5/29/2010

Schreibprojekt: Donna schreibt - Mai 2010

Ich bin spät dran - habe ich gerade gemerkt. Irgendwie habe ich mir den Sonntag als Abgabetermin gemerkt - Sorry, Donna! Ich hoffe, meine Geschichte wird trotzdem noch aufgenommen und verlinkt :)
Allen Lesern: viel Spass mit dieser Kurzgeschichte, es sind so etwa sechs normale Word-Seiten, ich freue mich über jeden, der Lust hat, sie zu lesen, sich darauf einzulassen. Über Kommentare freue ich mich natürlich.
Dieses Projekt von Donna läuft so, dass man eine Monatsvorgabe bekommt und diesen Monat lautete sie "Perfekt! Alles lief wie am Schnürchen."

Und das hab ich draus gemacht:

Perfekt! Alles lief wie am Schnürchen...

Das Buffet war rechtzeitig gekommen und aufgebaut, die Sekretärinnen hatten sich um den Sitzungssaal, den Kaffee und alles Weitere gekümmert. Alle sahen adrett und ordentlich aus und Gregor war sich sicher, dass die heutige Vollversammlung ein großer Erfolg werden würde. Wieso auch nicht? Die Ergebnisse des Unternehmens sprachen für sich und die Entscheidung, die Chinesen mit ins Boot zu holen hatte sich in diesem Geschäftsjahr als eine gute Entscheidung erwiesen – der Umsatz war durch die geringen Produktionskosten deutlich gestiegen.

