10/01/2009

Into the Wild




Gestern habe ich mir als Teil meiner Prüfungsbelohnung die Spiegel-Kultur Edition von Into the Wild gekauft der dann natürlich auch gleich abends geschaut werden musste. Eigentlich zähle ich mich ja nicht zu den absoluten Technik-Freaks und finde BluRays zwar nett aber nicht notwendig für mich. Bei diesem Film ist es anders. Die Bilder sind atemberaubend und wären in HD-Qualität sicherlich noch schöner gewesen.
Aber nichts destotrotz hat mich der Film sehr stark beeindruckt. Sean Penn ist ein grossartiger Filmmacher - laut dem Booklet der DVD ist eins seiner Credos das er den Leuten immer selbst überlassen will, inwieweit sie sich auf die Figur einlassen, was sie für Schlussfolgerungen ziehen etc. Das ist ihm zweifellos auch dieses Mal gelungen. Für mich war dieser Film voller Erkenntnisse. Ich finde die Figur des Alexander Supertramp alias Christopher McCandless irgendwie sympatisch, irgendwie beeindruckend aber irgendwie auch unfair. Der Film hat mir gezeigt, wie wichtig ich es finde, zu seiner Familie zu stehen und sich ihr gegenüber verantwortungs- und respektvoll zu verhalten. Die Eltern von Chris waren keine super-tollen Eltern, sie waren Eltern, die in ihrer Lügenwelt lebten und versuchten sich damit zu arrangieren. Für sie war das größte Geschenk, was sie ihrem Sohn machen konnten, ein neues Auto - etwas, was ihrem Sohn einfach gar nichts bedeutete. Sicher, sie waren gedankenlos, sie waren nicht die besten Eltern. Aber sie konnten vielleicht einfach nicht anders? Und seine Schwester, die ihn sehr liebte - auch sie wurde von ihm verlassen - ohne ein Wort, ohne Rücksicht darauf, dass sie nun allein die Bürde des Kindseins bei diesen Eltern tragen musste.
Ich verstehe, dass er gehen wollte, ich verstehe, dass er die Gesellschaft satt hatte. Ich bewundere seinen Mut und seine Willenskraft - ich hätte beides nicht. Ich verschliesse oft genug die Augen vor Missständen in unserer Gesellschaft, weil ich einfach nicht so viel Unbequemes in mein Leben lassen will. Es ist ganz schön schlimm, dass zu schreiben. Denn im Prinzip ist es so: ich bin zu bequem, um der Wahrheit ins Auge zu blicken. Zu bequem, um zu versuchen etwas zu ändern oder um zumindest selbst das Leben zu leben, was ich leben müsste, um authentisch zu sein.

Aber andererseits: War es das wirklich wert? Wahrscheinlich für ihn schon. Er hat am Ende doch oft genug glücklich gewirkt oder zumindest so, als sei er bei sich angekommen. Und die Verachtung, die er für die Gesellschaft (im Ganzen) hatte, hätte es ihm sicher schwer gemacht, sich je wieder in sie einzufügen. Und doch lernte er auf seiner Reise wunderbare Menschen kennen und hätte (meiner Meinung nach) durch sie sein hartes Urteil über die Menschheit auch revidieren können. Aber vielleicht war er zu festgefahren in seiner Meinung, wie seine Schwester im Film sagt: "Chris war schon immer ein Getriebener".
Und auch gegenüber den tollen Menschen, die er kennenlernte, verhielt er sich unfair. Für diese Menschen war er wichtig geworden und er liess sie einfach stehen, wollte nur noch weg. Ich finde das hart. Aber auch da greift wieder die Aussage, dass er ein Getriebener war.

Wie man unschwer erkennen kann: der Film bewegt. Der Film bewegt unheimlich viel in mir. Ich musste soeben den amazon-Einkaufswagen umsortieren, weil ich jetzt auch das Buch haben will und ausserdem den Soundtrack galaktisch finde. Ich kann jedem empfehlen, den Film zu schauen. Die schreckliche Szene, in der er einen, ich glaube es war ein Elch oder so, erschiesst und zerlegt habe ich mir nicht angesehen - das muss ich nicht haben ... Das Ende ist traurig, aber typischerweise weiss man ja schon vorher, was passiert. Zumindest haben die Bären und Wölfe schon mal nichts damit zu tun - was vielleicht für den ein oder anderen beruhigend ist ;)
Man muss natürlich auch sehen, dass es ja wieder nur ein Film war - inweit war das was man dort sieht Realität? Ich bin gespannt auf das Buch, erwarte aber recht hohe Übereinstimmungen, da die Familie wohl mit Sean Penn zusammengearbeitet hat. Auch das macht den Film für mich noch eindrucksvoller...

Wer die Geschichte ohnehin schon kennt dem sei noch schnell das Buch "Drop City" von T.C. Boyle empfohlen. Ein tolles, spannendes Buch, wenn auch mit einem sehr anderen Ausgang und Hintergrund. Dort geht es um diverse Hippies, die auch in Alaska aussteigen wollen und deren Geschichte. Ich fand das Buch auch wirklich sehr gut geschrieben und werde es - nach "Into the wild" - vielleicht nochmal lesen.

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