erst mal können und machen, sich trauen :)
    Puh ja, dieser dritte Band war für mich echt eine Strafe...
    Wie schon oben gesagt: Jacques Berndorf fing etwas lahm an, aber ist gerade richtig spannend - ein tolles Buch! Und ganz bald ziehe ich schon weiter Richtung Hartfordshire und London...

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  4. Sayuri, ich fürchte, solange sich seine Bücher so gut verkaufen und so begeisterte Anhänger finden, wird er an seiner Arbeit als Autor nichts ändern ...

    Schön, dass dir der Berndorf so gut gefällt! :D

    Meine "Spanienreise" habe ich auch vorgestern beendet, jetzt muss ich nur noch was dazu schreiben. ;)

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