Auf der Suche nach seiner Sekretärin, Frau Krause, kam er an ein paar noch nicht ordentlich arrangierten Blumengestecken vorbei, was er dann gleich an seine Assistentin weiterleiten konnte.
Frau Krause war die Perle des Unternehmens. Eine hübsche, attraktive Frau, die sich sowohl um sämtliche Geschäftstermine als auch um seine privaten Termine kümmerte. Sie war es, die ihn an private Geburtstage und Treffen erinnert, die die Geschenke und zahlreichen Wochenendvergnügungen für seine Frau Lydia organisierte. Auch dieses Wochenende hatte sie für Lydia ein Wochenende in einem Wellness-Hotel organisiert, damit sie auf der Vollversammlung nicht ... auffallen konnte. Mit seiner Frau war in der letzten Zeit etwas ... geschehen.
Früher war Lydia eine brave, folgsame, zuverlässige und angemessen ehrerbietige Ehefrau gewesen. Sie war stets abends zu Hause gewesen, hatte ihn freundlich gefragt, wie sein Tag war und war zu den Abendveranstaltungen klaglos mitgekommen. Doch seit letztem Frühjahr musste Frau Krause bei allen offiziellen Anlässen etwas für Lydia arrangieren, so dass sich die Vorkommnisse vom Frühjahrsfest nicht nochmals wiederholten.
Gregor dachte zurück.
Als er seine Frau kennengelernt hatte, als sie beide noch studierten, er Jura, sie Anglistik und Germanistik und im Nebenfach Soziologie, war es ein leichtes gewesen, sie mit seinem charmanten Wesen, der guten Herkunft und seinem guten Aussehen für sich zu gewinnen. Lydia hatte selber sehr reiche Eltern und so hatten ihre Eltern auch keinerlei Einwände gegen ihre Beziehung gehabt. Gregor, drei Jahre älter als Lydia, war entsprechend auch eher mit dem Studium fertig, dann kam das Angebot aus der großen Kanzlei in Frankfurt und es war ein Urlaub in der Dominikanischen Republik, der dabei half Lydia von ihrem Studium abzubringen und sie zu überzeugen, jetzt sei der richtige Moment, eine Familie zu gründen.
Mit der Familie hatte es nicht sein sollen – Lydia hatte mehrere Fehlgeburten und war nach der vierten weder physisch noch psychisch in der Lage, noch einmal zu versuchen, schwanger zu werden.
Eine Adoption lehnte Gregor aus Prinzip ab und so wurde aus seiner Frau eine typische, reiche Unternehmer-Gattin, die sich morgens mit Freundinnen in der Altstadt oder im Golfclub zum Frühstück traf oder anderweitig die Tage herumbrachte.
Sie war mustergültig: sie sah blendend aus, achtete auf sich, hatte Stil und war ihm im richtigen Maße ergeben.
Umso verwirrender war die Entwicklung im letzten Frühling ja auch gewesen.
Das alljährliche Frühlingsfest mit Kunden und Mitarbeitern begann und von seiner Frau: keine Spur. Sie erschien zwar sehr gepflegt, jedoch unglücklicherweise zwei Stunden zu spät auf der Feier. Gregor hatte sich schon ernsthaft gesorgt, schon mehrmals versucht, auf ihrem Handy anzurufen, als sie schließlich in aller Ruhe das Festzelt betrat. Wundervoll hatte sie ausgesehen: das lockige, blonde Haar glänzte und umspielt ihr feines Gesicht, während ihre Augen freundlich, strahlend durch die Menge blickten. Als sich ihre Blicke trafen zog sie kurz die Augenbrauen hoch, um den Blick dann schnell abzuwenden und sich einen Platz in der letzten Reihe zu suchen.
Gregor war, gelinde gesagt, geschockt.
Dieser Blick, den sie ihm zugeworfen hatte. Er hatte etwas Neues, Fremdes, Beängstigendes an sich. Er hatte seine Frau noch nie so gesehen.
Während des restlichen Abends wurde Gregor immer klarer, dass etwas im Gange war. Als er seine Frau zur Rede stellen wollte, weshalb sie erst so spät eingetroffen war, lächelt sie ihn nur an und sagte, sie habe die Zeit vergessen, als sie im Club trainiert habe.
Später dann, als er am Büffet hinter ihr stand, bekam er mit, wie sie und die Frau seines Chefprokuristen sich über ihre Workaholic-Gatten lustig machten. Er hörte, wie Lydia laut auflachte, als Frau Schneider meinte, sie wäre ganz froh, dass ihr Mann stets so lange arbeite, sie wisse gar nicht, wie sie die Abende sonst verbringen müsse und wolle sich das auch gar nicht vorstellen. Gregor war wie vom Donner gerührt. Wieso lachte sie darüber? Wieso wandte sie sich nicht betreten ab und sagte, dass sie sich schon jetzt sehr auf den gemeinsamen Bodenseeurlaub im Sommer freue, um endlich mal wieder ihn, Gregor, nur für sich zu haben.
Das Dinner wurde zur endgültigen Katastrophe. Lydia war nicht mehr die zahme Ehefrau, die er kannte. Nein, sie blamierte sich und vor allem ihn, indem sie über Dinge sprach, von denen sie nicht die geringste Ahnung hatte. Politik, Wirtschaft, Wissenschaft. Sie widersprach einem seiner größten Kunden, als dieser sich über die aktuellen Probleme in Israel ausließ. Sie schwärmte zusammen mit Frau Schneider über die Kunst von Tamara de Lempicka und Modigliani.
Kurz: seine Frau unterhielt sich blendend und benahm sich ganz und gar daneben. Noch nie hatte sie auf so einer Veranstaltung so viel geredet. Nie hatte sie sich über den üblichen Smalltalk hinaus bewegt. Und jetzt das.
Gregor versuchte, Schadensbegrenzung zu betreiben, indem er seine Geschäftskunden auf eine gute, kubanische Zigarre in die Raucherlounge bat. Auf dem Weg dorthin rätselte er, was mit Lydia geschehen war. Was war passiert?

