10/12/2009

In die Wildnis von Jon Krakauer

Soeben habe ich o.g. Buch beendet.
Es hat mir im Grossen und Ganzen gefallen - vielleicht abgesehen von der Verherrlichung, die Jon Krakauer Chris McCandless angedeihen läßt. Etwas mehr Objektivität hätte ich mir manchmal gewünscht. Andererseits sagt Krakauer schon auf den ersten Seiten, dass er nicht objektiv berichten wird, also kann man ihm daraus eigentlich keinen Vorwurf machen.

Entgegen meiner Erwartungen ist der Film von Sean Penn "Into The Wild" eine wirklich sehr genaue Wiedergabe des Buches. Ich finde nicht viel Neues in dem Film - was ich eigentlich erwartet hatte, da in dem DVD-Booklet angekündigt war, dass Sean Penn sehr eng mit der Familie zusammengearbeitet habe. Aber wahrscheinlich bezog sich die Zusammenarbeit eher darauf, dass er sich mit der Familie abgesprochen hat, was er wie zeigen darf etc. (und nicht irgendwelche neuen Erkenntnisse dadurch einflossen).

Also gut, hier mein Fazit: McCandless hat wie schon in einem früheren Post beschrieben sein grosses Abenteuer in Alaska mit dem Tod bezahlt. Ich respektiere und bewundere viele seiner Facetten aber er hat auch mein Mitgefühl, weil er sich so in seine Wut auf die Gesellschaft und die Familie verrannt hatte, dass er sich von niemandem verabschiedet hat oder auch vielleicht seinen Frieden mit den Eltern machen konnte.
Das finde ich sehr schade. Zumal er ja offenbar auch eigentlich schon zurück wollte, aber wegen der Eisschmelze nicht konnte. Das ist für mich das wahrhaft Tragische an ihm.

Schön fand ich, dass Krakauer am Ende des Buches eines der letzten Bilder (also als McCandless schon wusste, dass es keine Hoffnung mehr geben konnte) und damit den Frieden in seinem Gesicht beschreibt: "Aber falls er sich in jenen letzten, schwierigen Stunden selbst bemitleidet haben sollte - weil er so jung war und so allein, weil sein Körper und seine Willenskraft ihn im Stich gelassen hatten -, so ist auf dem Foto jedenfalls nichts davon zu erkennen. Er lächelt, und der Blick in seinen Augen läßt keinen Zweifel zu: Chris McCandless war mit sich selbst in Frieden. Er strahlt die heitere Gelassenheit eines Mönchs aus, der zu seinem Herrn aufsteigt." (Jon Krakauer: In die Wildnis - Allein nach Alaska, 1996)


Holding a note that reads: “I have had a happy life and thank the Lord. Goodbye and may God bless all!” Chris McCandless, August 1991

So verlasse auch ich Chris McCandless nun, nachdem er mich einige Tage gefesselt hat. Meine Gedanken drehten sich tatsächlich sehr häufig um ihn. Die fantastische Musik von Eddi Vedder wird auch weiter bei mir sein und mich sicher immer wieder an ihn erinnern. Irgendwann werde ich den Film wieder sehen, Jon Krakauers Buch erneut lesen. Und ich glaube, ein Teil von ihm wird auch bei mir bleiben. Am meisten bewundere ich wohl seinen Mut, seine Emotionen zu leben, dem Ruf in die Wildnis gefolgt zu sein und sein soziales Netz zurückgelassen zu haben, um auf der Reise ein neues zu finden und aufzubauen. Sein Verhältnis zu seiner Familie ist ja auch seine Sache - auch wenn ich es sehr traurig finde, dass seine Eltern mit so viel Schmerz zurück gelassen wurden.
Sein Mut und seine Entschlossenheit finde ich bewundernswert - auch wenn ich selber nicht nach Alaska - Into the Wild - möchte - vielleicht finde ich eines Tages auch den Mut, mich ein wenig treiben zu lassen und zu sehen, wohin meine Füsse mich tragen.

1 comment:

  1. nachdem du mir vom film und dem buch erzählt hattest, was ja alles sehr interessant klang, konnte ich zufälligerweise im weltbild-laden das buch etwas anzulesen (die story, die der truckfahrer erzählt und das foto, daß dort gemacht wurde). zusammen mit deinem post bleibt mir gar keine wahl, als mich in die warteschlange der ausleihwilligen bei dir einzureihen. :)

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