Als sie nach der Veranstaltung in Gregors A8 nach Hause fuhren (Gregor fuhr natürlich selber, er hatte ja während der Feier gegessen und der letzte Drink war schon eine Stunde her) sagte er lange Zeit gar nichts. Lydia schaute während der Fahrt aus dem Fenster, wirkte ruhig und zufrieden. Nach einem langen Schweigen hielt Gregor es plötzlich nicht mehr aus. „Was war das eben?“ fragte er. Langsam wandte Lydia ihm den Kopf zu. „Was meinst Du?“ „Was ich meine? Nun, nichts Besonderes. Nur, dass Du mich heute bis auf die Knochen blamiert hast. Was hast Du Dir dabei gedacht? Wieso warst Du erst so spät und wie kommst Du dazu, Dich wie eine verdammte Emanze aufzuführen und das ganze Tischgespräch an Dich zu reißen?“ Die Worte sprudelten nur so aus ihm heraus, den ganzen Abend schon hatten sie unter der Oberfläche gebrodelt und ungeduldig darauf gewartet, hervorzubrechen, ausgesprochen zu werden. Lydia blickte ihn an, mit einem merkwürdig tiefen, irgendwie überlegenen Blick. „Entschuldige, Gregor“, sagte sie ruhig. „Ich wollte nur Konversation betreiben. Das Gespräch war so interessant und ich hatte mich in der letzten Zeit ausgiebig mit der Israel-Problematik befasst. Was Herr Mantwill da gesagt hat, war einfach absoluter Unsinn. Man kann das nicht immer alles so simpel sehen und alles über einen Kamm scheren. Ich frage mich, wie man so uninformiert Unterhaltungen führen kann. Wenn ich nichts weiß, mische ich mich ja auch nicht ein. Aber gut, ich will nicht wieder davon anfangen. Was das zu spät kommen betrifft: Oh je, ich habe wirklich die Zeit total vergessen. Ich habe trainiert und gelesen beim Laufen, und plötzlich war es schon so spät. Es kommt nicht wieder vor. Ich habe doch auch sicher nur ein paar langweilige Reden verpasst, oder?“ „Stimmt, Lydia, meine langweilige Rede, mehr nicht“ sagte Gregor sarkastisch. „Ja, es war dumm, entschuldige bitte. Es kommt nicht wieder vor.“ Diese Ruhe. Diese Ruhe in ihrer Stimme, in ihrem Blick. Auf seine Angriffe ging sie gar nicht ein. Seine anfängliche Wut verpuffte und verwandelte sich in Verwirrung. Was war mit ihr los? Seit wann beschäftigte sie sich mit der Israel-Problematik? Und wieso war sie so beunruhigend ruhig? Wie ein Mensch, der seinen Frieden mit sich gemacht hat, wie jemand, der in sich ruht. Und auch irgendwie weit weg von ihm, von allem.
„Lydia,“ begann er zögerlich, „sag, ist alles in Ordnung mit Dir? Du wirkst so ... fremd, Liebes.“ In diesem Moment lenkte er den Wagen in die Einfahrt. Lydia schaute wieder aus dem Fenster und sagte nur „Mach Dir keine Sorgen, Gregor, es geht alles seinen Gang.“ Mit diesen Worten öffnete sie die Beifahrertür und ging rasch ins Haus
Weder an diesem noch an einem der folgenden Tage wurde das Thema noch einmal angesprochen. Jedes Mal, wenn Gregor einen Versuch wagte, reagierte Lydia freundlich, distanziert, sagte, alles sei gut.
Gregor hatte viel Arbeit, viele Dienstreisen, seine Frau sah er immer seltener. Frau Krause fragte immer öfter, ob bei Lydia alles in Ordnung sei. Eines Abends, als sie gemeinsam Überstunden machten, um ein wichtiges Angebot auszuarbeiten und Frau Krause wieder einmal fragte, „wie es der Gattin gehe“, konnte Gregor nicht mehr an sich halten. Er schüttete Frau Krause sein Herz aus, erzählte von dem blamablen Verhalten Lydias auf dem Fest (von dem Frau Krause schockierenderweise schon wusste) und davon, dass er und Lydia sich einfach nicht mehr nah wären. Das Ganze endete mit einer Affäre zwischen ihm und Frau Krause und damit, dass seine Frau bei sämtlichen Firmenangelegenheiten zufällig außer Landes war und so ihre Unterschriften, sofern sie nötig waren, schon vorab leistete. In der Firma war Lydia zwar als Miteigentümerin mit ihrem Erbe eingetragen, aber faktisch war sie kaum jemals im Geschäft und überließ ihrem Mann stets die Entscheidungen.
Die Affäre mit Frau Krause beruhigte Gregor. Lydia war stets unter Kontrolle, Frau Krause arrangierte geschickte Geschenke über Parfums, Wellness-Wochenenden und Kreuzfahrten, Seidenkimonos und Shopping-Wochenenden, so das Lydia es gar nicht so recht mitbekam, dass er sie außer Sicht schaffte, wenn es zu riskant war, sie bei Firmentreffen einzuladen. Frau Krause war außerdem eine junge, aufregende Frau, die Gregors Ego schmeichelte und war es nicht so, dass in seinem Alter und seiner Position eine jüngere Frau schon fast zum Status dazugehörte?
Bettina Krause hatte alles im Griff. Sie war verschwiegen, sie war genügsam und sie sorgte dafür, dass alles seinen Gang ging. Gregor nahm sie mittlerweile auch mit zu den Geschäftstreffen auf Sylt und er war nicht der Einzige, der dort mit einer anderen als seiner Ehefrau auftauchte. Den Bodensee-Sommerurlaub musste Gregor leider absagen aber Lydia war darüber offenbar nicht enttäuscht. Als „Entschädigung“ hatte Bettina für sie einen Kururlaub in den Pyrenäen gebucht, der zufällig in der gleichen Woche war, wie die Vollversammlung. Als er Lydia die Buchung vorlegte, wirkte sie nicht überrascht, zeigte sich zwar nicht sonderlich begeistert aber doch irgendwie erfreut und legte die Unterlagen in eine Schublade ihres Sekretärs.
Am Montag vor der Versammlung war sie abgereist und heute, am großen Tag lag sie vermutlich in irgendeinem Whirlpool oder einer Moospackung. Ob sie während ihrer Urlaube einen anderen hatte, war ihm erstmal egal, wenn Bettina irgendwann forschere Anforderungen an ihn stellen würde, würde er sich dort genauer umschauen müssen. Aber bisher...
Bettina kam auf ihn zugeeilt. Sie telefonierte und nahm gerade die Absage eines Kunden entgegen, der leider nicht würde kommen können. Als sie aufgelegt hatte, lächelte sie ihn kurz an. „Es läuft alles wie am Schnürchen,“ sagte sie. „Die Vollversammlung wird perfekt – ich wüsste nicht, was jetzt noch schiefgehen könnte.“
Eine Stunde und fünfunddreißig Minuten später wussten sie beide, was noch schiefgehen konnte. Lydia.
Sie war auf der Vollversammlung erschienen. Fünf Minuten nachdem die Sitzung eröffnet war, öffnete sich die Tür des Sitzungssaales und sie trat ein. Sie trug ein elegantes, schwarzes Kostüm, „Chanel“ dachte Bettina, und sah blendend aus. Sie entschuldigte sich und sah sich suchend nach einem Platz für sie um, den es natürlich nicht gab, sie war ja nicht eingeplant gewesen. Bettina wollte gerade einen Stuhl holen gehen, als Lydia sie freundlich bat, sich keine Umstände zu machen. „Gehen Sie nicht, Bettina,“ sagte sie klar und deutlich, „was ich zu sagen habe dauert nicht lang.“
Ein Raunen ging durch den Sitzungssaal – keiner wusste, um was es gehen sollte. Einige der Anwesenden schauten in den Tagesablauf, doch Lydias Auftritt war nirgends vermerkt.
„Entschuldigen Sie, meine Damen und Herren, ich mache es kurz. Ich stehe nicht auf der Agenda, schon lange nicht mehr. Ich möchte nur kurz mitteilen, dass ich mich aus dem Unternehmen zurückziehen werde.“ Unruhe machte sich breit. „Mit meinem Kapital.“ Die Unruhe wurde stärker, der Saal war von einem Wispern und Raunen erfüllt. „Nach reiflicher Überlegung, meine Damen und Herren, habe ich beschlossen, mein Erbe aus dem Unternehmen herauszunehmen und es sinnvolleren Dingen zukommen zu lassen. Ausschlaggebend für meine Entscheidung war die Kooperation mit unseren chinesischen Geschäftspartnern, die mein Mann eigenmächtig ohne wirklich mit mir darüber zu sprechen, durchgesetzt hat. Nachdem diese Kooperation begonnen hatte, nutzte ich meine viele freie Zeit, um nachzuforschen. Unsere „Geschäftspartner“ können deshalb so günstig liefern, weil sie unter menschenunwürdigen Bedingungen Kinder, Frauen und alte Männer schuften lassen. Ich habe mir die Produktionsstätten angeschaut – ich glaube, dass war, als ich das letzte Mal zum Shopping-Trip nach Paris geschickt wurde, Bettina, Gregor.“ Mittlerweile war der Sitzungssaal totenstill. „Ich habe beschlossen, mit sofortiger Wirkung meine Vermögensanteile aus der Firma herauszunehmen. Weiterhin habe ich mir die Freiheit genommen, die Presse und die Kunden unseres Unternehmens von diesem unglücklichen Fehltritt, den unser Geschäftsführer zu verantworten hat zu informieren. Ihnen würde ich vorschlagen, meinen Ehemann unverzüglich aus seiner Position als Geschäftsführer zu entheben und einen guten Ersatz für ihn zu finden. Dieses Unternehmen ist im Prinzip gesund und wird weiterexistieren, wenn Sie jetzt schnell handeln und sie sich von der China-Kooperation entfernen.
Ich persönlich werde über meinen Anwalt erreichbar sein, falls noch etwas zu regeln ist. Meine direkten Anweisungen habe ich hier in diesem Schreiben,“ sie hielt einen Umschlag in die Höhe, „niedergelegt.“ Lydia sah in die Runde, schaute kurz zu Gregor und Bettina. Gregor meinte, ein missbilligendes Kopfschütteln zu sehen, doch dann war es verschwunden. „Entschuldigen Sie mich, meine Herrschaften, ich muss nun gehen.“
Kaum hatte sich die Tür des Sitzungssaals hinter ihr geschlossen, brach ein Sturm los.

Vier Monate später, Tibet:

Lydia blickt in die Ferne. Ihr Lehrer, Lama Rangjung, schaut sie freundlich an. „Du willst uns nun wirklich verlassen, Lydia“, fragt er. „Was ist Dein Weg, wohin wird er Dich führen?“ Lydia lächelt. „Nach China, zu den Teufeln,“ sagt sie. „Ich muss mich darum kümmern, dass es dieses Zentrum, was wir geplant haben, auch wirklich geben wird. Ein Zentrum für Kinder und Frauen, die sich verletzt haben, an den schlechten, alten Maschinen der großen Firmen. Für die, die nie mehr werden arbeiten können. Ich muss es jetzt tun, Lama Rangjung, ich habe nicht mehr viel Zeit.“ „Du sprichst von Deiner Krankheit, den Krebs, wie Du ihn nennst. Bist Du denn stark genug? Wirst Du es aushalten?“ Lydia wendet ihren Blick von den Bergen ab. Ihre blonden Locken sind verschwunden, abrasiert. Sie trägt ein einfaches Gewand, dass die Mönche ihr gaben. Nichts erinnert mehr an die elegante, reiche Frau von vor acht Monaten. „Ich muss, mein Freund, ich muss. Ich werde stark sein. Letztes Jahr im Frühling, als das Grün zurückkam, sagte mein Arzt, ich hätte noch sechs Monate. Mittlerweile sind es schon zehn. Vielleicht reicht es noch ein bisschen länger, um auch wirklich alles in Ordnung zu bringen. Vielleicht nicht perfekt, aber zumindest muss ich es auf den Weg bringen.“ Wieder blickt sie in die Ferne, ein leichtes, entschlossenes Lächeln auf den Lippen. Ihre Augen strahlen. 

© sayuri's exile

9 comments:

  1. also ich bin schonmal begeistert! :)

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  2. Ich auch! Ich mag die Schilderung von Gregors Sicht, die ja leider so oft auch real ist... und so etwas wie Lydias Emanzipation leider zu selten. Traurig finde ich die Wendung am Ende der Geschichte, das ausgerechnet Krebs sie zu ihrem Umdenken bewegt hat... Am besten fand ich die Feststellung, dass eine jüngere Frau bei Gregors Stellung wohl "einfach dazugehört" :-D
    Ich bin gespannt auf den nächsten Monat :-)

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  3. Liebe Sayuri!

    Respekt! Da ist dir eine tiefgründige Geschichte gelungen, die rund und perfekt geschrieben ist.

    Was ich mir persönlich wünsche? Eine Wunderheilung für Lydia!

    Danke für deine Teilnahme am Schreibprojekt und liebe Sonntagsgrüße - Donna

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  4. Sehr gut geschrieben!

    Spannung bis zum Ende.

    Bin auch auf die nächsten Geschichten gespannt!

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  5. Liebe Sayuri,

    Oh wow, das ist eine wirklich spannende Geschichte bis in den Schluss hinein. Ehrlich.
    Gut recherchiert, viele aktuelle Punkte und sehr gut strukturiert und geschrieben. Ich war bis zum Ende gespannt, was noch so alles passiert. Ich hab ja irgendwie an einen Krimi gedacht, aber dann lief es doch in eine andere Richtung. Aber das kommt wahrscheinlich von meiner Krimiseele :-)

    Aber mal ehrlich, da ist dir ein wirklich guter Einstieg in dieses Projekt gelungen. Respekt, respekt. Ich bin dann mal sehr gespannt auf die nächste Kurzgeschichte, die du uns in einem Monat präsentieren wirst. Du solltest da auf jedem Fall am Ball bleiben. Für uns!!! :-)

    Ich wünsch dir noch einen schönen Sonntag und eine gute Heimreise.

    Viele liebe Grüsse

    Siobhan

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  6. Mir gefällt auch der Ansatz, Lydias Veränderungen aus Sicht des hierdurch irritierten und verstörten Gregor zu erzählen :)
    Lg Natira

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  7. Danke, danke für Eure lieben Worte! Ich freue mich riesig, dass Euch die Geschichte so gut gefällt.

    @daishi:
    Ich danke Dir an dieser Stelle für das denken helfen, als ich blockiert war und für das viele Zuhören - im Auto, auf dem Balkon oder am Telefon.

    @BecK:
    Ja, es ist etwas gemein, mit dem Krebs, aber plötzlich hatte sie den einfach. Und naja, ich glaube Gregor ist einfach für einen Bestimmten Schlag von Menschen ein gutes Abziehbild - zum Glück sind ja nicht alle so!

    @Donna:
    Wow, ich dank Dir!
    Wer weiss, vielleicht hat Lydia ja Glück. Immerhin hat sie die ihr zugedachten Monate ja schon weit überschritten und schient auch so noch relativ fit zu sein?

    @Eva:
    Dankeschön! Ich bin auch schon sehr motiviert für die nächste Story, nach Euren lieben Worten!

    @Siobhan:
    Vielen Dank auch Dir. Nein, es sollte nie ein Krimi werden, der Gedanke der sich befreienden Frau war schon die ganze Zeit da und hat sich auch nicht verändert (dafür aber ganz viele andere Punkte der Geschichte ;)
    Ja, ich bleib dabei, nach so viel Lob... *strahl*

    @Natira:
    Ich habe versucht, objektiv zu bleiben und ihn nicht zu schlecht dastehen lassen. Wahrscheinlich könnte mir nur ein "echter" Gregor sagen, ob Gregors so denken...

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  8. Liebe Sayuri,
    was für eine wunderbare und tiefgründige Geschichte. Ich danke dir ganz herzlich.
    Und ich bin mir sicher, dass Lydia noch sehr lange leben wird und ihr Projekt tatkräftig unterstützten wird und glücklich, zufrieden und wieder gesund weiterlebt. So wünsche und denke ich es mir.
    Auch ich freue mich schon sehr auf die nächste Geschichte und freue mich, dass ich über Donnas-Projekt auf deinem Blog gelandet bin.
    Bis bald.
    Von Herzen
    Doris

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  9. Liebe Doris,
    ich danke Dir sehr für Deine lieben Worte. Ehrlich, sie haben mich sehr berührt und ich bin auch sehr froh, dass Du zu mir in meinen Blog gefunden hast. Was ist mit Dir, bloggst Du auch?

    Ich denke Lydia wird ihren Weg gehen, sie hat sich ja nun gefunden...
    Liebe Grüsse und auf bald!
    Sayuri

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